In der sechsten Minute der Nachspielzeit war vielen Beobachtern des Augsburger Heimspiels gegen den FC Bayern (2:3) der Atem gestockt. Was war passiert? Münchens eingewechselter Verteidiger Sasha Boey rauschte bei einem hohen Ball in den Zweikampf mit Robin Fellhauer und traf diesen hart im Bereich des Kiefers und der Schläfe.
Eine minutenlange Behandlungspause folgte, ehe zahlreiche Sanitäter den sichtlich benommenen und auch blutenden Neuzugang (gekommen von der SV Elversberg) vom Feld trugen.
Das Positive vorneweg: Fellhauer soll relativ zügig wieder ansprechbar gewesen sein. Ihm gehe es "den Umständen entsprechend gut. Es scheint Gott sei Dank gut ausgegangen zu sein", sagte direkt nach Spielschluss auch Augsburgs Torwart Finn Dahmen im Gespräch mit Sky und gab an dieser Stelle eine erste leichte Entwarnung.
Boey "zu cool für die Welt"?
Kurz nach ihm bestätigte das auch sein Trainer Sandro Wagner: "Es wird schon gut, dauert aber noch ein, zwei Wochen - es ist schon eine schwere Gehirnerschütterung." Emotional ergriffen ergänzte der neue Trainer der Augsburger: "Das sind schon bewegende Bilder, wenn die Familie heult und er ins Krankenhaus muss. Das ist keine normale Fußballverletzung, würde ich sagen."
Und das Einsteigen von Bayern-Profi Boey war für Wagner kein normal geführter Zweikampf, das machte der ehemalige Assistent von Bundestrainer Julian Nagelsmann sichtlich erzürnt klar. Von einer unglücklichen Karambolage zwischen den beiden Spielern wollte der FCA-Coach und langjährige Bundesliga-Profi nichts wissen: "Das war schon mehr, das weiß man, wenn man selbst gespielt hat. Deswegen kann ich das auch einfach einen Tick besser einschätzen. Das war ein brutales Foul ehrlicherweise, ich unterstelle ihm (Boey; Anm. d. Red.) aber natürlich keine Absicht."
Etwas anderes stieß ihm allerdings richtig sauer auf: "Das Einzige, was ich ihm unterstelle, ist, dass er ganz cool weggeht - zu cool für die Welt." Wagner wolle vielmehr sehen, dass ein Spieler in solch einer Situation "direkt Entschuldigung sagt - und nicht erst, wenn er sieht, dass der junge Mann sich nicht mehr bewegen kann".
Doch damit nicht genug. Auf der Münchner Auswechselbank seien laut ihm einige Beteiligte aufgestanden direkt nach dem Kopf-an-Kopf-Treffer und hätten "kein Foul" angezeigt. "Der ein oder andere auf der Bank der Bayern" hätte "vielleicht ein bisschen eher die Synapsen anmachen" sollen, meinte der 37-Jährige: "Das macht man einfach nicht - egal ob es Bayern ist oder nicht. Das ist egal. Ich habe in meiner Karriere auch viele Fouls gespielt, aber ganz kurz hingehen und 'Entschuldigung' sagen - das macht man."
Wagner verspürt ungeahnten Stolz
In diesen Atemzügen stellte der erstmals in der Bundesliga als Trainer angestellte Wagner auch noch zwei Dinge fest. Und zwar: "Das (Foulspiel von Boey an Fellhauer in der Nachspielzeit; Anm. d. Red.) ist jetzt insgesamt nicht spielentscheidend gewesen."
Und dann noch, dass er großen Stolz auf sein Team empfunden hat. Dazu holte der gebürtige Münchner, der selbst viele Jahre beim FC Bayern ausgebildet worden war und gespielt hatte, etwas aus: "Ich tue mich immer schwer mit Stolz im Fußball, habe das gar nicht so gespürt die letzten zehn, 15 Jahre. Aber heute war ich so stolz auf die Mannschaft."
„Wenn Harry Kane Anfang der zweiten Hälfte als Linksverteidiger verteidigt, dann hast du, glaube ich, einiges richtig gemacht.“ (Sandro Wagner)
Warum? "Das ist eine Gruppe von Menschen, die sich vor acht Wochen getroffen und zusammen gesagt hat: 'Wir gehen auf eine Reise.' Und diese Reise hatte heute einen wunderbaren Abend, nur das Ergebnis ist eine Katastrophe. Wir wollten gewinnen, das ärgert mich total. Das ist kacke." Klar sei der in Phasen auch dominant mit viel Ballbesitz auftretende FC Bayern zu zahlreichen Chancen gekommen, das lag aber aus Wagners Sicht an der klar höheren individuellen Qualität. Sein Team habe immer wieder gute Aktionen gezeigt - "und wenn Harry Kane Anfang der zweiten Hälfte als Linksverteidiger verteidigt, dann hast du, glaube ich, einiges richtig gemacht."
"Gute Besserung" von Boey
Nochmals zurück zum Kopf-an-Kopf-Treffer zwischen Boey und Fellhauer. Dazu äußerte sich auf der Pressekonferenz noch Bayern-Trainer Vincent Kompany, der sagte, dass sich sein Schützling durchaus entschuldigt habe. "Vielleicht hat er am Anfang die Situation nicht ganz einschätzen können", sagte der Belgier, der Fellhauer im Namen seines Vereins alles Gute wünschte.
Boey selbst schrieb außerdem noch bei Instagram: "Nochmals sorry für das, was passiert ist. Gute Besserung!"