BTSV bleibt drin mit Acht-Tage-Trainer
Viele Tränen bei Torwart Ron-Thorben Hoffmann, innige Umarmungen ohne Ende, ausgiebiger Applaus für die eigenen Fans und eine Ansage am Zaun von Routinier Robin Krauße. Kurz nach dem intensiven, bis in die Verlängerung gehenden und im Braunschweiger Regen stattfindenden Rückspiel dieser Zweitliga-Relegation (2:2 nach Verlängerung) war der Eintracht-Mannschaft die pure Erleichterung anzumerken.
Die Erleichterung darüber, nach einer komplizierten Saison mit nur 35 Punkten aus 34 Ligaspielen (Rang 16) doch mit einem großen Erfolg - dem Verbleib im deutschen Unterhaus - dazustehen.
Benjamin Kessel, Geschäftsführer Sport bei den Löwen, legte genau diese Gefühlswelt bei Sky offen dar: All das bis rein in diese Relegation gegen Drittligist Saarbrücken sei eine "Achterbahn der Gefühle" gewesen. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist ne tolle Truppe, auch die Fans. Wir sind das schwierige Jahr gemeinsam durchgegangen, haben brutal zusammengehalten. Wir waren im Verein immer geschlossen - obwohl es nicht einfach war." Man sei durch Täler geschritten, habe Negativmomente durchlebt und Rückschläge weggesteckt.
Hoffmann ist leer und bleibt in Braunschweig
So ganz individuell auch Schlussmann Hoffmann, der allein in der dramatischen Verlängerung mit zahlreichen Paraden ein zweites Comeback der Saarbrücker nach dem zwischenzeitlichen 2:0-Zwischenstand verhinderte (0:2-Niederlage für den FCS im Hinspiel) und das alles entscheidende 2:2 selbst mit einem weiten Abschlag vorbereitet hatte.
"Es ist für viele kein Geheimnis, dass es für mich gerade im ersten Halbjahr ein schwierige Phase war", sagte der ehemalige FC-Bayern-Keeper, der nach unglücklichem Schalke-Engagement seit diesem Jahr wieder zurück an seinen vormaligen Klub Braunschweig ausgeliehen worden war. Und wohl auch deshalb nach diesem intensiv erreichten Zweitliga-Verbleib in Tränen ausgebrochen und zur Familie geschritten war. "Solche Emotionen kommen dann einfach raus, meine Eltern und mein Bruder bedeuten mir einfach alles - ohne sie wäre ich nicht hier." Er sei schlicht allen dankbar, die ihn hier nach seinem ersten BTSV-Aufenthalt zwischen 2022 und 2024 wieder integriert hätten. "Das ganze Umfeld, der Verein, wie er mich hier aufgenommen hat, war unbeschreiblich."
Dem Team sprach er in diesem Atemzug auch ein großes Lob aus, stets gegen Rückschläge angekämpft zu haben: "Wenn du siebenmal tot bist, dann stehst du eben das achte Mal wieder auf. So auch heute, wir waren nach dem 0:2 auch wieder tot. Die Gelb-Rote (gegen Saarbrückens Calogero Rizzuto in der Nachspielzeit der 90 Minuten; Anm. d. Red.) hat uns aber wieder Kraft und Mut gegeben." Was wichig sei, schließlich gehe es um weit mehr als nur ein Fußballspiel. Deswegen ergänzte der Torhüter bei Sat.1: "Relegation ... du spielst ja nicht nur für dich, du spielst für den ganzen Verein, das Umfeld, die Mitarbeiter, die hier arbeiten."
„Ich würde mir wünschen, dass es nächste Saison anders wird.“ (Ron-Thorben Hoffmann)
Eine Bitte hatte Hoffmann in diesem Atemzug aber auch: "Trotzdem würde ich mir wünschen, dass es nächste Saison anders wird." Und dass Braunschweig einfach mal weniger aufreibende Spiele, Phasen durchlebt. "Ich bin grad einfach leer, muss zu meiner Familie - und dann schauen wir, wo der Abend hinführt." Bedeutete zugleich aber eben auch: Der Torwart bleibt! Hoffmann dazu: "Das ist ganz klar geregelt, da freu ich mich drauf. Dafür habe ich das halbe Jahr gearbeitet."
Pfitzner: "Ich hatte auch überhaupt keinen Bock auf Elfmeterschießen"
So wie Marc Pfitzner, der erst vor acht Tagen als Retter und interimsweise als Nachfolger von Daniel Scherning installiert worden war. Dessen Gefühlswelt? Auch durcheinander und auf Erleichterung gebettet. Das gab der Coach offen bei Sat.1 zu: "Es war ein absoluter Nervenkrimi, Saarbrücken hat uns alles abverlangt - das war sicherlich auch nicht schön. Doch das nehm ich jetzt so mit."
Er sei am Ende des Tages "einfach nur froh, dass wir die Klasse gehalten haben. Alles andere ist mir ehrlich gesagt scheißegal. Ich hatte auch überhaupt keinen Bock auf Elfmeterschießen." Deswegen habe er nochmals umgestellt in der Verlängerung, auch weil die Braunschweiger hier eben in Überzahl gespielt hatten. Der Plan ging auf - und nun müsse er "all das erst einmal sacken lassen".
Anders als bei Keeper Hoffmann, der von seinem Trainer noch großes Lob spendiert bekam ("Wir wissen, was wir an Hoffi haben - das hab ich ihm auch nochmals gesagt und mich bei ihm bedankt"), ist die Zukunft von Pfitzner noch nicht geregelt. Auch wenn er zugab: "Bock hab ich schon - irgendwann." Doch groß Gedanken an eine längere Zeit auf der BTSV-Trainerbank mache er sich so kurz nach dem erreichten Ziel des Klassenerhalts nicht. Was passiert, werde man in näherer Zukunft sehen.
Nur nicht mehr an diesem Abend, der ohne großen Plan noch gefeiert werden wollte.