Das Rennen ist eröffnet, und es dürfte eng verlaufen. "Wer besser trainiert, spielt am Freitag", sagt Ralf Voigt. Der Trainer und Sportliche Leiter in Personalunion bezieht sich auf das Auswärtsspiel des Bremer SV in Drochtersen/ Assel und die Torwartsituation: Bevor er beim 0:1 gegen den SSV Jeddeloh die Rote Karte gesehen hatte, war Pascal Manitz zu sieben Einsätzen gekommen und hatte seine Sache sehr ordentlich gemacht. Danach rückte Keno Meyer (19) zwischen die Pfosten. Er absolvierte beim 4:1 gegen den HSC Hannover bereits seinen dritten Einsatz und ließ sich dabei ebenfalls wenig zuschulden kommen. Aber nun ist Manitz wieder spielberechtigt und das Duell um die Nummer eins eröffnet.
Offenbar hatte Voigt also einen guten Job gemacht, als er die beiden jungen Keeper im Sommer vom Halleschen FC (Meyer) und Rot-Weiß Erfurt (Manitz) für jeweils ein Jahr auslieh. Aber die Situation der Torhüter - die auch noch durch den ebenfalls jungen Nico Weide (20) ergänzt wird - steht sinnbildlich für die Lage des Bremer SV: Bislang lief doch alles viel besser als erwartet.
Saison an seidenem Faden
Rückblende: Bevor er die Klasse dank des Aufstiegs vom TSV Havelse erhalten hatte, war der BSV der SV Hemelingen im Finale des Landespokals unterlegen. Damit fehlte Geld, das der Verein dringend benötigt, und so hing die Meldung zur neuen Saison an einem seidenen Faden. Irgendwie - durch eine Spendenaktion und großzügige Zuwendungen - schaffte der Verein es doch noch, einen Etat aufzustellen.
Aber es musste gespart werden, so viel stand fest. Es heißt, zum ohnehin sehr kleinen Budget der vergangenen Saison in Höhe von 440.000 Euro fehlten rund 70.000 Euro. In der Folge verließen diverse Stammkräfte den Verein, und mangels eines entsprechenden Budgets übernahm Ralf Voigt neben der Aufgabe als Sportlicher Leiter auch noch das Traineramt.
Wie sollte ein nicht auf Rosen gebetteter BSV unter diesen Umständen erneut den Klassenerhalt schaffen? Es war jedenfalls kein Wunder, dass die Bremer unter den Fachleuten zu den heißesten Anwärtern auf einen Abstiegsplatz gezählt wurden. Derzeit kann davon allerdings keine Rede sein, belegt der BSV doch mit einer ausgeglichenen Bilanz (4-1-4) und 13 Punkten den neunten Platz der Liga. Das sei gleichbedeutend mit der Schulnote drei, findet Ralf Voigt. "Wir haben auch ein paar doofe Spiele verloren", erläutert der BSV-Macher sein zurückhaltendes Fazit.
Immerhin ist es ihm aber offenbar gelungen, eine ganze Menge aus den vorhandenen Mitteln herauszuholen: Spieler wie Ilhan Altuntas (der gegen den HSC allerdings bereits den zweiten Platzverweis kassierte), Luca Schlake, Noel Werner, Daniel Michel oder Ken Tchouangue konnten sofort helfen und ganz ohne Qualitätsverlust einen Stammplatz einnehmen. Zudem wurde in Ismail H’Maidat ein Spielgestalter geholt, der seine Qualität (er stand einst beim AS Rom unter Vertrag) immer wieder mit außergewöhnlichen Aktionen aufblitzen lässt.
Daneben entwickelten sich auch die bereits vorhandenen Spieler weiter. Allen voran Leon Schmidt, der bereits vier Treffer erzielte. Es steht wohl außer Frage: Bislang hatte Ralf Voigt ein sehr gutes Händchen.