Kara & Burgstaller über Verbleib und Abschied
Zuerst drückte die schwüle Hitze, danach öffnete sich der Himmel. Auf eine zerfahrene Anfangsphase folgte ein fulminantes Finish: Der SK Rapid vermochte es tatsächlich, den Rückstand aus dem Hinspiel des Europacup-Play-offs gegen den LASK noch zu drehen - die Grün-Weißen steigen im Juli in der zweiten Runde der Qualifikation zur Conference League ein.
Rapids Interimstrainer Stefan Kulovits bezeichnete das Duell mit den Athletikern nach Spielende bei Sky (linguistisch nicht ganz firm) als "Wellenbad der Gefühle" - im Hinblick auf das Wetter in Wien-Hütteldorf allerdings eine durchaus passende Beschreibung der Begegnung. Die Linzer, die im Vergleich zum 3:1-Sieg am Donnerstag über weite Strecken Aggressivität und Spielwitz vermissen ließen, wurden von Ercan Kara in Minute 95 in begossene Pudel verwandelt.
Der Held des Abends zeigte sich vom Coup nicht überrascht: "Ich habe gestern schon gespürt, dass es magisch wird", so Kara. Das Comeback habe man vor allem der Unterstützung von den Rängen zu verdanken. "Wir haben das von der ersten Minute gefühlt. Wir sind einfach Rapid. Zuhause ist alles machbar!" Auch über seine eigene Zukunft verlor der Stürmer im Moment des Triumphes ein paar Worte. Derzeit ist Kara, der schon von 2020 bis 2022 für die Hütteldorfer stürmte, vom türkischen Samsunspor ausgeliehen - mit Kaufoption. "Ich bin grün-weiß durch und durch und würde mich freuen, noch viele Spiele für Rapid zu machen," ließ der 29-Jährige zumindest eine deutliche persönliche Präferenz erkennen.
Im Hütteldorfer Märchenbuch ist an diesem Abend Platz für einen weiteren Helden - und es musste bei seinem Abschiedsspiel Guido Burgstaller sein. Im Sky-Interview nach Abpfiff wirkte der 36-Jährige, der bei seinem letzten Auftritt die Kapitänsbinde übernehmen durfte, gefasst. "Die Entscheidung trage ich schon länger mit mir herum, ich habe mir das gut überlegt. Die Erinnerungen werden in den nächsten Tagen und Wochen noch kommen." Bei seinem Treffer zum 1:0 nach einem Fehler von Hrvoje Smolcic war Burgstaller zunächst selbst überrascht, danach aber gewohnt abgeklärt: "Ich habe damit nicht gerechnet. Der Torhüter hat dann auf das lange Ecke spekuliert, deswegen habe ich ihn ins kurze geschossen. Man hat nach dem Tor einen Ruck durch das Stadion gemerkt."
Auch beim alles entscheidenden Treffer zum 3:0 von Kara hatte "Burgi" seine Beine im Spiel - die Maßflanke des Routiniers wurde wuchtig per Kopf verwertet. "Es ist wunderschön, dass ich der Mannschaft nochmal helfen konnte", erklärte Burgstaller zum Abschied. Nun gehe es erst einmal zurück in die Heimat nach Kärnten, aber nicht, ohne vorher "das eine oder andere Bier" zu trinken. Zum Profi-Fußball-Feierabend.