Als Kasper Hjulmand nach dem 2. Spieltag Erik ten Hag als Trainer von Bayer 04 ablöste, hieß der erste Gegner unter dem früheren dänischen Nationalcoach Eintracht Frankfurt. Die Premiere des 53-Jährigen glückte. Die Werkself bespielte gegen hoch pressende Frankfurter geschickt die Tiefe und siegte 3:1.
Hjulmand erwartet eine hoch pressende Eintracht
Vor dem "Rückspiel" am Samstag in Frankfurt steht die Eintracht vor der Verpflichtung eines neuen Trainers. Der Spanier Albert Riera soll die Hessen, die in einer tiefen sportlichen Krise stecken, wieder in die Spur bringen. Am Samstag aber wird noch das Interims-Duo Dennis Schmitt mit Co-Trainer Alex Meier den Matchplan vorgeben, weshalb es zumindest fraglich ist, ob die Frankfurter wie im Hinspiel hoch pressen werden.
Hjulmand äußerte zumindest diese Erwartung. "Wir werden viel mehr Druck auf den Ballführenden bekommen, viele Eins-gegen-eins-Situationen. Villarreal verteidigt im 4-4-2, steht viel im Raum. Es wird ein komplett anderes Spiel gegen Frankfurt", hatte der Däne nach dem 3:0-Sieg in der Champions League gegen den FC Villarreal in Erinnerung an sein Bayer-Debüt gesagt.
Attackiert Frankfurt wirklich ganz vorne, braucht Bayer bessere Lösungen
Am Mittwoch in der Königsklasse gegen Tottenham Hotspur (0:2) setzte Schmitt allerdings auf eine Defensiv-Taktik im tiefen Block. Zuvor bei der 1:3-Niederlage zuhause gegen Hoffenheim hatte die Eintracht anfangs ein paar hohe Ballgewinne, danach allerdings nicht mehr, was aber auch an der eigenen frühen Führung gelegen haben könnte.
Sollte Frankfurt am Samstag mutig und aggressiv sehr früh stören, muss Bayer darauf bessere Antworten finden als zuletzt bei der 1:4-Niederlage gegen Stuttgart, dem 0:1 bei der TSG Hoffenheim oder auch dem 0:2 bei Olympiakos Piräus. Drei Partien, in denen sich die Spieleröffnung unter gegnerischem Pressing als Achillesferse entpuppte.
Hjulmand legt sich Tapsobas Startelf-Einsatz nicht fest
Da trifft es sich gut, dass Edmond Tapsoba nach seinem beim Afrika-Cup erlittenen Muskelfaserriss erstmals in diesem Kalenderjahr in die Leverkusener Startelf rücken dürfte. Da Loic Badé nach seiner überflüssigen 5. Gelbe Karte beim 1:0-Sieg gegen Bremen gesperrt ist, benötigt Hjulmand Ersatz. Bringt er nicht Tapsoba, der gegen Voillarreal einen Kurzeinsatz bekam, müsste er Jeanuel Belocian aufstellen, dem er zuletzt trotz Personalnot auf dessen linker Innenverteidiger-Position keinerlei Spielzeit mehr zugestand.
Taspoba, in dieser Saison Bayers stärkster Innenverteidiger, ist also die naheliegende Lösung. Doch Hjulmand wollte am Freitag nicht verraten, ob der 26-Jährige bereit für die Startelf sei. "Das sehen wir morgen", antwortete der Trainer. Für den Einsatz des Nationalspielers von Burkina Faso spricht in jedem Fall, dass dieser als herausragender Spieleröffner gegen das von Hjulmand erwartete Frankfurter Pressing das perfekte Gegenmittel darstellen würde.
Ohne Tapsoba oder Quansah kann Bayer das Niveau schwerlich halten
Schließlich spielt kein anderer Leverkusener Abwehrspieler so präzise linienbrechende Pässe wie der Rechtsfüßer, der - völlig untypisch - auf der linken Innenverteidiger-Position sogar besser im Aufbauspiel zur Geltung kommt als auf der rechten. Diese Qualität hat Bayer gegen Stuttgart, Hoffenheim und in Piräus gefehlt, um die richtige Antwort auf das gegnerische Pressing zu geben. Als Tapsoba ausfiel, wurde der Qualitätsabfall in diesem Bereich direkt deutlich sichtbar.
Weshalb auch nach Tapsobas Comeback die Verpflichtung eines weiteren Innenverteidigers Sinn ergibt, bewegen sich auf den Außenpositionen der Dreierkette doch nur Tapsoba und der ebenfalls auf beiden Seiten einsetzbare Jarell Quansah auf Top-Niveau. Müssen dort die zentral deutlich stärkeren Robert Andrich und Badé aushelfen, ist ein Leistungsabfall erkennbar.
Der durch das Erreichen der Play-offs stramme Spielplan erhöht den Bedarf
Zudem steht Bayer durch das Erreichen der Play-offs, in denen man gute Chancen besitzt, gegen Olympiakos Piräus weiterzukommen, sowie die Favoritenrolle im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den FC St. Pauli auch in den kommenden Wochen vor einen strammen Spielplan. Und mit den Einnahmen aus der K.-o.-Runde in der Champions League hat sich der Handlungsspielraum noch einmal deutlich erhöht.