WM-Qualifikation
Österreichs Auftaktgegner in der WM-Qualifikation hat seine beste Zeit lange hinter sich. In den 1990er Jahren zählte Rumäniens Auswahl zu den besten Teams Europas, doch vom Glanz der von Gheorghe Hagi angeführten goldenen Generation ist man vor der Partie am Samstag im ausverkauften Happel-Stadion weit entfernt. Die Quali begann im März mit einem Heim-0:1 gegen Bosnien-Herzegowina, in der Weltrangliste reicht es derzeit nur zu Platz 45 - Österreich ist 22.
Vor rund 30 Jahren lehrten die Rumänen noch den absoluten Topteams das Fürchten. Angeführt von Hagi und gespickt mit weiteren Klassekickern wie Gheorghe Popescu oder Dorinel Munteanu, warfen sie im Achtelfinale der WM 1994 den damaligen Vizeweltmeister Argentinien aus dem Bewerb, es folgte ein unglückliches Out im Viertelfinale im Elferschießen gegen Schweden.
Bei der Endrunde 1990 war Rumänien im Achtelfinale gegen Irland ebenfalls das Elferschießen zum Verhängnis geworden, 1998 war in der Runde der letzten 16 gegen den späteren Semifinalisten Kroatien mit 0:1 Endstation. Zudem stieß man bei der EM 2000 bis ins Viertelfinale vor.
Rumänen wie ÖFB-Team seit 1998 ohne WM-Teilnahme
Seither hielten sich die rumänischen Sternstunden in Grenzen. Auf eine WM-Teilnahme wartet man wie Österreich seit 1998 vergeblich, immerhin reichte es noch zu drei EM-Teilnahmen - 2008 und 2016 kam das Out in der Gruppenphase, im Vorjahr glückte in einer äußerst kuriosen Gruppe immerhin der Vorstoß ins Achtelfinale. In Pool E brachten es alle Mannschaften auf vier Punkte, die Anzahl der erzielten Tore gab schließlich den Ausschlag für den Gruppensieg noch vor Belgien. In der Runde der letzten 16 setzte es allerdings ein 0:3 gegen die Niederlande.
Trotzdem gaben die EM-Auftritte Rumäniens einen Vorgeschmack darauf, was die ÖFB-Auswahl erwartet am Samstag (20.45 Uhr LIVE! bei kicker) - ein unangenehmer Gegner, der jederzeit für eine Überraschung gut ist, auch wenn er über keine großen Stars verfügt. Radu Dragusin wird auf einen Marktwert von 25 Millionen Euro taxiert und ist damit der mit Abstand teuerste rumänische Kicker. Der Tottenham-Verteidiger ist jedoch wegen eines Kreuzbandrisses außer Gefecht.
Daher sitzt der bekannteste Name bei den Rumänen auf der Bank: Seit August des Vorjahres fungiert der 79-jährige Mircea Lucescu als Teamchef, der zuvor unter anderem bei Inter Mailand, Galatasaray, Besiktas, Schachtar Donezk, Zenit St. Petersburg, Dynamo Kiew, als türkischer Nationalcoach und bereits von 1981 bis 1986 als rumänischer Teamchef tätig war. Der Trainer-Veteran führte Rumänien im vergangenen Herbst mit sechs Siegen aus sechs Partien zum Gruppensieg in der Nations-League-Liga C.
Lucescu nach Heimpleite gegen Bosnier verärgert
Dann aber folgte mit der Pleite gegen Bosnien die kalte Dusche, und Lucescu zeigte sich als schlechter Verlierer. Der Trainer übte heftige Kritik am Schiedsrichter und bezichtigte die gegnerischen Kicker der permanenten Zeitschinderei. So richtig daneben benahmen sich in dieser Partie die rumänischen Fans, die mit rassistischen Beleidigungen auffielen, massiv Pyrotechnik einsetzten und Gegenstände aufs Spielfeld warfen.
Dafür setzte es von der FIFA eine Geldstrafe und die Order, dass im kommenden Heimspiel am Dienstag gegen Zypern in Bukarest nur 15 Prozent der Stadionkapazität genutzt werden dürfen. Der Rest könne mit "special interest groups" aufgefüllt werden, schrieb der Weltverband. Zudem erhielt der rumänische Verband von der FIFA eine weitere Geldstrafe, weil die Fans beim 5:1 in San Marino ebenfalls im März Pyrotechnik eingesetzt hatten.
Für das Match im Prater wurden laut rumänischem Verband sämtliche den Gästen zustehende Tickets in Rekordzeit abgesetzt. Die 2.700 Karten waren im Online-Verkauf binnen drei Minuten vergriffen.