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"Verspüre extreme Bitterkeit": Fernwald zieht Regionalliga-Bewerbung zurück

kicker

Meisterschaftsanwärter bleibt in der Hessenliga

Schon am vergangenen Wochenende hätte der Tabellenführer sich die Meisterschaft sichern können, kam aber nicht über ein 0:0 gegen den FC Eddersheim hinaus. Viel spricht dafür, dass die Mittelhessen sich nun am letzten Spieltag beim FSV Wolfhagen (Samstag, 15:00 Uhr) zum Meister küren. Sie haben drei Punkte mehr als Verfolger Bayern Alzenau auf dem Konto und weisen zudem das bessere Torverhältnis auf.

In die Viertklassigkeit führt dieser Weg - zumindest in diesem Jahr - aber nicht. "Wir haben dem Trainerstab und den Mannschaften am Montag erklärt, dass wir auch nächste Saison wieder in der Hessenliga spielen werden. Es gibt Auflagen, die wir zurzeit nicht hätten erfüllen können", berichtet Stefan Bechthold. Der FSV-Vorstandssprecher informierte die Öffentlichkeit am Dienstag über den Schritt und die Gründe: "Unsere Spielstätte in Fernwald wurde von der Regionalliga Südwest GmbH als nicht regionalligatauglich eingestuft." Das Gießener Waldstadion - dort absolvierte der Lokalrivale FC Gießen in der kürzlich beendeten Saison noch alle 17 Heimpartien - sei nicht als Ausweichspielstätte genehmigt worden. Und: Nach Haiger, der Heimat des TSV Steinbach Haiger, auszuweichen, mache "für uns keinen Sinn." Diese Option habe der Verein "aus organisatorischen und sportlichen Gründen" nicht realisieren wollen, wie er am Dienstag mitteilte.

"Absurd, welche Vorgaben da gemacht werden"

Klar ist, dass sich der FSV nach seiner herausragenden Saison ein anderes Szenario gewünscht hätte: "Aus unserer Sicht hätten wir in Fernwald Regionalliga spielen und das Waldstadion in Gießen für sogenannte Risikospiele nutzen können." Bechthold weist in diesem Zusammenhang etwa auf das Pokalduell mit dem KSV Hessen Kassel hin. Die Nordhessen waren im Oktober 2024 zu Gast an der Oppenröder Straße.

Ausdrücklich will der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Fernwald seine Worte nicht als Angriff auf die Geschäftsführung der Regionalliga Südwest GmbH verstanden wissen - diese habe den Klub unterstützt: "Die Kritik setze ich woanders an: Es ist absurd, welche Vorgaben da gemacht werden."

Ein Einzelfall ist der Verzicht unterdessen nicht. Im Jahr 2023 nahm der damalige Vizemeister FC Gießen nicht an den Aufstiegspartien teil; erst vor kurzem zog mit Rot-Weiß Walldorf ein Ligakonkurrent seine Regionalliga-Bewerbung ebenfalls zurück. Als "Quantensprung" beschreibt Bechthold den Weg in die Viertklassigkeit: "Sportlicher Erfolg wird nicht belohnt, nur weil überzogene Regularien dagegensprechen."

Sollte sich sein Verein auch 2025/26 wieder unter den ersten vier Teams der Liga bewegen, werde er aber erneut die Unterlagen zur Lizenzierung einreichen. Von seinem Konzept, auf junge Talente aus der Region zu bauen, wolle er ohnehin nicht abweichen. Die Enttäuschung ist bei Bechthold dennoch groß: "Ich verspüre eine extreme Bitterkeit. Aber Emotionen helfen nicht weiter."

Alzenau vor Aufstieg

Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung nun für die anderen Spitzenteams? Neben dem FSV und Rot-Weiß Walldorf hatten Bayern Alzenau, Türk Gücü Friedberg sowie der SV Darmstadt 98 II die Bewerbungsunterlagen für die Regionalliga eingereicht. Während Alzenau als Tabellenzweiter (64 Punkte) vor dem Heimspiel gegen den TSV Steinbach Haiger II (Samstag, 15:00 Uhr) die besten Aussichten auf den direkten Aufstieg besitzt, treffen Darmstadt (6. Platz/59 Punkte) und Friedberg (4./62) zeitgleich aufeinander. Voraussetzung für das Wahrnehmen des Aufstiegs- und Relegationsrechts ist ein Platz unter den Top 4, wie der Hessische Fußball-Verband auf seiner Homepage erklärt.

Unabhängig vom spannenden Finale werden mit dem FSV Fernwald und Rot-Weiß Walldorf zwei Spitzenteams auch in der nächsten Saison zum Teilnehmerfeld einer Liga zählen, die viel Unterhaltung verspricht: Schließlich kommen mit den Absteigern FC Gießen und Eintracht Frankfurt II auch noch die Hessenmeister der vergangenen beiden Jahre hinzu.