1110 Bundesliga-Einsätze sind eine große Zahl. Auf diesen Wert kommt die Freiburger Viererkette, wenn Matthias Ginter (31, 386 Bundesliga-Einsätze), Christian Günter (32, 349), Philipp Lienhart (29, 194) und Lukas Kübler (33, 181) gemeinsam auflaufen. Mehr Erfahrung geht nicht. Bei keinem anderen Bundesligisten ist eine Kombination vierer Abwehrspieler möglich, die auf eine solche Einsatzzahl im deutschen Oberhaus kommt.
Zweimal Top 16 in der Europa League und zweimal Fünfter in der Bundesliga - Ginter, Günter, Lienhart und Kübler haben einen wesentlichen Teil zu den Freiburger Erfolgen in den vergangenen drei Jahren beigetragen, verteidigten in dieser Kombination oftmals gemeinsam in der hintersten Linie. Diese Saison allerdings letztmals am 2.Spieltag. Denn auch das Quartett war Teil des überraschenden Fehlstarts gegen Augsburg (1:3) und in Köln (1:4).
Danach verlor Kapitän Günter hinten links seinen Platz vorerst an Jordy Makengo und teilt sich seitdem den Job mit dem 24-Jährigen Franzosen mit jeweils vier Startelf-Auftritten in den bisherigen acht Partien in Europa League und Liga. Makengo hatte es als erster Rivale seit vielen Jahren bereits im Saisonfinale geschafft, den früheren Dauerbrenner Günter im fitten Zustand mehrmals hintereinander auf die Bank zu verdrängen.
Rosenfelder "sägt" am ehesten an Lienharts Stuhl
Für Kübler, der nach seinem Tor beim 1:1 gegen Hoffenheim noch vor der Pause nach einem Zusammenprall aufgrund von Kopfschmerzen ausgewechselt werden musste, startete zuletzt zweimal Sommerzugang Philipp Treu, der vor allem in Bologna (1:1) überzeugte. Auch Lienhart musste zwischendurch zweimal wegen Krankheit aussetzen. Inzwischen drängt auch Top-Talent Max Rosenfelder nach langer Aufbauphase infolge seiner Verletzung im Halbfinale der U-21-EM zurück ins Team und dürfte am ehesten an Lienharts Stuhl "sägen".
Auch, weil es eine beeindruckende Konstante in der Viererkette gibt: Ginter. Der 51-malige Ex-Nationalspieler war 2024/25 neben dem im Sommer nach Frankfurt gewechselten Offensivdribbler Ritsu Doan der beste Freiburger Feldspieler und schaffte es mit seinen konstant überzeugenden Leistungen sogar in die kicker-Elf der Saison. Der Innenverteidiger hat seine starke Form gewahrt und auch in dieser Spielzeit bestätigt.
Warum Ginters Tempo-Defizit fast nie ins Gewicht fällt
Mit einem Schnitt von 3,25 ist er bezogen auf die Liga-Partien erneut der beste SC-Feldspieler unter den Stammkräften nach kicker-Noten. Nur in Köln war er beim kollektiven Blackout der Mannschaft mit untergegangen (Note 5). Ansonsten überzeugt Ginter mit altbekannten Stärken: Dank seiner großen Erfahrung, die sich unter anderem im cleveren Stellungsspiel und einer guten Antizipationsfähigkeit äußert, schafft er es, dass ein Defizit so gut wie nie ins Gewicht fällt. Mit einem Top-Speed von 30,56 km/h ist er diese Saison der langsamste aller Bundesliga-Abwehrspieler, die mindestens die Hälfte der möglichen Einsatzzeit absolvierten.
Da er weiß, wo es brenzlig wird, rettet er oft in höchster Not, blockt Schüsse oder klärt hohe Bälle per Kopf. Am Boden und in der Luft präsentiert sich das Mitglied des Weltmeisterkaders von 2014 zweikampfstark und kann das Offensivspiel immer wieder mit präzisen langen Bällen ankurbeln. Die aktuelle Erfolgsquote hat ein wenig abgenommen, was aber auch daran liegt, dass der SC derzeit generell zumindest bis in die zweite Hälfte hinein viel auf "Langholz" und den Kampf um zweite Bälle setzt.
Bisher keine Saisonminute verpasst
Diese Saison stand Ginter in allen neun Pflichtspielen in der Startelf und verpasste neben Torwart Noah Atubolu und Sechser Maximilian Eggestein als einziger SC-Profi noch keine einzige Saisonminute. Vorige Saison startete er etwas verspätet nach langer Aufbauphase in Folge seiner Achillessehnen-OP, die ihn 2023/24 einige Wochen zum Zuschauen verdammte. Seinen Wert untermauert deshalb auch dieser Fakt: Seit seiner Rückkehr 2022 aus Gladbach holte der SC mit Ginter in 95 Partien im Schnitt 1,59 Punkte pro Spiel, in den 13 Partien ohne ihn nur 1,0 Zähler pro Partie.
Neben dem zuletzt starken Atubolu liegt es bei allem kollektiven Verdienst insbesondere auch an Ginter, dass der SC mit 20 gegnerischen Torchancen bisher ligaweit die drittwenigsten hinter Bayern (15) und Dortmund (19) zugelassen hat. Gegen Frankfurt dürfte das Freiburger Eigengewächs besonders motiviert sein, an diese Stabilität anzuknüpfen. Die 1:3-Pleite im End-Spiel um ein Champions-League-Ticket gegen die Eintracht am 34. Spieltag der vorigen Saison hatte Ginter sehr zugesetzt und für bittere Tränen der Enttäuschung gesorgt.
Offene Rechnung gegen die Eintracht?
So abgeklärt und unaufgeregt er in aller Regel auf dem Rasen agiert, äußert sich Ginter auch öffentlich zu diesem Thema. Für ihn sei jedenfalls keine Rechnung mehr offen, sagt er in einem Interview auf den SC-Kanälen: "Es ist eine neue Saison, es sind andere Voraussetzungen und eben nicht mehr der letzte Spieltag, an dem ein direkter Konkurrent zu Gast ist." Aber der Mann, der fast alle seine inzwischen weit über 500 Profispiele in detaillierter Erinnerung hat, weiß natürlich, dass man sich mit der Eintracht erneut in tabellarischer Nachbarschaft befindet. "Es wird wieder ein enges Spiel, hoffentlich diesmal mit dem besseren Ende für uns."
Wenn es sich nicht kurzfristig verletzt oder erkrankt, wird Ginter wieder auf dem Feld stehen und all seine Erfahrung einsetzen, um diese Hoffnung mit Leben zu füllen.