Das Playoff Quarterback Ranking ist verglichen mit den Regular Season Rankings insofern anders, als dass hier Tiers und die übergreifende Analyse - gewissermaßen das Big Picture Standing kombiniert mit dem Ist-Zustand der Quarterback-Position - eine geringere Rolle spielen dürfen.
Nicht im Sinne von, dass man alles andere ignorieren kann; aber die Form der diesjährigen Saison sowie der aktuelle Trend ganz konkret sind hier relevanter als etwa in Woche 5 oder in Woche 9. Weil für die meisten nur noch ein, maximal zwei Spiele zu spielen sind. Das Hier und Jetzt zählt.
Deshalb sind die Tier-Parameter, die ich sonst hier anwende, auch deutlich abgeschwächt. Das Ranking soll widerspiegeln, wie die mehr auf Aktualität bezogene Hackordnung der Playoff-Quarterbacks aussieht - und was man von ihnen über die nächsten maximal fünf Wochen erwarten darf.
Playoff Quarterback Ranking
14. Bryce Young, Carolina Panthers
Es gibt eine Floskel in der Analyse von Teams und Quarterbacks: Teams nehmen über einen längeren Zeitraum früher oder später die Identität ihres Quarterbacks an.
Im Fall von Young kann man mehr als einen Funken Wahrheit in dieser Floskel finden. Denn Youngs Inkonstanz lässt sich in der ganzen Offense - und in den Panthers als Team - wiederfinden.
Young hat an seine Vorsaison angeknüpft. Dort zeigte er im letzten Saisondrittel einige aufsehenerregende Spiele, die nicht nur seinen Status für die 2025er Saison zementierten, sondern auch für ein wenig Hype in Carolina sorgten. Was, wenn er in der nächsten Saison den nächsten Schritt machen würde? Vielleicht könnte er dann doch noch der Spieler werden, den man sich in Carolina erhofft hat, als all das Kapital in den Trade hoch für Young investiert wurde?
Die Realität dieser Saison war eine andere. Young spielte eben ähnlich wie im Vorjahr. Die Big Plays waren in manchen Spielen spektakulär. Die Fehler, verpassten Würfe und Turnover gingen aber fast im Gleichschritt mit.
Nach wie vor hat Young nicht die Konstanz als Passer, um die Offense aus seiner eigenen Qualität heraus auf ein höheres Level zu heben. Und er hat nach wie vor physische Limitationen. Das gilt für die Größe und die Physis in der Pocket, es gilt aber auch für seinen Arm, der manche Würfe schlicht nicht ermöglicht.
13. Aaron Rodgers, Pittsburgh Steelers
Wir haben im Laufe der Saison sehr klar die beiden verschiedenen Gesichter von Aaron Rodgers gesehen, die der 42-Jährige an diesem Punkt seiner Karriere häufiger zeigt.
Da wäre auf der einen Seite der "Vintage Rodgers". Das ist die Version von Rodgers, die nach wie vor die Big Plays sucht. Wenn er gewillt ist, den Ball etwas länger zu halten, Plays außerhalb der Pocket zu machen und auch später im Down vertikal zu attackieren. In beiden Spielen gegen die Ravens war diese Version zu sehen, aber auch gegen Detroit und im ersten Browns-Spiel.
Die andere Version war verglichen damit auf die ganze Saison gesehen eher die Norm. Das ist der Aaron Rodgers, der mit seinen 42 Jahren eher ungerne Hits einsteckt. Der Ball ist sehr schnell und meist sehr kurz raus, die Offense wird sehr eindimensional und berechenbar.
Rodgers hat immer noch die Elite-Würfe im Arm, das hat man auch spät in der Regular Season gesehen. Und die könnten den Unterschied für die Steelers machen. Aber ruft er die auch gegen einen Top-Tier-Pass-Rush ab?
12. C.J. Stroud, Houston Texans
Stroud spielt keine schlechte Saison. Es ist mehr so, dass er nicht den nächsten Schritt gemacht hat, den ich mir erhofft hatte. Stroud ist ein guter Ballverteiler aus einer sauberen Pocket, er hat eine generelle Aggressivität in seinem Spiel und er ist meist sicher in seinem Pocket-Verhalten.
Gleichzeitig ist er zu selten ein Quarterback, der Top-10-Ansätze zeigt und dann auch bestätigt. Er hat nach wie vor merkliche Probleme mit Pressure, er ist limitiert in dem, was er kreieren kann und Stroud hat manchmal die Tendenz, sich zu sehr auf einzelne Targets - vornehmlich Nico Collins - einzuschießen.
Der Ist-Zustand mit Stroud ist für mich dieser: In soliden Umständen kann er eine gute Offense aufs Feld bringen. Und er kann der Offense die Big Plays geben, die sie braucht, da sie anderweitig zu wenig Konstanz mitbringt. Aber im Vergleich zu anderen Quarterbacks in diesen Playoffs sehe ich vergleichsweise wenig Potenzial, ein Spiel in schwierigen Umständen an sich zu reißen.
11. Bo Nix, Denver Broncos
Vielleicht der Quarterback mit der größten Range möglicher Ergebnisse in diesen Playoffs.
Nicht so sehr was Turnover und Big Plays angeht, da gibt es andere Kandidaten. Bei Nix ist es eine etwas subtilere Frage: Bekommen wir den Bo Nix, den wir im ersten Spiel gegen die Chiefs gesehen haben? Oder gegen die Packers vier Wochen später?
Denn das ist, auch wenn er gegen die Packers eine gehörige Portion Turnover-Glück hatte, eine Version von ihm, mit der ein starkes Broncos-Team einen tiefen Run hinlegen kann. Ein Quarterback, der den Ball einigermaßen sauber verteilt, aber auch mehrere Big Plays findet und in Teilen kreiert. Der Downfield attackiert, der kleine Fenster trifft, der als Runner Plays macht.
Allerdings ist es nach wie vor ein Up-and-Down mit ihm. Nix hat Spiele, in denen er entschieden zu viele Fehler macht, um hier und jetzt mehrere Siege in der Postseason zu prognostizieren. Wo er Bälle verfehlt, Bälle zum Gegner wirft, hektisch in der Pocket wird. Und er hat - auch im Kontext der Offense, hier ist auch Sean Payton in die Pflicht zu nehmen - noch zu viele Spiele, in denen er in dieses extrem vorsichtige, konservative Fahrwasser fällt. Wo er den Ball möglichst kurz werfen will, Bälle ins Backfield verteilt und unheimlich wenig inspirierend oder kreativ spielt. Das reicht dann gegen die Raiders und gegen die Backups der Chargers. Aber nicht in den Playoffs.
Und gleichzeitig ist das ein Balanceakt, spezifisch für die Playoffs dieses Jahr. Es gibt nicht diese ein, zwei, drei echten Schwergewichte in der AFC. Die Broncos werden sich auf ihre Defense stützen. Kann Nix das richtige Maß an Aggressivität finden? Auf den Punkt gebracht ist das vermutlich die Frage, die darüber entscheiden wird, wie weit es für Denver in dieser Postseason geht.
10. Sam Darnold, Seattle Seahawks
Im zweiten Jahr in Folge hat ein Team mit Sam Darnold 14 Spiele in der Regular Season gewonnen. Für die Vikings war im Vorjahr schnell Endstation, dieses Seahawks-Team fühlt sich allerdings noch eine ganze Spur robuster an.
Doch soll es hier nur um Darnold gehen. Und der wird ein faszinierender Quarterback in dieser Postseason. Mit seinem Arm kann er jeden Wurf treffen. Die Fehleranfälligkeit aber ist die große Sorge. Darnold ist ein anderer, ein reiferer und besserer Spieler, verglichen mit dem Spieler, der als Rookie in die NFL kam. Kurioserweise aber würde diese Minibeschreibung durchaus auch ein Stück weit auf die Rookie-Version von Darnold zutreffen.
Darnolds 14 Turnover Worthy Plays in der zweiten Saisonhälfte wurden nur von Shedeur Sanders, Baker Mayfield und Jacoby Brissett (alle jeweils 15) knapp übertroffen. Dem gegenüber stehen in der entsprechenden PFF-Metric nur acht Big Time Throws, also besonders schwierige Würfe des Quarterbacks. Kein Quarterback mit mindestens 250 Dropbacks in der zweiten Saisonhälfte hatte weniger.
Über die ersten neun Wochen führte Darnold in dieser Statistik die Liga mit 21 Big Time Throws an und hatte dabei lediglich fünf Turnover Worthy Plays. Aus vielen Big Plays mit wenigen Turnover-Risiken ist im Laufe der Saison also das Gegenteil geworden.
Das war über die ersten Wochen der Saison bereits ein klar ersichtlicher Drahtseilakt, bei dem man nicht erwarten konnte, dass das die ganze Saison über gutgeht. Die Frage lautete dabei immer: Wann kommt die Regression? Und wie heftig fällt die dann aus?
Genauso aber kann man jetzt die Frage stellen: Kommt die Version von Darnold, die in der ersten Saisonhälfte eine tiefe Bombe nach der anderen getroffen hat, nochmal für ein paar Spiele zurück? Sollte das passieren, wäre Seattle ohne Frage das gefährlichste Team in den Playoffs. Defenses aber haben auch gelernt, schematisch mehr Antworten auf Seattles Shot Plays zu finden, das ist sicher Teil der Problematik.
Was offensichtlich ist: Darnold unter Druck hat, nicht zum ersten Mal in seiner Karriere, eine enorme Turnover-Anfälligkeit an den Tag gelegt. Das ist die größte Gefahr für einen tiefen Playoff-Run der Seahawks.
9. Jalen Hurts, Philadelphia Eagles
Wo es letztes Jahr manchmal schwierig war, Hurts' individuelle Leistungen aus dem positiven Kontext der Eagles-Offense herauszufiltern, ist dieses Jahr Selbiges im negativen Sinne wahr.
Denn diese Eagles-Offense ist ausgesprochen schlecht designed. Ein gänzlich unkreatives Run Game, eine statische Offense mit wenig Motion und wenigen Ideen. Zu viel in der Shotgun, zu viele Routes, die zum Quarterback zurückarbeiten und Yards nach dem Catch limitieren.
Dadurch muss man einige statistisch sehr überschaubare Spiele von Hurts in den richtigen Kontext setzen. Ohne dabei allerdings den Maßstab aus den Augen zu verlieren. Hurts ist nach wie vor ein inkonstanter Passer, der noch immer manchmal zu zögerlich über die Mitte ist und dessen Pocket-Verhalten sehr limitiert wirkt. In einer Offense, die dem Quarterback wenig hilft, fällt das nur umso mehr auf.
Auf der anderen Seite kann man auch argumentieren, dass Hurts' Stärken das einzige sind, was der Offense ein Überraschungselement gibt. Seine Qualitäten als Runner, sein immer noch sehr guter Deep Ball, das Minimieren von Turnovern und Turnover-Risiken.
Wir haben gesehen, dass diese Eigenschaften die Eagles auch in den Playoffs weit bringen können - aber nur, wenn der Rest des Teams entsprechend stark gespielt hat. Defensiv habe ich da wenig Zweifel, aber offensiv wird es einige besondere Playoff-Hurts-Spiele brauchen. Immerhin: Die Qualität, in der Postseason zwei Schippen draufzupacken, hat Hurts oft genug bewiesen. Dieses Jahr wird er das noch früher abrufen müssen als im Vorjahr.
8. Caleb Williams, Chicago Bears
Ich bin großer Fan von Williams' Entwicklung im Laufe der zweiten Saisonhälfte. Er hat es geschafft, die Konstanz hochzuschrauben, er hat konstanter innerhalb der Play-Designs und innerhalb der Struktur der Offense gespielt. Das ist eine Grundvoraussetzung, um langfristig als NFL-Quarterback erfolgreich zu sein, und insbesondere mit einem Play-Caller wie Ben Johnson ist der Floor der Offense schon hoch, wenn der Quarterback verlässlich Plan A umsetzen kann.
Das war zwischenzeitlich ein schwieriges Thema. Williams zögerte vereinzelt zu lange, dann wieder verfehlte er offene Würfe. In Phasen dieser Saison ließ er definitiv zu viel liegen. Hier ist er immer noch ganz klar nicht auf dem Level, auf dem Jared Goff über die letzten beiden Jahre unter Johnson in Detroit gespielt hat. Aber der Trend ist ermutigend.
Und dann wiederum kann Williams der Offense ein Ceiling geben, wie Goff es individuell nicht kann. Williams' beste Würfe dieser Saison können mit denen von jedem anderen Quarterback mithalten. Die Laser über die Mitte, die präzisen Würfe tief aus der Bewegung heraus. Die anspruchsvollen Downfield-Pässe in enge Fenster. Die Athletik als Passer und das Armtalent.
Das waren immer Argumente für Williams. Mittlerweile sehen wir zunehmend, dass die Aspekte, die die notwendige konstante Basis in seinem Spiel schaffen, dazukommen. Ich bin sehr auf Williams' ersten Playoff-Auftritt gespannt.
7. Brock Purdy, San Francisco 49ers
Die Spiele gegen die Titans, Colts und Bears zeigten, was möglich sein kann. Fairerweise gegen schwache Defenses, aber das waren Spiele, in denen Purdy schließlich fit war, in denen die Line intakt und die Playmaker weitestgehend mit an Bord waren.
Das waren spezifisch mit Blick auf Purdy auch Spiele, in denen er seine volle Palette und seine beste Seite präsentieren konnte.
Purdy nämlich ist am besten, wenn er verlässlich und präzise In-Structure spielt, und die Big Plays, die er immer wieder auch kreiert, zusätzlich obendrauf kommen. Ersteres war in Purdys Spielen früh in der Saison nicht immer der Fall, und als er dieser "Game Manager" - positiv konnotiert! - mit kreativem Spielraum nach oben sein konnte, hatte er seine besten Spiele.
Gegen die Seahawks klappte insgesamt offensiv nicht viel, und auch Purdy gelang es nicht, die Offense in derart schwierigen Umständen dann zu tragen.
Purdy ist ein guter Quarterback mit "sehr guten" Ausreißern. In diesen Playoffs wird er an seinem absoluten Ceiling spielen müssen, damit die 49ers einen Run hinlegen können.
6. Trevor Lawrence, Jacksonville Jaguars
Ist der Trevor Lawrence, den wir seit Woche 13 sehen, die Version, die wir auch in den Playoffs bekommen? Dann könnte Jacksonville das Überraschungsteam dieser Postseason werden. Oder waren seine guten Auftritte doch eher der Tatsache geschuldet, dass es in diesem Zeitraum unter anderem gegen die Titans, die Jets und zwei Mal die Colts ging?
Immerhin: Gegen Denver konnte er in Woche 16 seine gute Form bestätigen. Das darf Hoffnung Richtung Playoffs geben.
Zwei Dinge waren in seinem Spiel über die letzten Wochen auffällig: Lawrence schraubte diese frustrierenden, ausgesprochen vermeidbaren Turnover runter, die er in der ersten Saisonhälfte entschieden zu häufig drin hatte. Und gleichzeitig gingen seine Aggressivität und der Wille, Plays auch spät im Down zu machen, deutlich hoch. Er wirkte sicherer innerhalb der Offense und scheint eine Playmaker-Gruppe gefunden zu haben, der er vertraut.
Das ist eine hochspannende Kombination. Vielleicht hat Liam Coen hier etwas aus Lawrence herausgekitzelt, ähnlich wie es Harbaugh bei Justin Herbert gelungen ist. Das würde Jacksonville dann auch einen nachhaltigen Boost geben. Denn Lawrences Fähigkeiten, was Pocket-Verhalten und das generelle Armtalent angeht, waren immer offensichtlich.
5. Jordan Love, Green Bay Packers
Jordan Love spielt eine statistisch unbestreitbar starke Saison. Für ihn endete die Regular Season mit Woche 16, zu dem Zeitpunkt stand er unter Quarterbacks auf Platz 1 in Expected Points Added pro Play, Platz 7 in Success Rate und Platz 2 in Completion Percentage Over Expected.
Und die Zahlen ergeben zumindest insofern Sinn, als dass sie Love als Spieler gut charakterisieren. Denn es ist seine Aggressivität - maßgeblich sichtbar in seinem "Completion Percentage Over Expected"-Wert -, die der X-Faktor für die Packers-Offense ist.
Green Bay ist strukturell gut darin, konstant den Ball zu bewegen. Aber der Offense fehlt dieses Jahr zu häufig das Überraschungselement. Im Run Game gibt es kaum Explosivität, und im Passing Game hängt viel eben von Loves Aggressivität als Passer ab.
Und nicht nur als Passer: Love hat in dieser Saison wieder deutlich mehr als Runner und vor allem als Scrambler gemacht, als in der vergangenen Saison. Auch das ist ein X-Faktor, den die Packers in diesen Playoffs brauchen werden.
Love ist gut genug, damit Green Bay trotz mehrerer Fragezeichen und prominenter Ausfälle auf beiden Seiten des Balls in den Playoffs ein Spiel gewinnen kann. Um einen Run hinzulegen, müsste Love über sich hinauswachsen.
4. Josh Allen, Buffalo Bills
An sich kann man das hier ganz kurz halten: Um es in den Playoffs weit zu schaffen, werden die Bills Allen in der Elite-Form brauchen, die er ohne Zweifel an den Tag legen kann. Und selbst dann könnte es eng werden. Denn auch ohne die Nemesis Patrick Mahomes im diesjährigen Playoff-Feld gibt es legitime Zweifel rund um dieses Bills-Team.
Konkret mit Blick auf die Offense betrifft das die Qualität der Pass-Catcher. Und den Punkt, dass es hier vielleicht einfach zu sehr an individueller Spitzenqualität fehlt, um einen tiefen Run hinzulegen.
Was uns wiederum zurück zu Allen bringt. Schon jetzt ist absehbar, dass er die Offense in mehreren potenziellen AFC-Matchups tragen muss. Und dazu ist er fraglos in der Lage. Dafür aber muss Allen in erster Linie bei 100 Prozent sein. Hier müssen wir abwarten, inwieweit die Fußverletzung ihn noch beeinträchtigt.
In Topform kann Allen ohne Frage der gefährlichste Quarterback in diesem Playoff-Feld sein. Als Runner ist er brandgefährlich, als Passer ebenfalls stark, hier aber fehlen im Vergleich zum Vorjahr die Big Plays. Das ist vermutlich auch ein Receiver-Problem, und umso mehr gilt: Allen wird die Offense vermutlich eher früher als später tragen müssen.
3. Matt Stafford, Los Angeles Rams
Zwei schwächere Spiele - gegen die Panthers und insbesondere in der ersten Hälfte gegen die Falcons - in der zweiten Saisonhälfte ändern nichts daran, dass Stafford eine exzellente Saison spielt. Er tut das in guten Umständen in Los Angeles, aber für den Schritt von der sehr guten zur Elite-Offense braucht es den Quarterback, der auf diesem Level spielt.
Stafford ist so gut bei Pässen über die Mitte und Downfield. Das öffnet Dinge für die Offense, es ist aber auch gewissermaßen die Grundvoraussetzung, dass McVays Offense auf diesem Level funktionieren kann. Auch wenn gleichzeitig viel von Staffords Production via Play Action kommt, diese beiden Dinge gehen in dem Fall Hand in Hand.
Stafford hat einige Limitationen, was das eigenständige Kreieren gegen Pressure und das generelle Kreieren als Runner angeht. Aber zumindest bei Ersterem wirkt er diese Saison stabiler als letztes Jahr.
Ein mobiler Quarterback kann eine entscheidende Trumpfkarte sein, gerade in den Playoffs. Stafford ist im Gegenzug unheimlich gut darin, Probleme aus der Pocket und mit seinem Arm zu lösen.
2. Drake Maye, New England Patriots
Abgesehen von Justin Herbert hat kein Quarterback seine Offense so signifikant getragen wie Maye. Hinter einer wackeligen Offensive Line, mit durchschnittlichen Playmakern und einem bestenfalls inkonstanten Run Game kreierte maßgeblich eben Maye eine Top-5-Offense.
Einerseits waren seine Big Plays ein Sinnbild für diese Qualität. Seine Downfield-Pässe waren vielleicht die besten ligaweit dieses Jahr, und das relativ selten als designte Play-Action-Shots, und dafür umso häufiger als ideal platzierte Bälle vertikal in ein Eins-gegen-eins-Matchup.
Andererseits imponierte aber fast noch mehr Mayes Entwicklung als Pocket Passer. Sein Timing und seine Pace beim Lesen einer Defense und beim Durcharbeiten seiner Progressions wirkten unerwartet reif für einen Second-Year-Quarterback. Maye fand auffällig konstant den richtigen Read und war auch deshalb meist in der Lage, Blitzing-Versuche zu bestrafen.
All das in Kombination mit dem, was er als Runner und Scrambler der Offense geben kann, sorgt für ein Gesamtpaket, auf das man in Mayes erstem Playoff-Auftritt gespannt sein darf. Und dann wird es auch wichtig sein, dass er - gerade weil die Patriots so stark von ihm abhängig sind - die Fehler auf ein Minimum hält. Das war kein großes Problem im Laufe der Saison, aber es gab Spiele, in denen seine Aggressivität mal bestraft wurde, oder in denen er zu viele Sacks kassierte, die schlicht unnötig waren. Das sollte der nächste Schritt in seiner Entwicklung sein.
1. Justin Herbert, Los Angeles Chargers
Jeder, der sich fragt, warum Herbert trotz der sehr mittelmäßigen Stats der Chargers-Offense hier auf Platz 1 steht, sollte sich das Texans-Spiel in Woche 17 anschauen. Herbert war sensationell in dem Spiel: So viele Plays, die er individuell rettete. So viele schwierige Würfe, Würfe unter Druck, schneller Druck, den er neutralisierte. Herbert holte angesichts einer hoffnungslos unterlegenen Offensive Line und mehrerer kritischer Fehler seiner Playmaker das Maximum heraus. Auch wenn der Boxscore das vielleicht nicht so wiedergibt.
Das Mismatch gegen Houstons Front war besonders eklatant. Aber es war für Herbert gleichzeitig ein Spiel, das sinnbildlich für diese Saison und insbesondere für die zweite Saisonhälfte stand: Seit Woche 10 hatte Herbert exakt ein Spiel mit einer Pressure Rate unter 39 Prozent. Die Chargers gingen schon ohne Rashawn Slater in die Saison und verloren dann noch Joe Alt, und ohne das exzellente Tackle-Duo brach die Line zusammen.
Im Kontext dieser Situation waren Herberts Aggressivität und seine schon seit letztem Jahr verbesserten Playmaker-Qualitäten absolut essenziell. Zusätzlich zu all dem, was er in der Pocket und im Lesen von Defenses macht.
Ich vermute, dass die Chargers zu große Schwachstellen um Herbert herum haben, um in den Playoffs etwas zu reißen. Aber falls es doch zu einem unerwartet tiefen Run kommen sollte, wäre Herbert mit Sicherheit der zentrale Grund dafür.