Verletzungszeit gleich Leidenszeit. Zumeist ist diese These nicht allzu weit hergeholt, und auch der 32-jährige Antonio Rüdiger freut sich natürlich nicht, dass er seit rund zwei Monaten nicht mehr das Trikot der Königlichen tragen konnte. Doch wenn man bemüht ist, auch im Schlechten das Gute zu finden - und das entspricht zumeist auch dem Naturell dieses Profis - dann kam diese Verletzungspause nun nicht zur absoluten Unzeit.
Kein Druck für ein übereiltes Comeback
Denn zum einen läuft es bei Real weitestgehend gut, sodass ihn niemand zu einem übereilten Comeback drängen muss. In La Liga sind die Madrilenen souveräner Spitzenreiter, in der Champions League ist das 0:1 aus Liverpool noch korrigierbar. Allerdings ist es nicht so, dass Rüdiger um seinen Platz fürchten muss, da Dean Huijsen, mit einigen Vorschusslorbeeren aus Bournemouth empfangen, zuletzt doch einige Wackler drin hatte. Ähnlich wie Milos Kerkez in Liverpool, macht auch der Spanier gerade die Erfahrung, dass bei einem Spitzenteam ein anderer Druck vorherrscht und ein anderes Anforderungsprofil gefragt ist als an Englands Südküste, obgleich sich beide dort natürlich zurecht in den Fokus der Großen gespielt hatten.
In der Vorsaison mit Schmerztabletten gespielt
Zum anderen aber, und das ist bei Rüdiger viel wichtiger, kann er sich gerade mal - wenn auch ungewollt - so richtig ausruhen und strukturiert ohne permanente Reha-Maßnahmen regenerieren, nachdem ihm dies bei der Terminhatz der Vorsaison mit Liga, Königsklasse und Klub-WM und insgesamt 55 Spielen nicht vergönnt war, er nach Verletzungen zum Teil viel zu schnell wieder angefangen hatte und mit Schmerztabletten gespielt und trainiert hatte, um seinen Klub nicht im Stich zu lassen. Dass dies durchaus gewürdigt und registriert wurde, zeigt die jüngste Kandidatenliste der FIFA zur Top-11 des Jahres, in der Rüdiger als einer von 15 Innenverteidigern auftaucht.
Regelmäßiger Kontakt mit Nagelsmann
Die nächsten Ziele des Spielers, der aktuell noch im Lauftraining ist, so schreibt es auch die Marca, sind in Kürze eine Rückkehr ins Mannschaftstraining, Ende November/Anfang Dezember dann wieder einen Platz im Spieltagskader und nicht weit danach natürlich die Rückkehr auf den Rasen. Und dann, klar, will Rüdiger mit zur WM. Er befindet sich auch im regelmäßigen und guten Austausch mit Bundestrainer Julian Nagelsmann, der froh sein dürfte, seine Optionen in der Innenverteidigung um den erfahrenen Rüdiger im Frühjahr wieder erweitern zu können.
Der gute Draht zu Chelsea riss nie ab
Das Sportlich-Gesundheitliche ist das eine, die Vertragssituation korrespondiert natürlich damit. Im Juni 2026 läuft der Vertrag des Hünen bei Real Madrid aus. Und es ist mitnichten so, wie es in einigen Medien - auch in Deutschland - zu lesen war, dass der Verein bereits beschlossen hat, den Kontrakt mit Rüdiger nicht zu verlängern. Vielmehr hat man nach kicker-Informationen schon miteinander gesprochen, und dabei nicht nur Nettigkeiten, sondern auch Zahlen ausgetauscht. Diese Unterredung soll nun 2026 vertieft werden, Rüdiger wird dies entspannt angehen. Er fühlt sich wohl in Madrid, kann sich vorstellen, dort zu bleiben. Aber auch, wenn es zu keiner Einigung kommen sollte, stünden dem ablösefreien Nationalspieler wohl viele Türen offen. So ist zum Beispiel der gute Draht zu seinem Ex-Klub FC Chelsea nie abgerissen, und die Blues verfügen in der Abwehr nicht über Spieler auf so gehobenem Niveau, wie dies einst die Champions-League-Sieger John Terry oder eben Rüdiger repräsentierten.Klar ist: 2026 wird spannend für Rüdiger. So oder so. Vor allem aber, so hofft er, wird er verletzungsfrei bleiben. Ausruhen musste er sich nun genug.