Hallo Herr Winkel, wie fällt ihr Fazit zum Turnier aus?
Das Abschlussergebnis auf Platz fünf entspricht nicht unserer Erwartungshaltung, da gibt es nichts schönzureden. Auch wenn uns bewusst war, dass wir ein sehr junges, unerfahrenes Team sind, dessen Zenit noch mindestens ein bis zwei Jahre entfernt ist, hätten wir uns zugetraut, schon jetzt eine Medaille zu erringen. Was uns viel Zuversicht gibt, ist unsere Leistung über weite Strecken des Turniers und dass wir tatsächlich über das gesamte Turnier gesehen, die stärkste Offense und die stärkste Defense der EM waren. Dass unsere Offense über fünf von sechs Spielen hinweg in 34 von 35 Drives einen Touchdown erzielen konnte und unsere Defense im Schnitt nur zwei Scores pro Spiel zugelassen hat, sind absolut sensationelle Leistungen. Am Ende müssen wir aber dafür sorgen, dass in Zukunft dabei mehr Zählbares in der Endplatzierung herumkommt. Unterm Strich sind wir definitiv enttäuscht über die Platzierung, aber sehr stolz auf die Leistungen der Spielerinnen und schauen mit Zuversicht in die nächsten Jahre.
Wenn Sie auf das Spiel gegen Spanien blicken: Was war für Sie der Knackpunkt, warum man die zwischenzeitliche Führung nicht über die Zeit bringen konnte?
Wir hatten uns vor dem Spiel vorgenommen, uns nicht durch kleine Rückschläge aus dem Konzept bringen zu lassen. Nach dem bitteren Tipped Ball im ersten Play und dem darauf folgenden Touchdown von Spanien ist uns das in den nächsten Drives sehr gut gelungen und wir konnten uns zum 14:7 zurückkämpfen. Als dann kurz vor der Halbzeit erneut diesmal gleich mehrere Unlucky Bounces aufeinander trafen, haben wir leider doch unseren Flow etwas verloren und sind aus dem Konzept gekommen. Spanien ist ein athletisches Team, das mit hoher Smartness, starker Abstimmung und herausragenden reaktiven Fähigkeiten in der Lage ist, die Räume sehr eng zu machen, da kann man sich leider einfach kaum Fehler erlauben.
Was sind für Sie die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Turnier? Und woran wollen Sie bis zur WM arbeiten?
Das Turnier hat uns gezeigt, dass wir ein vielversprechendes Team voller Potenzial sind, es uns aber in entscheidenden Momenten noch an dem letzten Quäntchen Abgezocktheit und Erfahrung fehlt. Für uns heißt das, dass wir die Arbeit der letzten Jahre mit noch mehr Einsatz fortführen werden und alles dafür tun werden, sportlich wie mental auf das nächste Level zu kommen. Offense- wie Defense-seitig werden wir weiter an der Perfektionierung unserer Abstimmung arbeiten, an einigen Stellen noch variabler werden und hohes Augenmerk darauf legen, unseren jungen und vielversprechenden Kader weiterzuentwickeln.
In einem Jahr steht die Heim-WM an. Wie sieht der Zeitplan bis dahin aus?
Während die Spielerinnen jetzt eine wichtige Pause bekommen, gehen wir mit den Coaches direkt in die Analyse der EM. Ab dem Spätherbst werden wir uns dann wieder in monatlichen Trainingslagern und wöchentlichen Meetings auf die Weltmeisterschaft vorbereiten. Da High Quality Reps gegen Teams mit hohem Speed für unsere Entwicklung zum absoluten Top-Niveau den höchsten Impact haben, werden wir zur Vorbereitung mindestens ein bis zwei Trainingslager mit und gegen internationale Top-Teams absolvieren. Die interne Planung ist zu 98 Prozent abgeschlossen, für die Vorbereitungsspiele warten wir aktuell noch auf die finalen Bestätigungen der anderen Verbände.