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Der neue Spirit der Munich Cowboys

kicker

Seit 1979 wird in München American Football gespielt. "The Grand Old Team Of The South" gehört zusammen mit den Düsseldorf Panther und Ansbach Grizzlies zu den ältesten Vereinen in Deutschland. Nach 24 Jahren konnte die Mannschaft in Schwarz und Gold wieder ein Viertelfinale in den Playoffs der Erima German Football League für sich entscheiden. Weshalb Tradition in der Wiesn-Hauptstadt verpflichtet und was einer der besten Head Coaches in Europa mit dem Erfolg der Gegenwart zu tun hat, darum soll es in der heutigen Kolumne gehen.

Fünfmal durfte "Lucky Muc" am letzten Samstag im Spiel gegen die Berlin Rebels die hölzernen Kühe in der Sandgrube des Dantestadions umwerfen. Denn traditionell darf das Maskottchen der Cowboys für jeden Touchdown eine Kuh mit dem großen Logo der Münchner brandmarken.

Cowboys schreiben mit Erfolg gegen Rebels Geschichte

Fast ein Vierteljahrhundert musste der stolze Club aus Bayern auf diesen Moment warten, als man in der Overtime die Charlottenburger aus Berlin mit 44:31 nach Hause schickte und endlich wieder ein Halbfinale erreichte.

Matchwinner war am Samstag einmal mehr Gabriel Boccella. Der Wide Receiver fing vom glänzend aufgelegten Quarterback Zachary Whitehead elf Pässe für 181 Yards und einen Touchdown.

Jetzt träumt man bei den Cowboys insgeheim sogar von der ersten Finalteilnahme seit über 30 Jahren, bevor man sich im Halbfinale auf die lange Anreise zu den Potsdam Royals macht. Damals 1993 gewann München sogar im Endspiel gegen die Cologne Crocodiles und holte die erste und bis heute einzige Deutsche Meisterschaft in der langen Vereinsgeschichte.

Munich Cowboys mit neume Geist der Gegenwart

Das ist alles Schmarn von gestern, möchte man sagen. Doch wer für München spielt, läuft für einen stolzen Verein und ein Stück American-Football-Geschichte in Deutschland auf. Wenn in den letzten Jahren die NFL in München zu Gast war, traf man im Stadion und in der Stadt auch immer wieder Fans und ehemalige Spieler im schwarz-goldenen Jersey.

Als klarer Außenseiter nach Brandenburg fahren, nur um sich dort eine deftige Tracht Prügel abzuholen, passt so gar nicht zu den Cowboys. Vielmehr zeigt sich das "große alte Team aus dem Süden" im modernen Gewand.

Grund dafür ist Head Coach Christos Lambropoulos. Er übernahm gute Strukturen von seiner Vorgängerin Nadine Nurasyid, die im Sommer in der NFL bei den Tampa Bay Buccaneers hospitierte, verlieh der Offense aber einen ganz neuen Anstrich.

Gelingt der neuen Cowboys-Offense die Überraschung in Potsdam?

Überall, wo der Australier mit griechischen Wurzeln auftaucht, ist für High Scoring und viel Passing Game gesorgt. Seine Air Raid Offense installierte er bereits bei den Saarland Hurricanes und führte diese durch die erste Saison nach ihrem Aufstieg in die German Football League.

Jetzt arbeitet Lambropoulos seit letztem Jahr in München. Seine Offense brachte es in zwölf Spielen der Regular Season auf sechs Siege und fast 2900 Passing Yards. Nur Justin Miller von den Dresden Monarchs vervollständigte in der Saison von allen Playoff-Quarterbacks mehr Pässe als Zachary Whitehead. Die Accuracy von 74 Prozent bei 23 Touchdowns und acht Interceptions sucht seinesgleichen. Obendrein erzielte Go-to-Guy Gabriel Boccella in zehn Einsätzen, inklusive Playoffs, jeweils einen Touchdown.

Lambropoulos gelingt es, seine wichtigsten Spieler perfekt in Szene zu setzen. Man sieht es Whitehead förmlich an, wie gerne er in der wurffreudigen Offense seines Cheftrainers spielt. Gegen Potsdam werden sie jedoch jeden Funken Spielfreude und Mut aufbringen müssen. Denn der amtierende Meister wirkt in der momentanen Form unaufhaltbar.

München verlor beim letzten Aufeinandertreffen 2023 mit 72:6 und musste eine der schwersten Niederlagen seiner Historie verdauen. Doch das war ein anderes Team: Defensiv eingestellt, vorsichtig, geradezu konservativ. Lambropoulos sucht Antworten in der Feuerkraft seiner Offense. Vielleicht führt seine moderne und aggressive Spielidee zum überraschenden Erfolg über die Royals.

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