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"Oft auf die Fresse bekommen": Warum Dotchev seiner Mannschaft freigibt

kicker

Ein wenig Spannung dürfte dem Ulmer Trainer, der mit sechsmonatiger Unterbrechung von November 2021 bis November 2024 an der Seitenlinie des FC Erzgebirge Aue stand, schon in der 90. Minute von den Schultern gefallen sein. Schließlich sorgte da der eingewechselte Elias Löder per Kopf für den 3:0-Endstand der abstiegsbedrohten Spatzen beim direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt. Zuvor zeigten seine Ulmer in der zweiten Halbzeit ein anderes Gesicht, spielten direkter und präziser nach vorne und bekamen auch die Auer Offensivbemühungen besser in den Griff. Ein schneller Doppelschlag durch Marcel Seegert (48.) und Mirnes Pepic (54.) traf den FCE ins Mark. Dass Ryan Malone nach rüdem Einsteigen gegen Pepic des Platzes verwiesen wurde, tat dann sein Übriges und ebnete den letztendlich ungefährdeten Ulmer Auswärtssieg.

Eine entspannte Zeit verbrachte Dotchev, der Anfang Dezember 2024 in Aue entlassen wurde und dann nach gut einem Jahr bei den Ulmern anheuerte, an der Seitenlinie naturgemäß nicht. Zu ernst die tabellarische Lage der Spatzen, die trotz des Sieges weiterhin einen direkten Abstiegsrang (18) belegen. Bereits vor der Partie erlebte man einen Trainer, der sich auf seine Rückkehr zwar freute, dessen Fokus aber natürlich auch auf dem Sportlichen lag. "Es ist natürlich etwas Besonderes. Das ist für mich heute eine neue Situation. Es sind gemischte Gefühle dabei. Ich hatte sehr viele schöne Momente hier, habe noch viele Freunde hier. Es ist hier nicht nur eine emotionale Situation, sondern auch eine sportliche. Wir brauchen hier Punkte, alles andere muss ich ausblenden", sagte der 60-Jährige vor der Partie bei MagentaSport.

Dass viele Dinge auf den Trainer einprasselten, war ihm auch nach der Partie anzumerken. Auf die Frage, ob er froh sei, dass das jetzt alles erst einmal vorbei ist, antwortete er deutlich: "Ja, absolut. Ich habe heute Morgen noch gesagt, dass ich froh sein werde, wenn das alles vorbei ist. Dass jetzt alles so positiv ist, ist natürlich schön. Es ist ein tolles Gefühl."

Bis zum aus Ulmer Sicht positiven Ende war es für den SSV ein hartes Stück Arbeit. Schließlich waren die Gastgeber über weite Teile der ersten Halbzeit überlegen: "Wir hatten wenig Zugriff und kaum Entlastung. Wir haben dann ab der 35. Minute versucht umzustellen, aber das ist bei der Mannschaft nicht ganz angekommen." Das änderte sich in der Halbzeitpause ganz offensichtlich. Folglich verteilte Dotchev ein großes Lob an seine Mannschaft: "Wir haben es richtig gut gemacht in der zweiten Halbzeit." Dennoch bemängelte er den Chancenwucher, den seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit betrieb, denn eine 2:0-Führung sei ein gefährliches Ergebnis - gerade mit Blick auf die aktuelle Situation der Ulmer.

„Das habe ich mir fotografiert. Es ist sehr lieb.“ (Pavel Dotchev)

Den warmen Empfang, den der FCE dem ehemaligen Auer Trainer bescherte, nahm Dotchev trotz des Stresses und der Anspannung, die ein Spieltag beim SSV Ulm nun mal mit sich bringt, natürlich war. So druckten die Beteiligten der Veilchen die Initialen des Ulm-Trainers in den Rasen seiner Coaching Zone - vielleicht, damit Dotchev nicht versehentlich auf dem falschen Trainersessel Platz nimmt. "Das habe ich mir fotografiert. Das finde ich sehr, sehr cool von den Jungs, die immer wieder super Arbeit machen. Es ist sehr lieb."

Ein rundum gelungener Tag für den Trainer, der auch die Mannschaft an seiner Freude teilhaben lässt. "Ich habe der Mannschaft erst mal bis Dienstagsnachmittag freigegeben. Es war so eine lange Phase, in der die Mannschaft immer gelitten hat, und wir haben auch oft auf die Fresse bekommen. Ich glaube, sie müssen jetzt den Moment genießen und Kraft tanken." Die werden die Ulmer auch brauchen, denn die nächsten Wochen haben es in sich. Mit dem MSV Duisburg und Waldhof Mannheim kommen zunächst zwei große Kaliber der 3. Liga auf die Spatzen zu, bevor ein weiteres Kellerduell gegen Alemannia Aachen (alle Spiele LIVE! bei kicker) auf dem Programm steht.