Peter Stöger hat die Vereidigungslinie noch einmal ein paar Meter nach vorne verlegt. Am Fünfer hören sich er und seine noch etwas zögernde Mannschaft an, was ihnen der über die 0:2-Niederlage gegen den LASK erboste Fanblock zu sagen hat. Von den vom Megaphon verzerrten und unverständlich gewordenen Wortfetzen ist im Rest des Stadions nur der ihnen unterliegende unzufriedene Ton zu vernehmen.
Gebeugten Kopfes trotten die Rapid-Spieler nach der öffentlichen Kopfwäsche in die Kabine. Peter Stöger applaudiert kurz. Offenbar teilt er den kritischen Standpunkt des harten Fan-Kerns.
"Wir werden das reparieren"
"Es hat niemand gefordert, dass sie Zauberfußball sehen wollen, sondern dass sie von der ersten bis zur 90. Minute das Gefühl haben wollen, dass alles verteidigt wird und eine Reaktion kommt", gibt der Rapid-Trainer in der Pressekonferenz der Fanbase recht. "Das ist das, was ich auch sehen will. Es geht nicht um Tiki-Taka, Ferserl oder super Ballstafetten, sondern dass du den Ball verteidigst oder wieder zurückholen willst."
Vier Spiele lang hat er die schlechter werdenden Ergebnisse moderat kommentiert und moderiert. Nach der neuerlichen Heimpleite stand Stöger der Ärger ins Gesicht geschrieben. Erstmals sprach er nicht nur von Entwicklung, die eben ihre Zeit brauche und davon, dass er auch in der guten Anfangsphase schon gewusst hätte, dass nicht alles so perfekt war, wie es in den Medien abgefeiert worden war. Er machte erstmals deutlich, dass die Leistungen einiger Spieler Konsequenzen haben würden. "Wir werden das reparieren."
Harte Zeiten für Bolla und Radulovic
Die ersten Konsequenzen zog der Trainer bereits zur Pause, als er die inferioren Außenspieler Bolla und Radulovic, sowie den blassen Antiste durch Demir, Weixelbraun und Kara ersetzte. Bolla hatte schon nach drei Minuten mit einem leichtfertigen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung für die erste Torchance der Linzer gesorgt. Beim 0:1 war es sein Fehlpass, der die Kühbauer-Elf zum Umschalter einlud. Aber auch der in der Vorsaison noch überragende Serge-Philippe Raux-Yao drehte beim Zurücklaufen viel zu früh ab, als dass er nach Usors Haken um Hedl noch einmal die Chance zum Eingreifen bekommen hätte können. "Das war nicht mit der Konsequenz verteidigt, dass ich sage, ich will das jetzt reparieren", vermisste Stöger bei beiden Gegentoren den unbedingten Willen. "Das taugt mir einfach nicht mehr. Das haben wir schon anders gehabt."
„Wir haben nicht die Messis und Ronaldos, wir haben Spieler, die konsequent arbeiten müssen und wer nicht bereit ist, wird ausscheiden."“ (Peter Stöger)
Beim zweiten Tor war es Radulovic, der zuvor schon einige Male von Horn zurechtgewiesen worden war (und nicht erst im diesem Spiel), der allzu leicht den Ball verlor. Diesmal war es Bolla, der den Torschützen Adeniran nur begleitete, statt ihn energisch am Abschluss zu hindern. "Wenn das nicht von den Jungs kommt, denen wir die Qualität zusprechen, dann werden eben die Jungs, die noch nicht ganz so weit sind oder noch nicht so viel Erfahrung haben, auflaufen", stellte Stöger einigen Stars nicht nur die Rute ins Fenster, er ließ zweitere das auch gleich vorexerzieren. "Wir haben nicht die Messis und Ronaldos, wir haben Spieler, die konsequent arbeiten müssen und wer nicht bereit ist, wird ausscheiden."
Dem aus der 2. Liga gekommenen Weixelbraun fehlt zwar der Trickreichtum Radulovics, der Ex-Amstettner lieferte in der zweiten Halbzeit aber eine hundertprozentige Zweikampfquote ab. Demir wiederum stürzte sich bei einer der wenigen Konterchancen, die die Linzer auch in der zweiten Hälfte vorfanden, wie aus dem Nichts auf den bereits zum Schuss ausholenden Adeniran und verhinderte mit einem Tackling in höchster Not (so geht das, Bendeguz!) das sicher scheinende 0:3. Und Kara war es, der für die wenigen gefährlichen Szenen vor Jungwirths Tor sorgte - und auch den (verschossenen) Elfer herausholte. "Die Jungs, die zur Pause reingekommen sind, haben für positive Inputs gesorgt", fühlte sich der Rapid-Trainer jedenfalls bestätigt. "Ob das etwas Zwingendes, Kreatives oder Atemberaubendes war, ist etwas anderes. Aber es war sehr in Ordnung. Sie haben versucht zu arbeiten und etwas reinzubringen."
Keine Lippenbekenntnisse mehr
Sie haben damit zumindest gezeigt, dass sie im Gegensatz zu Bolla & Co. verstanden haben, worum es geht und auch bereit sind, das umzusetzen. Genau in diesem Punkt zeigte sich Stöger von einigen Stammkräften enttäuscht. "Wir sprechen vor dem Spiel aus, was wir gemeinschaftlich umsetzen wollen, wenn das aber nur Lippenbekenntnisse sind, dann müssen wir die Reißleine ziehen und überlegen, wem oder was können wir da glauben?" Und wieder kommt er zum Schluss: "Dann schicken wir die Jungs rein, die alles dem Erfolg unterordnen und bereit sind, Fehler, die sie selber machen, zu korrigieren, aber auch bereit sind, den anderen Unterstützung zu geben. Unsere Aufgabe ist es, so aufzustellen, dass das wieder funktioniert."