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Reese: "Wir wollten sie heute auffressen"

kicker

Mit den Füßen ist ihm am Samstag ziemlich viel gelungen, aber eine der ersten Fragen galt seinen Händen. Im Spiel gegen Preußen Münster (2:1) war Fabian Reese nach vertanen XXL-Chancen der Kollegen mehrfach auf die Knie gesunken und hatte mit den Händen in einem Anflug von Verzweiflung auf den Rasen geschlagen.

"Ich", sagte Herthas Kapitän nach der besten Teamleistung der Saison, "hätte hier auch mit vier Scorerpunkten stehen können oder müssen." Stattdessen standen in seiner persönlichen Bilanz am Ende null Scorerpunkte - und ein Traumtor aus weiter Distanz, das der VAR wegen einer knappen Abseitsstellung von Sebastian Grönning unbarmherzig einkassiert hatte (10.).

Die Mann-Orientierung als Schlüssel zum Sieg

Das Berliner Olympiastadion erlebte am Samstag ein Festival der verpassten Chancen - und zugleich einen Nachmittag, der zeigte, wozu dieses so zäh in die Saison gestartete Ensemble fußballerisch in der Lage ist, wenn Intensität und Abläufe passen. Herthas erster Heimsieg seit dem 4. Mai (1:0 gegen Fürth) war in erster Linie ein Triumph der Aktivität. "Unfassbar gut in den Pressingsituationen" fand Trainer Stefan Leitl sein Team. Es war der entscheidende Unterschied zum DFB-Pokal-Duell beider Teams Mitte August (5:3 für Hertha im Elfmeterschießen).

"Aus dem Spiel", sagte Toni Leistner, "haben wir ein paar Lehren gezogen und wollten diesmal eine klare Mann-Orientierung haben. Wir haben Mann gegen Mann über den ganzen Platz verteidigt. Das sieht vielleicht ab und zu ein bisschen blöd aus, aber hat uns viele Balleroberungen im vorderen Drittel und gute Umschaltmomente gebracht."

Das war neben den vielen Spielverlagerungen, mit denen die Berliner Münsters Mittelfeld-Raute immer wieder in die Bredouille brachten, der Schlüssel zum Sieg. Hertha nahm den Westfalen im Aufbau zeitweise die Luft zum Atmen. "Wir waren energetisch auf einem sehr guten Level. Wir haben uns vorgenommen, dass wir ihnen heute mal zeigen, wie Zweikämpfe gehen", unterstrich Kapitän Reese. "Wir wollten sie heute zu Hause auffressen." Das wurde sichtbar - nicht nur wegen der imponierenden Teamlaufleistung von mehr als 127 Kilometern.

Leitl: "So einen xGoals-Wert hatte ich noch nie"

"Sehr diszipliniert gegen den Ball" fand der seit Wochen Topform aufweisende Torwart Tjark Ernst seine Vorderleute: "Man hat gesehen, was dieses Stadion für eine Energie entfachen kann." Es war nach drei zähen Heimauftritten ohne Tor (0:0 gegen den Karlsruher SC, 0:2 gegen Elversberg, 0:2 gegen Paderborn) ein Tag der Befreiung. Hertha spielte ohne angezogene Handbremse und über fast 80 Minuten mit einem nahezu perfekten Mix aus Zielstrebigkeit, Aggressivität und Kontrolle.

Der einzige Makel war der verschwenderische Umgang mit den eigenen Torchancen. Angesichts eines xGoals-Werts von etwa 4,8 (Leitl: "So einen Wert hatte ich noch nie") war der Berliner Ertrag von zwei Toren ein Dokument der Fahrlässigkeit. "Wir haben sehr viel dafür getan, dass es ein spannender Nachmittag war", konstatierte Leitl mit Blick auf die Vielzahl ausgelassener Möglichkeiten.

Doppeltorschütze Grönning, der umtriebige Marten Winkler, Abwehrchef Leistner nach einer Ecke, in der Schlussphase die Joker Luca Schuler und Kevin Sessa, die allein auf Preußen-Torhüter Johannes Schenk zuliefen und scheiterten - Hertha hatte mehrfach die Gelegenheit, die Ausfahrt Richtung Kantersieg zu nehmen. "Spätestens die Situationen von Luca und Kevin hätten Tore sein müssen", tadelte Leitl nach dem Schlusspfiff. "Du kannst solche Situationen nicht wegwerfen. Das haben wir leider getan."

"Wenn wir so im Rausch sind, müssen wir die Tore machen"

Das Anschlusstor von SCP-Joker Etienne Amenyido brachte eine Spannung in die Partie, die die über 80 Minuten herrschenden Kräfteverhältnisse nicht widerspiegelte. "Wenn wir so im Rausch sind und so viele Chancen haben, müssen wir die Tore machen", monierte Reese. Er hatte schon während des Spiels prophetische Anwandlungen: "Ich habe den Jungs gesagt, wir müssen gieriger sein. Wir müssen aufs 3:0, aufs 4:0 gehen, nicht zufrieden sein, keinen Gang herausnehmen - damit es am Ende nicht spannend wird. Das hat uns fast eingeholt."

Nur fast. Am Ende ging es gut. Erster Heimsieg der Saison, beste Leistung der Saison, dritter Sieg aus den vergangenen vier Spielen: Hertha ist - die Indizienlage ist beinahe erdrückend - in dieser Saison angekommen. "So", resümierte Leitl, "musst du Fußball spielen, um in dieser Liga erfolgreich zu sein - und zwar auf Strecke." Und Reese nahm eine Erkenntnis aus dem Tag mit, die noch wichtiger war als die eigene Scorer-Bilanz: "Das war spielerisch eine deutliche Steigerung. Die Tendenz stimmt."