Bergmanns Erfahrung wertvoll
Die Kabinen riechen ein wenig streng, die 1958 erbaute Tribüne wirkt hier und da inzwischen morsch, und manchmal fällt auch das Flutlicht aus. Aber jeder Fan, der seinen Platz über den oft matschigen Weg oder den Wall hinterm Tor erreicht hat, fühlt sich sofort heimisch und begreift, warum die Adolf-Jäger-Kampfbahn meist "altehrwürdig" genannt wird: Football's coming home!
Vielleicht kommt ja auch Altona 93 zurück nach Hause. 64 Jahre lang spielte der Verein erstklassig. Die Rückkehr in die Regionalliga wäre zumindest das Comeback in der höchsten Amateurliga. Ab Mittwoch ist der Hamburger Meister in der Aufstiegsrunde gefordert und hat die optimale Auslosung erwischt: Zu Hause geht es zum Auftakt gegen Außenseiter SV Hemelingen, ehe beim befreundeten Heider SV ein Fußballfest wartet und vielleicht schon ein Remis zum Aufstieg reicht. In der vergangenen Saison langte die Meisterschaft in der Oberliga Hamburg nicht zum Aufstieg - und das bei nur drei Anwärtern: Das 0:1 bei Werder Bremen II war aller Ehren wert, aber die 3:5-Heimniederlage gegen den SV Todesfelde schmerzt bis heute. Doch Trainer Andreas Bergmann, der sogar 2022 mit dem AFC abstieg und dennoch unumstritten ist, behielt die Ruhe und brachte seine Erfahrung ein - schließlich war der 65-jährige einst Bundesliga-Coach bei Hannover 96 und stand mit dem FC St. Pauli im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayern München.
Der Ex-Profi betont immer wieder, dass es ihm nicht um Ergebnisse oder Tabellenplätze geht, sondern um die Entwicklung seiner Mannschaft und des gesamten Nachwuchskonzepts. Seine junge Mannschaft steckte den enttäuschenden Rückschlag glänzend weg und spielte eine sensationelle Hinserie: 16 Siege aus 17 Partien. Am Ende wurde es mit dem dritten Oberliga-Titel doch noch eng, weil die TuS Dassendorf in der Rückrunde mit 15 Siegen fast dasselbe Kunststück gelang, doch letztlich gewann der AFC das Scheibenschießen am letzten Spieltag und wurde mit drei Toren Vorsprung Meister.
Wertvoller Przondziono-Hattrick
Der letztlich entscheidende Mann zählt auch zu den Köpfen der Mannschaft: Gianluca Przondziono. Dem 25-Jährigen gelang im letzten Saisonspiel beim ETSV Hamburg ein Hattrick - und das ab der 86.Minute zum 5:1-Erfolg. Schon im direkten Duell gegen Dassendorf war er der Held, als er in der Nachspielzeit einen Freistoß zum 2:2 verwandelte. Insgesamt kam der Sohn von Ex-Profi Martin Przondziono als Mittelfeldakteur auf 14 Saisontore. Regionalliga-Erfahrung bringt er zu Genüge mit: 78 Einsätze für vier Vereine. Altona 93 soll möglichst der fünfte Klub werden ...
Dazu beitragen sollen besonders Rasmus Tobinski, der 23 der 99 Saisontore erzielte, sowie Veli Sulejmani, der auf 16 Treffer kam. In der Aufstiegsrunde dürfte jedoch eher die Defensive entscheidend sein, aber auch dort kann der AFC in Keeper Dennis Lohmann, Eudel Monteiro oder Michael Ambrosius bereits Regionalliga-Erfahrung aufbieten.
Fans hoffen auf Gnadenfrist
Auch wenn der AFC als Favorit in die Runde startet, ist der Aufstieg keine Pflicht. Präsident und Hauptsponsor Dirk Barthel bleibt nach rund 30 Jahren so oder so an Bord, Vize Ragnar Törber kurbelt intern an, Ex-Profi Richard Golz bleibt weiter beratend tätig (wenn er nicht doch beim HSV zum Vizepräsidenten gewählt wird) - und letztlich gibt es intern wichtigere Themen, nämlich das neue Stadion. Der Bau am Diebsteich verzögert sich noch einmal, eigentlich sollten laut bereits 2007 geschlossenen Vertrag spätestens am 2. Januar 2027 die Bagger in der Griegstraße rollen. Aber noch hoffen die Fans - und von ihnen kamen zuletzt dreimal in Folge mehr als 2500 ins Stadion - auf die Gespräche mit der Stadt und eine weitere Gnadenfrist. Auch wenn es hier und da nach Schweiß oder Fischbrötchen riechen sollte.