Aus dem Trainingslager des FC Augsburg in Kollerschlag (Österreich) berichtet Mario Krischel
Für Elias Saad wird es in naher Zukunft nochmal richtig unangenehm werden im Trainingslager des FC Augsburg. Während andere tanzen oder singen durften, muss der Neuzugang vom FC St. Pauli zum Einstand ein Gedicht vortragen. "Große Überwindung" koste ihn das, "aber Gedichte fallen mir leichter" als zum Beispiel ein Lied. "Tanzen auf keinen Fall, da würde ich lieber Geld bezahlen … Ich bin gar nicht der Typ dafür."
In Österreich lebt sich der 25-jährige Offensivspieler gerade ein bei seinem neuen Verein, der immerhin zwei Millionen Euro an Ablöse nach Hamburg überwiesen hat. "Ganz anders" findet es Saad wenig überraschend beim FCA, "aber auch sehr schön." Herzlich wurde er aufgenommen, "ich fühle mich sehr wertgeschätzt".
Einfach ist die Umstellung nicht, fernab vom Fußballerischen. Ohne Familie ging es aus der Heimatstadt Hamburg in den Süden Deutschlands, eine Wohnung hat Saad zwar schon gefunden, "aber da muss noch viel gemacht werden".
Viel Zeit zum Nachdenken bleibt aktuell sowieso nicht, schließlich reiht sich im regnerischen Kollerschlag eine Trainingseinheit an die andere. "Schon anstrengend" sei das zwar, "aber gerade für einen Neuzugang ist es gut, wenn man 24/7 bei der Mannschaft ist, so lernst du jeden besser kennen." Heißt fernab vom Fußballplatz: Karten spielen, quatschen, Gedichte vortragen.
„Mit Fabian Hürzeler war es auch sehr taktisch geprägt.“ (Saad zieht einen Vergleich zu Wagner)
Zählen wird es letztlich auf dem grünen Rasen, dort fühlt sich Saad am ehesten offensiv aufgehoben, ob das dann links vorne oder auf der Zehn ist. "Ich will der Mannschaft einfach helfen", sagt er vorbildlich. Wie er das am besten kann? Mit Kreativität im Offensivspiel, Eins-gegen-eins-Duellen, "Gegner an mich binden, Räume schaffen". Verbessern will er die Intensität im Defensivbereich, überhaupt 90 Minuten Gas geben können. Ach, und: "Torgefährlicher will ich sein. Ich komme oft in die Situationen, ein Tor zu schießen, aber nutze die Chancen noch nicht optimal. Gerade Sandro kann mir nochmal anderen Input geben."
Der Trainer war einer der Gründe, zum FCA zu wechseln. Weil Saad einen ähnlich denkenden Typen schon bei St. Pauli erleben durfte. "Mit Fabian Hürzeler war es auch sehr taktisch geprägt", sagt der tunesische Nationalspieler über den heutigen Brighton-Coach. Menschlich und inhaltlich jedenfalls sei Wagner "top". Er fragt immer nach, ob alles gut ist und will, dass jeder Spieler sich wohlfühlt. Man nimmt sehr viel mit, hier kann man sich sehr gut entwickeln.“
Wo genau, das lässt Saad noch offen: "Wir haben viel gesprochen", berichtet er von seinem Austausch mit Wagner. "Er hat gesagt, dass er mich auf mehreren Positionen sieht; dass ich flexibler bin als andere Spieler." Was ja auch nicht das schlechteste Urteil ist. "Und er mich deswegen in der Vorbereitung vielleicht auch mal woanders spielen lässt, wo ich mich vielleicht nicht so wohl fühle. Um zu schauen, wie ich mich da mache. Ich habe ein gutes Gefühl bei ihm und glaube, dass er mir auf jeden Fall weiterhilft. Und dass er ein sehr großes Potenzial in mir sieht als Spieler. Mein Ziel ist es, das Vertrauen zurückzuzahlen." Und das so schnell wie möglich.