Sommer, der über Jahre hinweg als Architekt des österreichischen Erfolgs galt, zieht sich aus dem American Football zurück. Seine Begründung fällt deutlich aus: Mangelnde Unterstützung, fehlende Wertschätzung und eine Zusammenarbeit mit dem Verband, die "nicht mehr funktioniert" habe.
"Ich war erschöpft - und allein gelassen"
Max Sommer beschreibt seine Entscheidung als "nicht leicht, aber mehr als gut überlegt". Schon vor der EM sei ihm klar gewesen, dass er sein Amt niederlegen werde, sobald die gesteckten Ziele erreicht seien. Nach dem 27:0-Finalsieg über Finnland war dieser Punkt gekommen. "Ich bin unglaublich stolz. Nicht nur auf die Mannschaft, sondern auf das gesamte Betreuerteam. Wir haben einen neuen Standard für Football in Europa gesetzt."
Doch dieser Erfolg forderte seinen Tribut. "Wir haben diese Rahmenbedingungen für dieses Turnier geschaffen, indem wir persönlichen Einsatz eingebracht haben, der viele von uns - inklusive mir - über die Maßen erschöpft hat." Unterstützung oder Wertschätzung habe es kaum gegeben: "Es kam der Punkt, an dem diese zehn bis zwölf Tage mit dem Team, die immer zu den schönsten meines Lebens zählen, nicht mehr die restliche Zeit im Jahr aufgewogen haben."
"Es ist nie gelungen, ein gemeinsames Bild zu zeichnen"
Die schärfste Kritik richtet Sommer an den Verband. Die Zusammenarbeit mit der Führung des AFBÖ sei über Jahre zunehmend schwierig geworden. "Es ist nie gelungen, gemeinsam mit Sportdirektor, Generalsekretär und Vorstand ein gemeinsames Bild zu zeichnen, wie dieses Programm Nationalteam aussehen kann."
Er spricht offen von "persönlichen Widerständen" und "unprofessionellem Verhalten" - in einer Situation, in der man gerade Professionalität gebraucht hätte. Trotz freiwilliger Arbeit über Wochen und Monate habe er und sein Team kaum Wertschätzung erfahren. "Das Verständnis für eine weitere Professionalisierung hat schlichtweg gefehlt. Entscheidungen waren immer mit viel Kampf und Krampf verbunden."
Am Ende habe er keine Alternative mehr gesehen: "Wenn du es nicht schaffst, dich auf ein gemeinsames Bild des Projekts zu einigen, dann muss eine der beiden Parteien Konsequenzen ziehen."
"Ich schlafe endlich wieder wie ein Baby"
In einem Abschiedsbrief an Team und Verband sprach Sommer von "unfassbarem Stolz und Dankbarkeit", betonte aber auch: "Ich will klar zeigen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt."
Für ihn selbst steht nun ein neues Kapitel an - fern vom professionellen Football. "Ich habe die letzten fünf Jahre oft genug schlecht geschlafen. Seit ich diese Entscheidung getroffen habe, schlafe ich aber wie ein Baby - obwohl ich mittlerweile weiß, dass Babys nicht so gut schlafen." Familie und Beruf sollen künftig im Mittelpunkt stehen.
"Die Hoffnung stirbt zuletzt"
Ganz verabschieden will sich Sommer vom österreichischen Football dennoch nicht. Er hofft, dass jemand aus seinem bisherigen Betreuerstab die Herausforderung übernimmt. "Das war der großartigste Betreuerstab aller Zeiten im europäischen Football."
Seine Wünsche für die Zukunft sind klar: "Ein solider Amateurfootball, in dem Jugendliche die Faszination des Sports erleben können. Eine professionelle Liga, in der Talente regelmäßig auf höchstem Niveau spielen. Und mindestens alle zwei Jahre ein Spiel Österreich gegen Deutschland - in einem würdigen Rahmen."
Sein letzter Satz bleibt ein Signal an den Verband: "Wenn auf einem Spielfeld beide Finalspiele gespielt werden, bei Regen im Oktober, dann ist das ein Schlag ins Gesicht, wenn man versucht, ein professionelles Produkt zu liefern."