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Zwickauer Seitenwechsel: Martens macht's wie Ribery

kicker

Favorit? Dieses Wort will in Zwickau niemand in den Mund nehmen - in keinem Ligaspiel. "Wir sind nicht in der Position, gegen egal wen, als Favorit ins Spiel zu gehen. Darum backen wir kleine Brötchen", sagte Veron Dobruna vor dem Auswärtsspiel bei Schlusslicht Hertha Zehlendorf am vorletzten Freitag. Die Westsachsen taten sich dann letztlich auch verdammt schwer, gewannen dank eines Sonntagschusses ihres jüngsten Feldspielers Josua von Baer mit 1:0.

Die Anreise nach Berlin-Lichterfelde gestaltete sich dabei wie eine Abenteuerfahrt. Wegen einer Vollsperrung der A9 bei Schkeuditz flogen die Schwäne auf den letzten Drücker ein. Das Essen am Fahrbahnrand ging viral, genauso wie Coach Rico Schmitt, der lässig mit Sonnenbrille auf der Leitplanke saß. Laut FSV-Pressesprecher Daniel Sacher erreichten die eigenen Beträge in den sozialen Medien weit über 500.000 User, was - um es zu vergleichen zu können - in etwa der Einwohnerzahl des gesamten Landkreises Zwickau entspricht.

Von sich reden machen sie in Eckersbach aber auch auf dem Platz. Theo Martens' Siegtreffer gegen Staffelfavorit Hallescher FC letzten Sonntag, ein herrlicher Schlenzer Marke "Franck Ribery" - von links in die Mitte gezogen und ab ins rechte Eck -, hat das Zeug zum Tor des Monats. "Der Treffer von Theo war ein Bombentor. Er konnte das endlich mal umsetzen", sagte Cheftrainer Schmitt hinterher.

Er ist der Dompteur einer blutjungen Truppe. Zuckerbrot und Peitsche. Im Zusammenspiel mit Sportdirektor Robin Lenk wird ein Spieler auch mal angezählt, aber niemals fallengelassen. Schmitt verriet einmal, dass er darauf schaut, auf welcher Position der Spieler sich selbst sieht und wo er als Trainer ihn sieht. Und dann legt er es übereinander. Bei Martens führte dies zum Wechsel von Rechtsaußen, letzte Saison noch seine Stammposition, auf Linksaußen, wo sich der Rechtsfuß selbst wohler fühlt und im Ribery-Stil nach innen ziehen kann.

Nun macht eine Schwalbe noch keinen Sommer. Daheim ist Zwickau definitiv eine Macht und seit 19 Spielen ungeschlagen. "Guck dir das doch an! Das ist doch der Wahnsinn. Das ist Adrenalin pur, hier geht was ab!", sagte Martens zur Atmosphäre gegen Halle. Mit 6.180 Zuschauern pro Spiel verfügt der FSV gegenwärtig über den viertbesten Schnitt ligaweit und liegt damit vor Derbyrivale Chemnitzer FC oder dem amtierenden Meister Lok Leipzig. Macht das alles die Westsachsen nicht doch zu einem leisen Mitfavoriten um den Aufstieg? "Wenn ich oben mitspielen möchte, brauche ich auch solche Spieler wie Altglienicke", sagte Lenk nach dem 0:3 bei der VSG.

Finanziell können sie (noch) nicht mit den Großen mithalten, solange der Rucksack von etwas unter einer Million Euro an Verbindlichkeiten auf den Schultern lastet. Den "Torjäger", wie ihn Altglienicke mit Jonas Nietfeld hat und bei dem Zwickau im Sommer abblitzte, sucht man vergebens. Die Last wird offensiv breit geschultert, vom Kollektiv, weshalb sich der Sportdirektor auch am Tag der Deutschen Einheit beim BFC Dynamo etwas erhofft. "Wir wollen den Schwung aus dem Halle-Sieg mitnehmen und gegen eine gute BFC-Mannschaft, die besser ist als es ihr Tabellenplatz aussagt, endlich wieder einen Auswärtssieg einfahren - denn das ist uns seit unserem Abstieg 2023 noch nicht gelungen", sagt Lenk im Hinblick auf die Bilanz gegen den Traditionsklub aus Hohenschönhausen.