Indiana steht mit einer perfekten 6-0-Bilanz und Platz drei in den nationalen Rankings da, es ist die höchste Platzierung in der Geschichte des Programms.
Für ein Team, das zwischen 2021 und 2023 gerade einmal neun Spiele gewinnen konnte, ist das ein beispielloser Aufstieg. Der Auswärtssieg in Eugene, mit dem Indiana Oregons lange Heimserie von 22 ungeschlagenen Spielen beendet hat, war mehr als nur ein Statement, er machte aus einem Überraschungsteam, das jahrelang Schlusslicht in der Big Ten und eigentlich für sein starkes Basketball-Programm bekannt ist, einen ernsthaften Playoff-Anwärter.
Der Architekt: Curt Cignetti und der Wandel einer Kultur
Curt Cignetti musste 30 Jahre warten, um seine große Chance zu bekommen. Nach Stationen als Quarterback-Coach von Philip Rivers an der NC State und als Receiver-Coach bei Alabama, wo er Julio Jones betreute, blieb ihm lange die Beförderung verwehrt. Also ging er den langen Weg über kleinere Programme: erst IUP, dann Elon, schließlich James Madison. Überall, wo er hinkam, verwandelte er Außenseiter in Gewinner. Als Indiana ihn 2024 verpflichtete, brachte er eine Bilanz von 119 Siegen und 35 Niederlagen mit und den Ruf, Programme von Grund auf zu verändern.
Von Anfang an machte er klar, dass er nicht zum Experimentieren gekommen war. "Ich gewinne, googelt mich", sagte er bei seiner Vorstellung. Seitdem hat er genau das getan: 17 Siege in 19 Spielen - die beste Bilanz der Schulgeschichte - und eine Mannschaft, die auf dem Feld so auftritt, wie ihr Coach denkt: selbstbewusst, furchtlos, effizient. Der nun geschlossene Achtjahresvertrag über 93 Millionen Dollar ist die logische Folge dieses Wandels und ein Symbol dafür, wie sehr Indiana in seinen Architekten des Erfolgs vertraut.
Indiana: Von der Lachnummer zur Marke
Indiana war jahrzehntelang das Kellerkind der Big Ten. Nur vier Trainer in der langen Schulgeschichte verließen Bloomington mit einer positiven Bilanz. Die Hoosiers verloren mehr Spiele als jedes andere College-Team - ein Symbol für verpasste Chancen. Dann kam Cignetti und mit ihm eine Revolution. Er nutzte das Transfer-Portal wie kaum ein anderer Coach.
2024 kam Kurtis Rourke als erfahrener Quarterback von Ohio und Receiver Elijah Sarratt folgte ihm aus James Madison. Rourke führte die Hoosiers mit 29 Touchdowns und fünf Interceptions in seiner einzigen Saison bis auf Platz neun im Heisman-Trophy-Ranking und war ein zentraler Baustein des Aufschwungs. Im darauffolgenden Frühjahr wurde er in der siebten Runde des NFL Drafts an Position 227 von den San Francisco 49ers ausgewählt.
2025 setzte Indiana noch einen drauf: Quarterback Fernando Mendoza wechselte von Cal, Running Back Roman Hemby kam aus Maryland, dazu mehrere Starter für die Offensive Line. Binnen zwei Jahren wurde aus einem bröckelnden Kader ein geschlossenes, tief besetztes Team. "Wir glauben, dass niemand uns schlagen kann", sagte Linebacker Aiden Fisher nach dem Sieg über Oregon. "Vor zwei Jahren waren wir die Punching Bags der Big Ten. Heute sind wir genau da, wo wir hingehören."
Indiana-Neuzugänge sind die Gesichter des Erfolgs
Angeführt wird die Offense von Mendoza - einem Spieler, der noch vor Kurzem an der Yale University studieren wollte. Heute führt er die Big Ten mit 17 Touchdown-Pässen bei nur zwei Interceptions an und steht bei über 1400 Yards durch die Luft. Dazu kommen zwei Scores am Boden. "Wir sind kein One-Hit-Wonder", sagte Mendoza nach dem historischen Sieg in Eugene. "Wir sind ein echtes Team."
Seine Anspielstationen sind ebenso spektakulär. Elijah Sarratt gehört mit sieben Touchdowns zu den gefährlichsten Receivern der Conference. Omar Cooper Jr. liefert konstant starke Leistungen als zweite Option, während Roman Hemby dem Laufspiel Stabilität und Power verleiht.
Und dann ist da noch Left Tackle Carter Smith, einer der besten seiner Position im ganzen Land. In sechs Spielen hat er keinen einzigen Sack zugelassen. "Er gibt uns Ruhe", sagte Mendoza. "Wenn ich in der Pocket stehe, weiß ich: Die linke Seite ist sicher."
Der Abend, an dem alles kippte
Das 30:20 bei Oregon war mehr als nur ein Sieg, es war eine Machtdemonstration. Gegen ein Team, das zuvor 22 Heimspiele in Folge gewonnen hatte, zeigte Indiana Reife und Nervenstärke. Nach einem Pick Six zum 20:20 starteten die Hoosiers einen zwölf Spielzüge langen Drive über 75 Yards, verwandelten drei Third Downs und schlossen mit einem präzisen Pass von Mendoza auf Sarratt in der Endzone ab. Danach: völlige Stille im Autzen Stadium. "Es geht um Widerstandskraft - um einen Willen, der sich nicht brechen lässt", sagte Cignetti im Anschluss. "Wir wussten, dass wir das schaffen können."
Die Zahlen sprechen für sich: Oregon, zuvor bei 47 Punkten pro Spiel, kam im Schlussviertel auf nur 27 Yards in 15 Spielzügen. Indiana zwang die Ducks zu einem Punt und zwei Interceptions. Am Ende stürmten hunderte Hoosier-Fans das Feld - ein Bild, das man in Bloomington lange für unmöglich gehalten hätte.
Eine neue Identität bei Indiana
Die Hoosiers haben aber nicht nur eine explosive Offense, sondern auch eine Defense, die in kritischen Momenten dominiert. Paradebeispiel ist Linebacker Isaiah "Bones" Jones. Vor zwei Jahren war er noch ein Scout-Team-Spieler, heute ist er einer der besten Verteidiger der Conference. 32 Tackles, zehn für Raumverlust, viereinhalb Sacks und ein spielentscheidender Pick in Eugene - Jones ist das Symbol für Indianas Entwicklung. "Ich kann jetzt schnell spielen, weil ich alles verstehe", sagte er. "Ich kenne das System, ich kenne die Idee. Das macht den Unterschied."
Indiana spielt heute mit der Selbstverständlichkeit eines Spitzenteams. Die Offense kombiniert Spread und Option, lässt ihren Spielern Raum für Kreativität. Die Defense agiert zonenbasiert, mit gezielten Blitz-Paketen - komplex genug, um Gegner zu verwirren, aber flexibel genug, um neue Spieler nahtlos zu integrieren. "Die Zuversicht, die wir gerade haben, ist schwer zu beschreiben", sagte Linebacker Fisher. "Wir waren so lange unten. Jetzt wissen wir, dass wir zu den Besten gehören."
Selbst Athletic Director Scott Dolson zeigt sich überrascht: "Coach Cignetti ist ein echtes Unikat. Alles, was er in unserem Gespräch versprochen hat, hat er gehalten."
Kommenden Wochen sind für Indiana entscheidend
In den kommenden Wochen warten ungerankte Conference-Gegner und somit ideale Chancen, um die starke Position zu festigen. Ein direktes Duell mit Spitzenreiter Ohio State steht zwar nicht auf dem Spielplan, doch das Ziel ist klar: der Einzug ins Big-Ten-Finale und womöglich mehr. Head Coach Curt Cignetti warnt jedoch vor Selbstzufriedenheit: "In der Big Ten ist die Fehlermarge extrem klein. Wir müssen jeden Tag nutzen - mit intensiven Meetings, fokussiertem Training und der richtigen Haltung, um es am Wochenende auf dem Feld umzusetzen."
Indiana ist kein Zufallsprodukt. Dieses Team steht für das, was möglich ist, wenn Strategie, Kultur und Glaube ineinandergreifen. Ein Programm, das man jahrzehntelang belächelt hat, steht plötzlich in einem Atemzug mit den ganz Großen. Oder, wie Cignetti es nach dem Triumph über Oregon sagte: "Wir sind nicht hier, um zu überraschen. Wir sind hier, um zu bleiben."