Hallo Herr Viger, in dieser Saison haben Sie mit mehreren Quarterbacks gearbeitet. Wie kam es zu dieser Rotation, und welche Vorteile bringt sie für Ihr System?
Die Geschichte unserer Quarterbacks in dieser Saison ist eine lange! Vor Beginn der Saison verpflichteten wir Tyrrell Pigrome als unseren Quarterback und bauten unseren Kader um seine Fähigkeiten herum auf. Er ist wahrscheinlich der erfolgreichste Quarterback, der jemals in der GFL unterschrieben hat. Leider verletzte er sich in unserem ersten Spiel. Zum Glück wussten wir, dass der Berliner Sebastian Schulz bereit war einzuspringen und zu performen. Anstatt einen neuen amerikanischen Quarterback zu verpflichten, setzten wir unser Vertrauen in Sebastian und holten stattdessen einen zweiten amerikanischen Receiver, um ihm eine zusätzliche Waffe zu geben. Sebastian blieb als Starter ungeschlagen und warf in einem Spiel sogar fünf Touchdowns. Doch auch er verletzte sich und plötzlich hatten wir keinen einsatzfähigen Quarterback mehr. Zum Glück konnte Kenyatte Allen zu uns stoßen und unsere Saison wirklich retten. Außerdem entschieden wir uns, Moritz Richter aus unserem Jugendteam hochzuziehen, damit er in der GFL wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Schließlich gelang es uns, Xeaiver Bullock zu verpflichten, um unserer Offense noch mehr Schlagkraft zu verleihen. Insgesamt hatten wir in dieser Saison fünf verschiedene Quarterbacks, die jeweils einen Touchdown-Pass geworfen haben. Und wir glauben, dass wir die beiden besten Quarterbacks in Europa haben.
Wie unterschiedlich sind die Spielstile Ihrer Quarterbacks, und wie passen Sie Ihr Playcalling an deren individuellen Stärken an?
Alle unsere Quarterbacks verfügen über die physischen und mentalen Voraussetzungen, um unsere Offense zu führen. Du wirst bei uns sehen, dass unsere Quarterbacks kurze Pässe komplettieren, tiefe Würfe anbringen und selbst laufen. Wir geben ihnen auch die Freiheit, Audibles zu machen, um sich und unsere Offense bei jedem Spielzug in die bestmögliche Position zu bringen.
Ihre Offense gehört zu den effektivsten der Liga. Was sind Ihre zentralen Prinzipien oder Prioritäten?
Unsere Philosophie ist es, den Ball in die Hände möglichst vieler verschiedener Spieler zu bringen. Wir haben auf jeder Position talentierte Spieler, und die Defense weiß nie, wer als Nächster zuschlagen wird. Unsere Offensive Line öffnet Laufwege für die Running Backs und schützt den Quarterback, damit der Ball überall auf dem Feld verteilt werden kann. Unsere Priorität ist es, das Spiel zu gewinnen - und uns nicht darum zu sorgen, wer am Ende die Anerkennung bekommt.
Sie bringen wertvolle Erfahrung aus dem US-College-Football mit, darunter Kentucky State, Washington State und Northern Illinois. Inwiefern hilft Ihnen diese Erfahrung bei Ihrer Arbeit mit den Royals, und welche Unterschiede fallen Ihnen beim Coaching in Deutschland auf?
Ich habe zehn Jahre in den USA gecoacht, darunter bei einigen äußerst erfolgreichen Programmen. Ich habe immer versucht, von jedem Team, das ich trainiere, so viel wie möglich zu lernen. Daher bin ich stolz darauf, mit Spielern aus unterschiedlichen Hintergründen in Verbindung treten zu können und Athleten mit unterschiedlichen Erfahrungsniveaus zu coachen. Was mir beim Coaching in Deutschland am meisten gefällt, ist das Engagement sowohl von den Spielern als auch vom Verein. Unser Team liebt Football wirklich, und es macht Spaß, Teil davon zu sein.
Wie bereiten Sie Ihre Offense auf den starken Gegner aus Dresden vor?
Das ganze Jahr über haben wir uns darauf konzentriert, die beste Version unserer selbst zu sein. Wenn wir nach unserem eigenen Standard spielen, spielt der Gegner keine Rolle. In jedem Training treten wir gegen die beste Defense Europas an, und wir machen uns dadurch gegenseitig besser.
Aus Sicht eines Offensive Coordinators: Worauf kommt es in einem GFL-Bowl-Spiel am meisten an?
Die oberste Priorität ist es, den Ball zu beschützen. Dafür muss unsere Offensive Line unsere Backs schützen und unsere Backs den Ball. Und wenn wir in Ballbesitz sind, sind wir in einer guten Position, um das Feld zu überqueren und Punkte zu erzielen.
Nach zwei Titeln in Folge und einem beeindruckenden Halbfinalsieg über München: Wie würden Sie die Stimmung im Team beschreiben? Wirkt die Gruppe gelassen und selbstbewusst, oder ist vor dem möglichen dritten Titel auch etwas Nervosität zu spüren?
Jeder unserer Spieler geht dieses Spiel auf seine eigene Weise an. Manche sind nervös vor ihrem ersten Championship Game, während es für einige unserer Veteranen einfach ein weiterer Arbeitstag ist. Es wird wichtig sein, dass unsere Führungsspieler die Kontrolle übernehmen, wenn es schwierig wird.
Wie würden Sie Ihre persönliche Gemütslage vor dem Finale beschreiben? Überwiegen Stolz und Vorfreude oder spüren Sie auch etwas Druck, den Erwartungen gerecht zu werden?
Persönlich spüre ich überhaupt keinen Druck. Meine Erfahrung in Potsdam war eine von bedingungsloser Unterstützung durch jedes Mitglied des Vereins und der Community. Für mich zählen Siege und Niederlagen nicht so sehr. Ich sehe jeden Tag die Mühe und Hingabe unserer Spieler, und das motiviert mich, stets mein Bestes zu geben. Eine Meisterschaft zu gewinnen, ist kein Vorhaben für nur einen Tag. Das ganze Jahr über habe ich mir selbst den Druck auferlegt, um sicherzustellen, dass jedes Workout, jedes Meeting und jedes Training so gut ist, wie es nur sein kann - und dem Standard der Potsdam Royals entspricht.
Das könnte Sie auch interessieren: GFL-Kolumne: Kopf-an-Kopf: Revanche oder Threepeat im GFL-Bowl? Vor GFL Bowl: Dresden-Coach Seamon verrät Schlüssel zum Erfolg Spengemann über GFL Bowl: "Dresden ist der perfekte Finalort" "Keinen Favoriten": Roman Motzkus erwartet spannenden GFL Bowl