Dieser Tage hat Sandro Wagner sich mal umgehört in Augsburg, bei den Fans des FCA. Um einer vermeintlich ganz einfachen Frage nachzugehen: "Was wollen die Leute eigentlich sehen?"
Ganz so grausig war das in den vergangenen Jahren ja schließlich nicht mehr, niemand musste bis kurz vor Schluss um den Klassenerhalt zittern oder Zukunftsängste haben. Gemeckert wurde stattdessen auf einem höheren Niveau, weil es irgendwann unter Jess Thorup nicht mehr gut genug war.
"Wir wollen dieses Jahr als FCA alles attackieren, was sich bewegt", sagt Thorups Nachfolger Wagner deshalb und weiß selbst auch, dass die Formulierung "vielleicht ein bisschen übertrieben" ist. "Aber grundsätzlich soll das unsere Haltung sein, dass wir in jedem Spiel ans Limit gehen wollen." Weil die Zuschauer sich das genau so wünschen. "Ich komme ja nicht hierhin, mache mein Programm und haue dann irgendwann wieder ab. Ich möchte fühlen und leben, wie das hier ist."
„Ich komme ja nicht hierhin, mache mein Programm und haue dann irgendwann wieder ab.“ (Sandro Wagner)
Das erste Feedback fällt entsprechend positiv aus, nach dem 3:1 in Freiburg vor einer Woche geht der FCA selbstbewusst ins Duell mit dem großen Nachbarn FC Bayern, ins erste Topspiel seit zehn Jahren. "Wir sind voller Vorfreude und versuchen, uns ganz nüchtern am Inhalt zu bewegen", erklärt Wagner. "Für mich geht’s nur um drei Punkte."
Dabei ist es ausgerechnet für ihn ein besonderes Spiel, oder sollte es sein. "Ob man mir jetzt glauben mag oder nicht? Aber morgen ist es wirklich ein ganz normales Spiel", versichert der in München aufgewachsene Augsburg-Trainer. "Ich spüre nichts Besonderes. Keine besondere Gänsehaut, gar nichts. Klar hat man die eine oder andere Geschichte." Mit Manuel Neuer zum Beispiel wurde Wagner 2009 gemeinsam U-21-Europameister, viele Bayern-Profis betreute er außerdem als Co-Trainer der Nationalmannschaft. Oder spielte von Januar 2018 bis Januar 2019 mit ihnen zusammen beim FCB.
Aber "für mich ist es wirklich nur ein Bundesliga-Spiel, das wir unbedingt gewinnen möchten. Dann hätten wir einen Sechs-Punkte-Start, und dann wäre ich echt ganz kurz zufrieden." Und auch dann würde es nüchtern weitergehen mit der Vorbereitung auf das nächste Auswärtsspiel beim FC St. Pauli.
Auch seiner Mannschaft versucht der Trainer in aller Deutlichkeit einzuimpfen, dass sie den deutschen Rekordmeister nicht anders ansehen sollen als den Halleschen FC oder Freiburg. "Ich habe hier vor ein paar Tagen mal 'Bonus-Spiel' irgendwo aufgefasst … Das traut sich jetzt keiner mehr zu sagen. Es gibt keine Bonus-Spiele für uns. Wir wollen jedes Bundesliga-Spiel so bestreiten, dass wir es gewinnen. Ich versuche, nur in Inhalten zu arbeiten; zu schauen, was der Gegner hergibt; was wir abbilden können. Mit Bonus kann ich überhaupt nichts anfangen, das ist eine Verlierer-Haltung, weil man sich selbst vorher Ausreden gibt. Die haben wir nicht."