Aus Madrid berichtet Julian Franzke
Mit einer beeindruckenden Machtdemonstration im Derby fegte Atletico Madrid am Samstag über Real hinweg. Das Estadio Metropolitano war beim klaren 5:2-Erfolg völlig aus dem Häuschen. Dieser Auftritt verdeutlichte noch einmal, was schon vorher klar war: Eintracht Frankfurt ist am Dienstagabend der klare Außenseiter.
"Unglaubliche Intensität und Energie"
"Atletico Madrid gehört in den letzten zehn Jahren, vielleicht auch schon länger, zu den absoluten Top-Teams in Europa", sagt Trainer Dino Toppmöller. "Sie sind Dauergast in der Champions League und immer auch ein Kandidat fürs Finale. In ihrem Spiel haben sie eine unglaubliche Intensität, vor allem zu Hause mit dem Publikum im Rücken, der Energie des Stadions und des Trainers." Der Trainer weiter: "Wir wissen, was auf uns zukommt. Aber wir werden auch unsere Momente bekommen. Wir müssen natürlich sehr sauber sein, sehr sachlich spielen, dürfen uns nicht in Nickeligkeiten verwickeln lassen."
Für sein Team gehe es darum, "im Kollektiv richtig gut zu verteidigen und auch im Kollektiv anzugreifen". Allerdings verfüge Atletico über eine "brutal stabile Defensive" und sei im tiefen Block "sehr schwierig zu bezwingen". Personell kann der SGE-Coach beinahe aus dem Vollen schöpfen, lediglich Rechtsverteidiger Rasmus Kristensen (Muskelverletzung) fällt weiterhin aus. Es ist nicht zu erwarten, dass Toppmöller nach dem spektakulären 6:4 in Gladbach die Rotationsmaschinerie anwerfen wird. Von den Einwechselspielern drängte sich am Samstag keiner auf. Flügelspieler Jean-Matteo Bahoya ist ebenso wie Mittelfeldakteur Hugo Larsson immer ein Startelf-Kandidat. Es käme allerdings auch nicht überraschend, sollte Toppmöller keine Änderungen an der ersten Elf vornehmen.
Schließlich zeigte die Eintracht in Gladbach gut eine Stunde lang ein außergewöhnlich starkes Spiel. Toppmöller hebt die Energie, die Intensität und den Fokus seiner Elf hervor. "Wir haben in den ersten 70 Minuten eigentlich gar nichts zugelassen", sagt der Coach und fordert gegen Atletico die gleiche Einstellung: "Es kommt darauf an, dass wir hier genauso konzentriert auftreten, genauso scharf sind, mit der gleichen Energie und Verteidigungsmentalität. Das war übrigens der Schlüssel für unser gutes Offensivspiel."
Umstellung für Burkardt
Stürmer Jonathan Burkardt freut sich auf einen "sehr coolen Abend" und gibt sich betont selbstbewusst: "Warum sollte nichts drin sein? Wir können gegen jeden Gegner gewinnen, und wir haben gegen jeden Gegner eine sehr gute Chance. Deswegen gehe ich das Spiel mit einem positiven Gefühl an." Mit vier Toren in den jüngsten drei Pflichtspielen ist er mittlerweile richtig in Frankfurt angekommen. "Natürlich tut es sehr, sehr gut, ein paar Tore geschossen zu haben. Ich bin jetzt besser eingebunden, trotzdem gibt es noch Luft nach oben", meint Burkardt.
„Er reibt sich unheimlich auf in den Zweikämpfen.“ (Dino Toppmöller über Neuzugang Jonathan Burkardt)
Toppmöller ist mit der Entwicklung des Ex-Mainzers ebenfalls zufrieden. "Jonny hat jetzt richtig gut reingefunden", sagt der Coach. Bei den Automatismen, Laufwegen und anderen Feinheiten sieht er aber ebenfalls noch Verbesserungspotenzial. Es ist ein Prozess, den auch der aus Freiburg verpflichtete Ritsu Doan momentan noch durchläuft. Im Grunde ist das eine gute Nachricht für die Eintracht: Die beiden Top-Transfers des Sommers können noch besser werden.
In puncto Einsatz lobt der Trainer Burkardt jetzt schon explizit: "Er reibt sich unheimlich auf in den Zweikämpfen. Das ist für unser Spiel extrem wichtig, ebenso wie seine Ballsicherheit. Jonny ist sich für keinen Lauf und für keinen Zweikampf zu schade." Außerdem glaubt Toppmöller, dass der 25-Jährige nun immer stärker in eine Führungsrolle hineinwächst.
Toppmöllers spezielle Stürmer-Schule
Burkardt berichtet, dass sich das Anforderungsprofil an ihn als Stürmer in Frankfurt deutlich anders darstellt als zuvor in Mainz. "Die Unterschiede sind groß, gerade im Spiel mit dem Ball ist die Idee eine andere, auch die Laufwege unterscheiden sich. Ich bekomme jeden Tag sehr, sehr viel neuen Input. Es gibt viele Videositzungen, Dino kommt oft zu mir, und ich frage auch nach, was ich noch besser machen kann", erzählt der Stürmer. Die Vergangenheit seines Trainers, der selbst Angreifer gewesen ist, ist ebenfalls von Vorteil: "Das hilft natürlich sehr. Er macht mit uns nach dem Training oft noch ein paar Abschlüsse und kleine Übungen. Das macht sehr viel Spaß."
Schon die famose Entwicklung von Burkardts Vorgängern Omar Marmoush (Manchester City) und Hugo Ekitiké (FC Liverpool) war nicht zuletzt auf die akribische Detailarbeit von Toppmöller zurückzuführen. Burkardt ist es zuzutrauen, dass er auch im Hexenkessel von Madrid die Früchte dieser besonderen Stürmer-Schule erntet. Dafür brauchen er und die Eintracht aber einen perfekten Tag.