Portugal-Niederlage mit Folgen
Einen Lieblingsgegner fürs Nations-League-Finale verkündete Ruben Neves am Mittwochabend nicht, als er in der Allianz-Arena danach gefragt wurde. "Diese vier Mannschaften", sagte der Al-Hilal-Profi nach Portugals 2:1-Sieg gegen Deutschland über die vier Halbfinalisten, "sind im Moment die besten in Europa."
Die FIFA-Weltrangliste stützt diese Behauptung nicht, und genau das droht für die deutsche Nationalmannschaft zum Problem zu werden. In der jüngsten Ausgabe des Rankings vom April belegt die Auswahl von Bundestrainer Julian Nagelsmann - als achtbestes Team aus Europa übrigens - nur den zehnten Platz. Um bei der Gruppenauslosung für die WM 2026 gesetzt zu sein, müsste sie bis zum November aber mindestens Neunter sein.
Hintergrund: Die FIFA dürfte wie gewohnt vier Lostöpfe für die zwölf Vierergruppen bilden, wobei im ersten Topf die drei Gastgeber USA, Kanada und Mexiko sowie die neun besten Teams der Weltrangliste erwartet werden. Landet Deutschland nur im zweiten Topf, droht 2026 schon in der Vorrunde beispielsweise ein Duell mit Argentinien, Spanien, Frankreich oder England.
Durch die Niederlage gegen Portugal sind die Hoffnungen, den kleinen Rückstand auf den Neunten Italien weiter zu verkürzen, deutlich gesunken. Während die DFB-Elf dadurch Punkte einbüßt, kann Italien im WM-Qualifikationsspiel in Norwegen am Freitag welche hinzugewinnen.
Wie viele Punkte eine Nation genau für welches Resultat erhält oder abgezogen bekommt, ermittelt die FIFA mit einer komplizierten Formel, in der neben dem tatsächlichen Ergebnis auch die Weltranglistenpositionen der beiden Kontrahenten, die Wichtigkeit des Spiels und das erwartete Ergebnis eine Rolle spielen.
Für die WM-Gruppen könnte auch das Spiel um Platz 3 wichtig werden
Um noch eine halbwegs realistische Chance auf eine Top-9-Platzierung zu haben, wäre ein Sieg im Spiel um Platz 3 am Sonntag (15 Uhr, LIVE! bei kicker) wichtig, mit dem Deutschland mehr Punkte einfahren kann als Italien in Norwegen, weil der DFB-Gegner - Frankreich oder Spanien - zu den Top-Teams gehört, Norwegen nicht. In den bis November ausstehenden sechs WM-Qualifikationsspielen gegen die Slowakei, Nordirland und Luxemburg sind für Nagelsmanns Team hingegen vergleichsweise wenige Punkte zu holen, wobei die FIFA beim Faktor Wichtigkeit keinen Unterschied zwischen Spielen in der Nations-League-Endrunde und der WM-Qualifikation macht.
Mindestens genauso schmerzhaft wie die Halbfinalniederlage gegen Portugal ist deshalb mit Blick auf die WM die verspielte 3:0-Führung im Viertelfinalrückspiel gegen den direkten Konkurrenten Italien. Wäre der Heimsieg gelungen, stünde Deutschland in der Weltrangliste aktuell vor der Squadra Azzurra.