Die 113. Spielminute, ein Schuss aus spitzem Winkel - und dann doch das letztlich entscheidende Tor. Spaniens EM-Heldin Aitana düpierte die deutsche Schlussfrau Ann-Katrin Berger in der Verlängerung des Halbfinals von Zürich. Ein abgerutschter Flankenball oder ein gewollter "Geniestreich", wie es Bundestrainer Christian Wück nachher in der ARD nannte?
Eher Letzteres, wenn man den Aussagen der Siegtorschützin nach Schlusspfiff in Zürich Glauben schenken mag . "Die Wahrheit ist, dass wir mit dem Trainerstab, mit den Analysten, mit dem Torwarttrainer die Torhüterin gut studiert hatten", verriet die zweimalige Weltfußballerin. "Wir wussten, dass sie in dieser Situation manchmal den kurzen Pfosten frei lässt."
Aitana habe "nicht zweimal darüber nachgedacht", vielmehr alles versucht, um ein Elfmeterschießen zu vermeiden. Und vielleicht am Ende das selbe Schicksal zu erleiden wie zuvor im Viertelfinale die Französinnen gegen das DFB-Team.
"Ich schoss mit allem, was ich hatte, mit aller Kraft", berichtete die 27 Jahre alte Weltklassespielerin des FC Barcelona. "Ein Tor zu schießen in einem Spiel wie diesem ist etwas ganz Besonders." Schon gegen die Schweiz war Aitana nach einer sehenswerten Hacken-Vorlage zur Spielerin des Spiels gekürt worden.
Tomé: "Sehr spezielle Persönlichkeit"
Kurz vor der EM hatte Aitana noch wegen einer Hirnhautentzündung um ihr Mitwirken bangen müssen. "Das war nicht einfach für sie am Anfang des Turniers", berichtete Trainerin Montse Tomé. Aitana sei aber "eine sehr spezielle Persönlichkeit, sie will ganz weit oben sein. Sie hat es geschafft, ihre Gesundheitsprobleme zu überwinden."
Für Spanien war es im neunten Duell mit dem DFB-Team der erste Sieg. "Heute habe ich das Gefühl, dass wir wieder Geschichte geschrieben haben", sagte Aitana. "Ich bin also stolz darauf, zu dieser Generation von Fußballerinnen zu gehören, die so viel erreicht haben."
Der nächste große Titel nach dem WM-Triumph in Australien winkt am kommenden Sonntag (18 Uhr/ZDF und DAZN). Im Basler St. Jakob-Park trifft Spanien dann auf Titelverteidiger und Vizeweltmeister England.