Niederlage in den Aufstiegsspielen
In einem über weite Strecken höchst intensiven und jederzeit spannenden Rückspiel der Aufstiegsspiele um die 3. Liga unterlag der 1. FC Lokomotive Leipzig hingebungsvoll arbeitenden Havelsern, die durch Julius Düker den Lucky-Punch in der Verlängerung direkt in die blau-gelbe Magengrube landeten. Marko Ilic und Lorenzo Paldino setzten den Deckel auf den Havelser Aufstieg.
Nach Meisterschaft und Sieg im Landespokal verpasste es die Truppe von Trainer Jochen Seitz in Unterzahl, ihrer fantastischen Saison die ultimative Krone aufzusetzen. Gefeiert wird trotzdem, so jung kommt man nicht mehr zusammen - im nächsten Jahr folgt der nächste Angriff auf Liga 3.
Havelser Drohungen werden wahr
Ilic, der Havelser Traumtor-Schütze aus dem Hinspiel, machte schon am vergangenen Mittwoch eine klare Ansage: "Nach Havelse fährt man nicht so gern", malte er den Leipzigern ein Bild des Grauens. In der Provinz zerbrechen die Träume, er sollte Recht behalten. Mit seinem strammen Schuss tief in der Verlängerung versetzte er den Leipzigern höchstselbst den Gnadenstoß und sorgte für einen ersten zaghaften Havelser Platzsturm.
Mit leeren Händen und Blicken mussten die Leipziger ihre wohl bisher unangenehmste, weil quälend lange Busfahrt in die Heimat ertragen - nur noch weg hier. Spätestens am Ortseingang zu Leipzig könnte und sollte allerdings die Realisation eingesetzt haben, dass man dennoch eine unheimlich starke Saison gespielt hat. Nur vier Niederlagen, die beste Defensive, die meisten Punkte aller Regionalligisten - das war so nicht zu erwarten.
„Wir haben es vor allem geschafft, den Verein wiederzubeleben und ein neues Gesicht und gute Identität zu geben.“ (Sportdirektor Toni Wachsmuth)
Sportdirektor Toni Wachsmuth versuchte sich nach Abpfiff umgehend, das Glas halbvoll zu machen: "Die Spieler sollen das Positive mitnehmen. Wir haben es vor allem geschafft, den Verein wiederzubeleben und ein neues Gesicht und gute Identität zu geben", so der 38-Jährige: "Niederschläge gehören zum Fußball dazu. Wir nehmen das mit und werden dadurch stärker."
Die 120 Minuten zuvor waren von unheimlich hoher Intensität geprägt - klar, lautet die Devise bei Aufstiegsspielen doch immer Tod oder Gladiolen. Über beide Spiele gesehen konnte wohl auch Kraken-Orakel Paul keine eindeutige Tendenz vermelden, beide Teams lieferten sich einen Abnutzungskampf sondergleichen - mit dem besseren und nicht unverdient positiven Ende für die Havelser. Nicht erst seit dem späten Platzverweis für den Leipziger Tobias Dombrowa kippte die Waage immer weiter in Richtung der Garbsener, die nun nach 2021 den zweiten Trip auf bundesdeutsche Fußball-Ebene wagen dürfen.
Seitz und Ziane ringen um Worte
Trainer Jochen Seitz sah die gelb-rote Karte für Dombrowa als absolute Schlüsselszene: "Es war klar, dass es nach 120 Minuten am letzten Samstag und dem schweren Spiel am Mittwoch, dann sehr schwer wird", so der Erlenbacher: "Am Ende schmeißen wir noch mal alles nach vorne und werden ausgekontert - aber was soll ich der Mannschaft einen Vorwurf machen? Sie haben alles rausgehauen und probiert."
Kapitän Djamal Ziane, der 2020 schon einmal durch die mentale Mühle der Aufstiegsspiele gedreht wurde, hatte Tränen in den Augen: "Worte kann ich nicht finden. Egal, wer von uns schon höher gespielt hat oder schon mehr gesehen hat, das ist einfach brutal. Vielleicht soll es einfach nicht sein, keine Ahnung", so die völlig aufgelöste Klub-Ikone.
Sichtlich konsternierte Leipziger werden nun die Wunden lecken müssen. Nach der Schmach gegen den SC Verl vor fünf Jahren wollte man sich selbst und allen Unterstützern nun den großen Lebenstraum erfüllen. Es sollte nicht sein, aber der Klub hat in diesem Jahr für Furore gesorgt und nachhaltige Strukturen für höhere Berufungen geschaffen.
Nun kann und wird auf diesem soliden Fundament eine tragfähige Zukunft aufgebaut werden. Die sportliche Entwicklung verlief zu schnell, am Ende überwiegt der Wachstumsschmerz die organische Progression. "Make Probstheida great again" - das Projekt war nie von kurzfristiger Natur. Jochen Seitz und Toni Wachsmuth sind gekommen, um zu bleiben - und vor allem garantieren sie nachhaltigen Erfolg. Aber eben an einem anderen Tag.