"Wir sind an Grenzen gestoßen", resümierte Dino Toppmöller am Dienstagabend nach der deutlichen 1:5-Pleite bei Atletico Madrid. Jene Grenzen seien allerdings "nur temporär" - und müssen schnellstmöglich deutlich verschoben werden, wenn am Samstagabend (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) zu Hause gegen den FC Bayern etwas rausspringen soll.
Jene Bayern waren in der Champions League zeitgleich im Einsatz, feierten mit einem 5:1 beim FC Pafos auf Zypern den neunten Sieg im neunten Pflichtspiel der Saison und sprangen auf Platz 1 der Ligaphase in der Königsklasse. Rein auf dem Papier spricht wahrlich wenig dafür, dass die SGE den formstarken Münchnern etwas abknöpfen kann. Doch wenn ein Spiel im Waldstadion regelmäßig für Überraschungen und verschobene Grenzen gesorgt hat, dann das gegen die Bayern.
Bayern gewann nur 16 von 54 Ligaspielen bei der SGE
54 Heimspiele bestritt Frankfurt bislang in der Bundesliga gegen den FCB. Und hat dabei als eines von nur drei Teams, bei denen die Münchner mindestens fünfmal im Oberhaus gastierten, eine positive Bilanz. 21-mal feierte die Eintracht einen Heimsieg, 17-mal wurden die Punkte geteilt, lediglich 16 Partien entschied der Rekordmeister für sich. Eine ähnliche Bilanz weisen sonst nur der 1. FC Kaiserslautern (18-11-13) und Borussia Mönchengladbach (23-19-15) auf.
Daran hat auch Dino Toppmöller bereits seinen positiven Anteil. Vor fast genau einem Jahr trotzte seine Mannschaft den Bayern in einem spektakulären Spiel dank Omar Marmoushs 3:3 in der Nachspielzeit einen Punkt ab. Noch einen Tick denkwürdiger war Toppmöllers erstes Heimspiel gegen seinen Ex-Klub.
Auch am 14. Spieltag 2023/24 sprach alles gegen die Eintracht, die drei Tage zuvor ihre vierte Niederlage in Serie eingesteckt und beim 1. FC Saarbrücken mit 0:2 aus dem Pokal geflogen war. Thomas Tuchels Bayern waren Wochen zuvor zwar ebenfalls in Saarbrücken gescheitert, in der Liga allerdings noch ungeschlagen. Doch als klarer Außenseiter spielte sich Frankfurt regelrecht in einen Rausch, präsentierte sich eiskalt und schoss die Bayern mit 5:1 aus dem Waldstadion.
Für den einen oder anderen Münchner ein Déjà-vu. Denn bevor 2020/21 Daichi Kamada und Amin Younes die Bayern ärgerten (2:1) holte sich der Rekordmeister auch 2019/20 am Main eine 1:5-Klatsche ab - begünstigt durch einen frühen Platzverweis von Jerome Boateng. Einen Tag später musste der Ex-Frankfurter Niko Kovac seinen Trainerstuhl in München räumen.
Noch länger als 2023 lief die Serie der Bayern, die Frankfurt in der Rückrunde 2009/10 beendete. Damals war der Spitzenreiter mit 19 Ligaspielen ohne Niederlage am Stück angereist - und auf Kurs, die Serie weiter auszubauen. Doch Michael Skibbe bewies ein goldenes Händchen und sah, wie seine beiden Joker Juvhel Tsoumou und Martin Fenin spät Fehler des jungen David Alaba ausnutzten und das Spiel zum 2:1 drehten.
Meister wurden die Bayern letztlich dennoch. Anders als 2006/07, woran auch die SGE ihren Anteil hatte. Am 26. Spieltag sorgte Christoph Preuß per Fallrückzieher für den 1:0-Heimsieg und dafür, dass der FCB nicht am späteren Meister VfB Stuttgart vorbeiziehen konnte, der parallel beim zwischenzeitlichen Tabellenführer Schalke 0:1 verlor.
In den 1990er-Jahren spielte die Eintracht zwar zwischenzeitlich zwei Saisons in Liga 2, gewann aber dennoch vier der acht Bundesliga-Heimspiele gegen die Bayern bei zwei Remis und zwei Niederlagen. Wobei: Die Partie im April 1995 entschied der FCB eigentlich mit 5:2 für sich. Weil sich allerdings Giovanni Trapattoni und sein Assistent Klaus Augenthaler in der 73. Minute einen Fehler erlaubten und mit dem jungen Didi Hamann einen vierten Amateurspieler auf das Feld schickten, blieben die Punkte im Waldstadion. Die Regel besagte damals, dass maximal drei Amateure zeitgleich auf dem Rasen stehen dürfen. Entsprechend wurde das Spiel mit 2:0 für Frankfurt gewertet.
Das wohl legendärste Heimspiel der Frankfurter gegen den FC Bayern in der Bundesliga liegt allerdings schon deutlich länger zurück. Knapp 50 Jahre, um genau zu sein. Von den zehn Heimspielen in den 1970er-Jahren gewann Frankfurt sogar acht, darunter ein 4:0 1977. Im November 1975 aber überrumpelten Bernd Hölzenbein, Charly Körbel, Jürgen Grabowski und Co. die Bayern um Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge so, wie es der Eintracht bislang nie wieder gelang.
Mit einem 6:0-Kantersieg schickte die SGE die Münchner, die in dieser Saison immerhin noch Dritter werden sollten, nach Hause. Bis heute ist es die dritthöchste Niederlage der Bayern in der Bundesliga, geteilt mit dem 6:0 bei den Frankfurter Nachbarn aus Offenbach in der vorangegangenen Saison 1974/75. Für den großen Höhepunkt vor 55.000 Zuschauern sorgte Bernd Nickel, der eine Ecke direkt verwandelte und damit den Endstand herstellte. Es war allerdings nicht das erste 6:0 über die Bayern: Schon 1960/61, damals noch in der Oberliga Süd, gelang Frankfurt ein solches Kunststück.
2022 lieferte der FCB das Gegenbeispiel
Ein derartiger Kantersieg muss es aus Sicht der SGE am Wochenende sicherlich nicht sein. "Wir haben einen auf den Deckel bekommen und am Samstag gegen einen mindestens genauso guten Gegner die Chance, es besser zu machen", blickte Ansgar Knauff, Torschütze beim 5:1 im Dezember 2023, nach der Pleite in Madrid voraus. Blaupausen für dieses Vorhaben finden sich in der Historie zur Genüge. Allerdings: Auch das letzte Gegenbeispiel ist noch jung. Am 1. Spieltag 2022/23 düpierte Bayern die Eintracht in Frankfurt mit 6:1.