Es war nur eine Viertelstunde. Aber eine, die vielleicht Symbolkraft hat: Vor der Pause beim 7:1 des 1. FC Köln gegen Bergisch Gladbach am vergangenen Samstag durfte Youssoupha Niang ran, mit den Profis stürmen. Der 19-Jährige traf zwar nicht, machte seine Sache aber gut. Eingeplant ist der Jung-Stürmer trotzdem erst mal bei der U 21 in der Regionalliga West - und eines von insgesamt 19 neuen Gesichtern im Team von Trainer Evangelos Sbonias.
Seit Mitte Juni bereiten sich Sbonias und Co. auf die Ende Juli beginnende Regionalliga-Spielzeit vor. Es ist einiges anders geworden bei der ältesten Nachwuchsmannschaft des FC: Die Leitwölfe Marco Höger und Stephan Salger haben ihre Karrieren beendet. Und jüngere Spieler, die in der U 21 teilweise schon Jahre dabei waren, haben das Team nun verlassen.
Im Sommer vor einem Jahr noch hatte die Transfersperre die Personalplanungen gewissermaßen eingefroren: Verträge mit vorhandenen Akteuren wurden verlängert, um die U 21 nicht komplett ausbluten zu lassen. Mit der Perspektive, im nächsten Jahr dann entsprechende Umbauarbeiten vorzunehmen.
Sieben Deutsche Meister kommen hoch
Umstrukturierungen, die nun spürbar wurden. Sieben Akteure aus der U 19 - immerhin gerade Deutscher Meister geworden - rücken auf. Dazu kommen elf externe Neuzugänge sowie Leih-Rückkehrer Chilohem Onuoha, der aber womöglich noch einmal verliehen wird. Es ist gut möglich, dass mit Malek El Mala außerdem ein weiterer Profi zukünftig Spielpraxis im Unterbau erhält.
„Klar ist, dass sich die Jungs finden müssen und eine Hierarchie entstehen muss.“ (Evangelos Sbonias.)
Viel Neues also, und auch viele neue Abläufe. "Klar ist, dass sich die Jungs finden müssen und eine Hierarchie entstehen muss", wird Sbonias auf der FC-Homepage zitiert. Dabei gibt es zumindest alterstechnisch relativ adäquaten Ersatz für Höger und Salger: Mittelfeldspieler Luca Dürholtz (zuletzt Elversberg) und Marvin Ajani (zuvor Teutonia 05, beide 31) sind die beiden Alterspräsidenten im Team. Die beiden Regionalliga- und Drittliga-erfahrenen Routiniers stammen aus der Region (Dürholtz aus Remscheid, Ajani aus Würselen), haben aber keinerlei Vorgeschichte beim FC, was frischen Wind von außen bringen soll.
Außerdem entschieden sich Sbonias und der inzwischen zum Technischen Direktor aufgestiegene Nachwuchs-Chef Lukas Berg gegen einen erfahrenen Innenverteidiger und mit Ajani für einen Außenverteidiger, um den Talenten im Abwehrzentrum mehr Spielzeit ermöglichen zu können.
Trio mit Profi-Perspektive - Köln bald ein Spitzenteam?
Gleichzeitig bediente sich der FC bei der Bundesliga-Konkurrenz: Außenstürmer Safyan Toure etwa kam aus der Mainzer U 19, Innenverteidiger Luc Dabrowski aus der Bochumer U 19 und das dänische Sturmtalent Nilas Yacobi aus Wolfsburgs Nachwuchs. Die drei Youngster sollen die Qualität heben, gleichzeitig trauen ihnen die Verantwortlichen perspektivisch den Sprung zu den Profis zu.
In der U 21 soll dabei eine Mischung aus deutschlandweit gescouteten Talenten und Spielern aus der Region reifen. Internationale Transfers im Jugendbereich, wie beispielsweise die des inzwischen nach Essen verliehenen Stürmers Jaka Potocnik oder der von Mittelfeldspieler Patrik Kristal (17) bleiben die Ausnahme.
Eine Melange, die in der Regionalliga West stets zumindest um den Aufstieg mitspielen soll. Die vor allem aber Dienstleister für die Profis ist: Bei Sbonias wird die Spreu vom Weizen getrennt, Talente können und müssen sich dort für mehr empfehlen - oder anderweitig orientieren.
Talente als Einnahmequelle
Dass der FC diese Art der Ausbildung benötigt, ist offenkundig: Mit dem Verkauf der einst auch in der U 21 ausgebildeten Max Finkgräfe (Leipzig) und Damion Downs (FC Southampton) machten die Kölner zuletzt ordentlich Kasse. Andere wie Julian Pauli oder Jan Thielmann gehören zum Profikader. Nun soll Fayssal Harchaoui denselben Weg gehen, der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler trainiert wie Niang und Etienne Borie derzeit bei den Profis mit.
Dort will er sich empfehlen, Kwasniok gilt als ausgesprochener Förderer junger Spieler aus den eigenen Reihen. Gegen Bergisch Gladbach wechselte er daher alle vier Youngsters ein - und wurde mit Treffern von Borie und Harchaoui belohnt. Gut möglich, dass ein bis zwei Talente dauerhaft bei den Profis bleiben. Die U 21 hätte ihre Aufgabe dann wieder mal erfüllt.