Der am Ende gebrauchte Freitagabend der Stuttgarter Kickers mit all seinen Wellenbewegungen lässt sich gut an Mittelfeldspieler Maximilian Zaiser ablesen. Im Traditionsduell gegen Kickers Offenbach sorgte der Mittelfeldspieler mit einem abgefälschten Abschlusshammer in der 19. Minute für die 1:0-Führung der Degerlocher. Kurz vor der Pause musste der 26-Jährige verletzungsbedingt vom Platz, was sich als herber Verlust für die Blauen erweisen sollte. "Maxi hatte zuvor schon einen Pferdekuss und hat da nochmal einen Schlag draufbekommen", erklärte Kickers-Kapitän Lukas Kiefer hinterher. Nur 120 Sekunden nach dem Zaiser-Aus traf Boubacar Barry zum 1:1 für die Hessen, die trotz überlegenen Stuttgartern im zweiten Durchgang kurz vor dem Ende eine Ecke zum 2:1-Siegtreffer verwerteten. Das frustrierende Ende eines gebrauchten Abends für die Gastgeber.
"Die Liga ist sehr ausgeglichen"
Nach einem mehr als ordentlichen Saisonstart mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen wirkt die zweite Niederlage in Folge und das Abrutschen ins Tabellenmittelfeld wie ein erster größerer Rückschlag für die Kickers. Doch unter dem Stuttgarter Fernsehturm ist man keinesfalls am Boden zerstört. Zu realistisch sind die Ansprüche nach dem Umbruch inklusive Kaderverjüngung. "Ich glaube, wir stehen genau da, wo man es erwarten könnte. Die Liga ist sehr ausgeglichen. Wir können jeden schlagen, aber auch gegen alle verlieren", meint Kiefer.
Gerade der Verjüngungsprozess wird von den Vereinsverantwortlichen nicht nur gepredigt, sondern auch vor allem von Wildersinn konsequent gelebt und umgesetzt. Nach den U-23-Teams schickt der Trainer bisher die jüngste Startelf ins Rennen. Mit Torwart Bela Dumrath und den Innenverteidigern Milan Petrovic und Jacob Danquah tragen drei 20- und 21-Jährige die Hauptverantwortung in der Defensive. Die Flügelzange mit Nevio Schembri und den eingewechselten Lirijon Abdullahu und Oskar Hencke ist sogar noch unter 20. Dazu kommt Mittelstürmer Marlon Faß mit 19. "Es macht einfach Spaß, mit diesen jungen Spielern zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln", sagt Wildersinn.
Rufe nach Mittelstürmer
Mit Blick auf die mangelhafte Chancenverwertung, speziell in der zweiten Hälfte am Freitagabend, werden im Umfeld Rufe nach einem weiteren Mittelstürmer laut. Doch Wildersinn zeigt sich zufrieden mit dem Kader. "Bei den vergebenen Chancen war mit Sicherheit auch Pech dabei. Wie wir uns Chancen herausspielen, ist gut, aber der Lohn fehlt bisher. Ich weiß, dass wir einen sehr jungen Kader haben. Den wollen wir zu einer guten Mannschaft entwickeln. Deshalb würde ich nicht davon sprechen, dass wir eine Spitzenmannschaft sind."
Wie wichtig aber auch die Erfahrung eines Maximilian Zaiser ist, zeigte sich am Freitagabend. In der 43. Minute, als kurz nach seiner Auswechslung der Offenbacher Ausgleich genau durch die Zentrale, Zaisers Position, fiel. "Maxi ist sehr ballsicher und möchte das Spiel lenken. In der Rolle macht er das sehr gut", sagt Kiefer.
Die Verletzung ist aber wohl nicht ganz so schlimm, sodass Zaiser eventuell schon im Auswärtsspiel beim TSV Steinbach Haiger am Samstag wieder auf dem Platz stehen könnte. Zuvor sind die Kickers bereits am Mittwochabend im Verbandspokal-Achtelfinale beim TSV Weilimdorf gefordert.