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So ist Braunschweigs Abstieg nur aufgeschoben

kicker

Kommentar zur Relegation

Die 120 Minuten gegen den 1. FC Saarbrücken glichen einer komprimierten Zusammenfassung der gesamten Saison. Wie zum Ende der Hinrunde schien nach dem zwischenzeitlichen 0:2 das Ziel in weiter Ferne; wie im Verlauf der Rückserie kam die Eintracht mit dem 1:2 wieder in die Situation, die Dinge in der eigenen Hand zu haben; wie in der Endphase der Saison zitterte sie in Überzahl wieder, um ganz am Ende mit dem 2:2 nach Verlängerung doch aufatmen zu können.

Die Fähigkeit, immer wieder aufstehen zu können, hat die Mannschaft in dieser Spielzeit und im Relegations-Rückspiel fraglos nachgewiesen. Sie fällt aber eben auch immer wieder hin. Dafür gibt es Gründe, deren Ursprung in der Kaderzusammenstellung und damit in der Führung liegen. Und das nicht erst seit dem zurückliegenden Sommer.

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Benjamin Kessel hat in seiner ersten kompletten Spielzeit als Sportchef viel Lehrgeld bezahlt. Beinahe wäre dies der Eintracht teuer zu stehen gekommen. Und doch haben die Probleme schon vor seiner Zeit angefangen. Seit dem überraschenden Abstieg in die 3. Liga im Jahr 2018 kommt dieser Verein nicht zur Ruhe, befindet sich entweder im Abstiegskampf oder arbeitete fieberhaft am lebensnotwendigen Zweitliga-Aufstieg.

Romantik allein reicht nicht, es braucht Veränderungen

Die Folge: Immer wurden die Kader auf kurzfristige Ziele ausgerichtet und im Winter nachjustiert, um irgendwie die jeweilige Ziellinie zu erreichen. Dass das Ziel immer über dem Weg stand, eine Philosophie, wofür die Eintracht mittelfristig stehen soll, völlig auf der Strecke bleibt, war selten so offensichtlich wie in dieser Spielzeit. Bestes Beispiel: Daniel Scherning genießt extern einen exzellenten Ruf, hatte auch intern einen so hohen Stellenwert, dass noch vor wenigen Wochen Gespräche über eine Vertragsverlängerung geführt wurden. Um den Impuls zu setzen, um irgendwie ans Ziel zu kommen, wurde der gemeinsame Weg verlassen.

Kessel ist es gelungen, mit den einstigen Mitstreitern aus der goldenen Generation unter Trainer Torsten Lieberknecht, Marc Pfitzner, Jasmin Fejzic und Ken Reichel, das Umfeld nochmals zu mobilisieren und zu emotionalisieren. "Ohne euch hätten wir es nicht geschafft", rief Robin Krauße über das Stadionmikrofon den Fans zu. Wenn das Wasser bis zum Hals steht, ist seit Jahrzehnten Verlass darauf, dass die Eintracht-Familie zusammensteht.

Seit dem letzten Wiederaufstieg 2022 ging es nur ums Überleben

Was fehlt, ist eine Strategie, wie es vermieden wird, dass das Wasser an der Oker immer wieder steigt. Jahr für Jahr. Seit dem letzten Wiederaufstieg 2022 ging es jeweils bis zuletzt ums Überleben. Einen Schritt vorangekommen ist die Eintracht nicht. Im Gegenteil: Im dritten Zweitligajahr in Folge näherte sie sich bedrohlich wie nie zuvor dem Abgrund, und, um im Bild zu bleiben: Irgendwann fällt der berühmte letzte Tropfen, der das Wasser überlaufen lässt.

Ein Hauch Romantik macht den Traditionsverein fraglos aus, diese Zutat allein aber wird nicht reichen. Es braucht eine Professionalisierung auf allen Ebenen. Und das Bewusstsein, dass der Abstieg, wenn die Eintracht sich nicht neu orientiert, nur aufgeschoben und nicht aufgehoben ist.