Eine Kolumne von Daniel Duhr
"Österreich spielt absoluten Anti-Handball. Das möchte eigentlich keiner sehen." Rums. Nicht mal eine Minute brauchte Nationaltorwart Andreas Wolff, um Auftaktgegner Österreich so richtig schön anzuzünden. Während sich Kritiker mit Einordnungen zwischen "unangebracht" und "unmöglich" zu Wort meldeten, verriet Teammanager Benjamin Chatton noch in der Halbzeit des Nachbarschaftsduells, was es mit der wolffschen Wortwahl auf sich hat.
"Er hat damit als Erfahrener die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das war eine extrem clevere Aktion." Von den zahlreichen jungen Spielern in der deutschen Mannschaft habe im Anschluss keiner mehr geredet. Wolff habe so den Druck von ihnen genommen. Und da Wolff seinen großen Worten auch große Taten folgen ließ, gelang der Auftakt gegen die bemerkenswert stark aufspielenden Antihandballer aus Österreich.
Deckname: "Plan B"
Chatton unterstrich auch am Tag nach dem 30:27, dass Wolffs Provokation in Ordnung war: "Als Stilmittel für einmal hat es zumindest einen Effekt gehabt." Damit ist jetzt auch klar: Das verbale Scharmützel unserer Nummer eins sollte fest in den Turnierplan der Deutschen gehören. Die Strategie: Den Gegner erst beleidigen, dann beeindrucken, dann besiegen. Oder kurz: Die "3B-Regel", die Wolff im Vorfeld der EM vielleicht sogar gemeinsam mit führenden Sportpsychologen entwickelt und mit Bundestrainer Alfred Gislason dem Team unter dem Decknamen "Plan B" vorgestellt hat.
Die nächsten Gegner dürfen sich also schon vor dem Anpfiff auf einiges gefasst machen. Allen voran die Serben, denen Wolff etwa sagen könnte: "Serbien ist keine Mannschaft. Das sind alles heißblütige Einzelspieler, die ihr eigenes Ding machen. Die muss man nur ein klein wenig kitzeln, dann rasten sie aus und die Schiedsrichter schicken sie zum Abkühlen. Spiele der Serben will auch eigentlich niemand sehen." Um dann seinen Kasten abzuschließen und mit Deutschland den zweiten Sieg einzufahren.
"Die Zeit der Spanier ist vorbei"
Deutschlands "Plan B" geht auf und vor dem abschließenden Vorrundenspiel bittet die Journaille Andi Wolff vorfreudig um seine Einschätzung der Spanier. Erneut sollte er sich nicht lange bitten lassen und sich an die "3B-Regel" halten: "Die Zeit der Spanier ist lange vorbei. Von den aktuellen Spielern kenne ich auch kaum noch einen. Wir nehmen das Spiel jetzt mit, um uns Selbstvertrauen für die Hauptrunde zu holen. Und außerdem: Spiele der Spanier will eigentlich auch niemand sehen."
Die Spanier sehen Rot und laufen wie die Stiere immer wieder die deutsche Abwehr an. Regelmäßig packt sie unser Torero mit der Eins jedoch an den Hörnern und zeigt deutlich, was er von ihnen hält: alles.
Frankreich und Dänemark nicht im Favoritenkreis
Gespannt warten dann alle auf die Hauptrunde. Wolff selbst versteht den ganzen Rummel nicht. Schließlich geht es da ja nur gegen Titelverteidiger Frankreich und Weltmeister Dänemark. "Beides Mannschaften, die ich nicht zum Favoritenkreis zähle. Die Franzosen sind ohne Remili nicht konkurrenzfähig. Und mit Blick auf Dänemark setze ich viel Vertrauen in die Schiedsrichter. Dass sie erkennen, dass Mathias Gidsel im Grunde genommen nur zwei Moves draufhat: Schwalben und Schrittfehler." Außerdem, so Wolff abschließend, wolle diese beiden Teams ja nun wirklich niemand sehen.
In Zweite Welle schreibt Bestseller-Autor Daniel Duhr regelmäßig über aktuelle Handballthemen auf und neben der Platte. Und lädt Euch damit zur Diskussion ein. Welchen Standpunkt vertretet Ihr? Wir freuen uns auf Eure Meinungen!