Frühstarts sind in der Formel 1 eigentlich verboten, in diesem Fall ging aber alles mit rechten Dingen zu. Schon am 9. Januar startete Audi mit der Arbeit auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Dass kein anderes Team schon so früh aus der Garage ging, ist dabei nebensächlich. Denn es war ein besonderer Moment: Erstmals überhaupt bewegte sich ein Formel-1-Bolide mit den vier Ringen auf einer Rennstrecke.
Die nächsten großen Schritte
Das Formel-1-Debüt des bayerischen Automobilherstellers rückt immer näher. Am 8. März werden Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto in Australien zum ersten Mal für Audi in der Startaufstellung stehen.
Und schon diese Woche geht das Team den großen Schritt mit der Enthüllung der Lackierung in der Landeshauptstadt. Ganze dreieinhalb Jahre hat man darauf gewartet. Das Design ihres R26 präsentierte Audi bereits Mitte November in München.
Die maximalen Ziele sind aber bereits formuliert. "Wir wollen ab 2030 um die Weltmeisterschaft kämpfen", sagt Audi-CEO Gernot Döllner.
Quasi blind gebaut
Auch wenn es bis dahin noch vier Jahre sind, ist das für die Formel 1 ein ambitionierter Zeitplan. Immerhin wird Audi zu Beginn aus verschiedenen Gründen erst mal hinten in der Startaufstellung erwartet. Für den Einstieg in die Königsklasse wurde das Schweizer Sauber-Team übernommen. Das hat zwar einige Tradition, gehört aber seit mehr als zehn Jahren auch regelmäßig zu den Hinterherfahrern. Ein kleiner Rennstall wird also gerade aufgerüstet zum potenziellen WM-Kandidaten, personell und infrastrukturell ist das eine riesige Aufgabe.
Und angetrieben wird der Bolide von einem Motor, der quasi blind gebaut wurde. Audi entschied sich für den ganzheitlichen Ansatz. Das Auto und auch der Antrieb wurden von Beginn an im eigenen Haus entwickelt. So erhofft man sich einen langfristigen Wettbewerbsvorteil, kurzfristig ist es aber eine Herausforderung. Für den Motor gebe es "jede Menge Simulationen, aber wir haben keine Rückmeldung von der Strecke, null", sagte Stefan Dreyer, Audis Technik-Chef im Motorenwerk in Neuburg, noch im vergangenen November.
Außerdem muss für das neue Reglement ein Hybridantrieb konzipiert werden. Der Elektro-Anteil an der Leistung steigt auf beinahe 50 Prozent - der Verbrennungsmotor allerdings bleibt in weiten Teilen identisch, Mercedes, Ferrari und Co. kennen ihr Aggregat daher viel besser.
Man braucht "eine steile Lernkurve"
Die extrem frühe Ausfahrt, kurz nach Jahresbeginn, war dementsprechend vor allem ein Funktionstest. Audi will möglichst wenig ausgebremst werden, wenn dann die richtigen Testfahrten losgehen. Vom 26. bis zum 30. Januar dürfen die Teams in Barcelona noch einmal hinter verschlossenen Türen auf die Strecke, im Februar (11. bis 13. und 18. bis 20.) wird dann noch zweimal in Bahrain getestet.
Man werde dann "eine steile Lernkurve" brauchen, sagt Dreyer mit Blick auf die hohen Ziele - in einer Pressemitteilung formuliert Audi den Plan so: "Challenger, Competitor, Champion". Vom Herausforderer zum Weltmeister also. Möglichst in vier Jahren.