Fünf Neue (Horn, Dahl, Gulliksen, Tilio und Antiste) beim 0:3 gegen den LASK, drei Neue beim 1:2 gegen Ried (Dahl, Gulliksen Mbuyi), aber nur noch ein Neuer (Dahl) in der Startelf gegen Omonia Nikosia, dem bisher besten Rapid-Spiel seit dem letzten Sieg am 2. November gegen Sturm Graz. Kein Wunder, dass sich längst nicht nur Sportchef Markus Katzer und Interimstrainer Stefan Kulovits die Frage nach Qualität und Commitment der grün-weißen Sommereinkäufe gefallen lassen müssen.
Nach der 0:1-Conference-Pleite gegen Omonia sah sich auch Lukas Grgic mit der Frage konfrontiert - und wich ihr nicht aus. "Ich will keinem Unrecht tun und sagen, dass die Neuen nicht verstehen, was Rapid ist. Fakt ist, dass aber auch klar ist, dass sich Spieler wie Erci (Kara), ich selber und Louis (Schaub) zu 1.000 Prozent mit dem Verein identifizieren", so der Hard Man der Grün-Weißen. Nachsatz: "Aber ich würde nicht sagen, dass das ausschlaggebend war.“
Wer ist schuld an der Misere?
Der kicker hat sich ebenfalls mit der Frage beschäftigt: Wie ist das wirklich mit den Neuen bei Rapid, sind sie - und damit der für die Transfers verantwortliche Markus Katzer - schuld an der Misere?
Rückblende. Der Transfer-Sommer in Hütteldorf war heiß wie noch nie. Wochenlang war das Werben um Marko Arnautovic das beherrschende Thema in den Diskussionen der Rapid-Fans. Als der Transfer-Traum wie eine Seifenblase platzte, zog Katzer zur Beruhigung der Gemüter kurz darauf mit Janis Antiste und Nosa Dahl gleich zwei Trümpfe aus dem Ärmel. Nach dem Rekord-Transfer von Martin Ndzie schienen die Hausaufgaben mehr als erledigt - und als dann zum Transferschluss, quasi als Sahnehäubchen, auch noch Tobias Gulliksen um kolportierte vier Millionen Euro den Weg nach Wien-West fand, war die Kampfansage an Sturm und Salzburg perfekt.
Mit einem etwas weniger von Euphorie getrübten Blick hätte man damals schon sehen können, dass der neue Rapid-Angriff bei allem Vorschusslorbeer vor keiner leichten Übung stehen würde - schließlich hatten Dahl, Antiste & Mbuyi nicht weniger als 58 Scorerpunkte (in allen Bewerben) wettzumachen, die mit den Abgängen von Beljo, Burgstaller und Jansson weggebrochen waren. Peter Stöger hat es gesehen - und musste es bald darauf auch verbalisieren. Dennoch machte der mittlerweile gefeuerte Coach zu Saisonbeginn noch gute Miene zum neuen (Offensiv-)Spiel: "Wir haben einen mit Abschluss und Speed, einen mit Abschluss und Körperlichkeit und einen mit Abschluss, Beweglichkeit und Technik", war er zuversichtlich, dass Mbuyi, Kara und Antiste "jeweils für zehn bis 15 Tore gut" seien.
So lange Dahl und Mbuyi fit waren, sah es auch ganz danach aus. Nach sechs Runden hatte das Duo neun Scorerpunkte auf dem Konto und Rapid lachte - trotz Derby-Niederlage - von der Tabellenspitze. Der Ausfall der beiden Top-Angreifer sollte sich als der eine Auslöser für den folgenden „Skyfall" herausstellen, der andere war der längst absehbare Verkauf von Mamadou Sangaré. Mit dem herausragenden Malier, der mittlerweile zu den bestbenoteten Spielern der (von seinem Klub RC Lens angeführten) Ligue 1 gehört, verlor Rapid keines der fünf Saisonspiele, die „Mama" noch in Grün-Weiß bestritt. Die Wiener Austria exerzierte beim 3:1 im Derby erstmals vor, wie man am besten in das durch Sangarés Abgang entstandene Loch in Rapids defensivem Mittelfeld sticht. Seither taten es ihr neun Teams (in zehn Spielen) gleich.
Die fehlende Hausaufgabe
Und damit ist auch offenbar: Markus Katzer hat nicht alle seine Hausaufgaben gelöst. Für die Ausfälle von Mbuyi und Dahl kann er nichts. Tobias Gulliksen hat noch nicht annähernd gezeigt, dass er sein stolzes Preisschild wert ist, aber kann man Katzer vorwerfen, den "UEFA Conference League Young Player of the Season" (gegen starke Konkurrenz) nach Hütteldorf gelotst zu haben? Janis Antiste wirkt bisher zu filigran für die Liga, um seine Technik (wie noch in der 2. Liga Deutschlands) ausspielen zu können. Wobei noch Peter Stöger dem Ex-Nürnberger in der "Intensitäts-Diskussion" zugute hielt, dass er mit die intensivsten Läufe im Spiel mache. Die 1,5 Millionen für Marco Tilio hätte sich Rapids Geschäftsführer Sport Stand jetzt sparen können, aber das große Versäumnis ist ein adäquater Sechser-Ersatz für Sangaré. Wobei bei der wirren Geschichte um die Fitness von Martin Ndzie, dem diese Rolle zugedacht war (nach verspäteter Anmeldung trotz Aufholbedarf gespielt, dann trotz laufendem Training nicht mehr, aber offenbar gut genug für Kameruns Afrika-Cup-Kader), noch nicht feststeht, wem der "schwarze Peter“ wirklich gebührt.
"Die Neuen" mit 16 Scorerpunkten
Auf 4.509 (von 15.840) Einsatz-Minuten haben es Rapids acht Neue (Horn, Marcelin, Ndzie, Gulliksen, Dahl, Tilio, Antiste, Mbuyi) bisher in der Bundesliga (inkl. 16. Runde) gebracht, das sind rund 28 Prozent der Gesamt-Spielzeit. Sie haben dabei für 35 Prozent der Tore (7 von 20) und 40 Prozent Scorerpunkte (16 von 40) gesorgt.
Im Bundesliga-Vergleich hinken sie gegenüber den Neuen der Konkurrenz dennoch hinterher. Die sieben Sommer-Verpflichtungen der WSG Tirol konnten sich bereits 24 Scorerpunkte (10 Tore und 14 Assists) gutschreiben lassen. Und haben Sportdirektor Stefan Köck keinen Euro Ablöse gekostet! Bei der Wiener Austria sorgten vier Neue für ebensoviele Scorer, wobei Eggestein, Botic & Co. mit zwölf Toren die beste Trefferausbeute aufweisen. RB Salzburgs Neue sind mit zehn Toren und zehn Vorlagen ebenfalls noch vor den Neo-Rapidlern zu reihen, während Sturm mit nur zehn Scorererpunkten (5 Tore und 5 Assists) hinterherhinkt. Die wenigsten neuen Impusle bekamen der LASK und der WAC (je acht Scorerpunkte), die auf dem Sommer-Transfermarkt allerdings auch sehr zurückhaltend agierten.
Über 600.000 Euro pro Scorer
Stellt man die jeweiligen Ablösesummen den Scorerpunkten gegenüber, muss man Rapid attestieren, nicht sonderlich effizient mit dem Geld, das die Verkäufe von Jansson und Sangaré in die Kassen gespült haben, umgegangen zu sein. 612.500 Euro hat Markus Katzer pro Scorer ausgegeben. Noch teurer war ein Scorerpunkt nur für Meister Sturm. Da hat der nicht unumstrittene Sportchef Michael Parensen gar 670.000 pro Tor oder Assists investiert. In einer ähnlichen Preisklasse (600.000 Euro) bewegt sich RB Salzburg, während ein Scorerpunkt für den Rest der Liga zwischen 0 (WSG Tirol und Altach) und 50.000 Euro (Austria Wien) gekostet hat.
Fazit: Während Mbuyi und Dahl in den Phasen, in denen sie körperlich auf der Höhe waren, bereits gezeigt haben, dass sie Verstärkungen für Rapid sein können, ist bei anderen noch Geduld gefragt. Wobei auch Romeo Amané erst im Spiel gegen Omonia (wieder) gezeigt hat, dass er fast ein Jahr nach seiner Verpflichtung endgültig in Hütteldorf angekommen sein könnte.