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"Wir rechnen mit dem Schlimmsten": In Aschaffenburg fehlt es an allen Ecken und Enden

kicker

Als die Viktoria das letzte Regionalligaspiel gewonnen hatte, kamen die Zuschauer im T-Shirt ins Stadion. Viele Beobachter unken, dass es bis zum nächsten Sieg wohl wieder dauern könnte, bis die Sonne kräftiger scheint.

Seit September haben die Aschaffenburger neun Partien ohne Dreier absolviert und sich mit fünf Niederlagen in Serie in die Winterpause verabschiedet. Nach den beiden 0:1 Heimniederlagen gegen Hankofen-Hailing (0:1) und Bayreuth (0:1) sowie dem desaströsen Eindruck, den die Mannschaft dabei hinterlassen hat, schwindet auch beim Vorstandsvorsitzenden Matthias Hartmann die Zuversicht. "Wir hoffen auf das Beste, aber wir rechnen mit dem Schlimmsten", zeigte er sich nach dem letzten Spiel ernüchtert.

"Total enttäuschend" nannte Kapitän Benjamin Baier den Verlauf der bisherigen Saison. "Fakt ist: Wir haben uns selbst in diese Lage gebracht. Jetzt müssen wir schauen, dass im Winter gute Entscheidungen getroffen werden."

Sulu-Entlassung ohne Effekt

Eine solche Entscheidung könnte ein neuer Trainer sein. Der Wechsel von Aytac Sulu zu Daniel Soldevilla hat sportlich nichts bewirkt, alle drei Spiele unter seiner Regie gingen verloren. Noch wichtiger wären aber personelle Änderungen in der Mannschaft. Der Sturm ist nicht einmal ein laues Lüftchen, kein Angreifer konnte bisher seine Regionalligatauglichkeit unter Beweis stellen. Am ehesten überzeugte noch der offensive Mittelfeldspieler Lian Akkus Rodriguez, der zusammen mit Baier bester Torschütze ist (jeweils vier Treffer).

„Unsere Kassen sind leer.“ (Vorstandsvorsitzender Matthias Hartmann über mögliche Wintertransfers)

In Ansätzen hat auch der spät verpflichtete Othmane El Idrissi seine Qualitäten unter Beweis stellen können. Aber zunächst war er nach einem Platzverweis für fünf Spiele gesperrt, jetzt fällt er mit einem Muskelbündelriss für Monate aus.

Sowohl in Abwehr (mit 44 Gegentreffern die schlechteste der Liga) wie Mittelfeld fehlen ebenfalls erfahrene Akteure, die den teilweise gerade der Jugend entwachsenen Spielern Halt geben könnten. Der Führung ist die Situation bekannt: "Wir schauen uns natürlich um", bestätigte Hartmann, sagt aber auch: "Unsere Kassen sind leer." Mehr noch: Bis zum Frühjahr muss der Verein 150.000 Euro auftreiben, um nicht zahlungsunfähig zu werden.

Torwart-Posse passt zur Situation

Als ob das nicht schon genug Baustellen wären, leistet sich die Viktoria zur Zeit noch eine Posse um die Torhüterposition. Nachdem sich Max Grün mit einem Muskelfaserriss abmelden musste, befand Sportvorstand Felix Magath das Risiko für zu hoch, die letzten beiden Spiele mit dem 20-Jährigen Leon Thielmann oder dem 18-Jährigen Maximilian Grimm zu bestreiten.

Er verpflichtete kurzerhand den vereinslosen Eric Verstappen, den er aus seiner Zeit bei den Würzburger Kickers kannte. Allerdings meldete sich Grün schneller zurück als erwartet. Vor dem Bayreuth-Spiel erklärte er: "Ich habe seit dem Tag der Verletzung alles dafür getan, für unsere Mannschaft wieder komplett fit zu werden und alles geben zu können. Dies ist schon immer meine Art, aber gerade jetzt in dieser wichtigen Phase der Saison vor der Winterpause von noch höherer Priorität. Ich habe ab Anfang der Woche mit den Torhütern und donnerstags komplett mit der Mannschaft trainiert und fühle mich zu 100 Prozent fit. Auch aus medizinischer Sicht gibt es grünes Licht."

Die Verantwortlichen entschieden sich jedoch gegen einen Einsatz von Grün. Das Risiko einer erneuten Verletzung sei zu hoch. Trainer Soldevilla hatte erklärt, den Spieler schützen zu müssen, sagte aber ebenfalls, die Absprache sei zwischen dem Trainerteam und dem Vorstand getroffen worden. Wie dieser Fall in der Winterpause geklärt werden soll, ist völlig offen.