So war es sicherlich nicht geplant von Seiten der Verantwortlichen der Stuttgart Surge: Eigentlich hatte man vor der Saison mit Tomiwa Oyewo einen Running Back verpflichtet, der schon bewiesen hatte, dass er als absolutes Workhorse agieren kann und zudem auch ein äußerst talentierter Passfänger ist.
Nachdem der mittlerweile 26-Jährige 2022 bei den Allgäu Comets eine sehr gute Leistungen gezeigt hatte, wechselte er für die Premieren-Saison der Ravens nach München. Dort glänzte er mit über 1400 Total Yards und 15 Touchdowns in 12 Partien, womit er sowohl bei den Rushing Yards (1102) als auch bei den Rushing Touchdowns (14) ligaweit Platz zwei belegt hatte.
Das zweite Jahr war deutlich schwächer, wobei er aber auf noch mehr Touchdowns, insgesamt deren 17, kam. Dabei waren sie ungefähr gleichmäßig aufgeteilt auf, er kam auf acht erlaufene und neun gefangene Scores.
Surge-Neuzugang Oyewo überzeugt nur bedingt
In Stuttgart hätte er eigentlich die Rolle der offensiven Allzweckwaffe des zum Finalgegner Vienna Vikings gewechselten Yannick Mayr einnehmen sollen, wie Surge Head Coach Jordan Neuman vor der Saison im Interview mit football-world erklärt hatte: "Einer der Gedanken, als klar war, dass wir Yannick verlieren, war, dass wir einen Spieler brauchen, dem wir den Ball in die Hände drücken und ihm das Go geben, damit er großartige Sachen machen kann. Und das ist Tomy. Im ersten Jahr war er Running Back, wo er stark war. Im zweiten Jahr haben sie ihn mehr als Receiver eingesetzt und das kann er auch. Er ist da auch stark, aber wir haben ihn geholt, um unser Running Back zu sein."
Das klappte nur bedingt: In elf Spielen kam der Ire mit nigerianischen Wurzeln lediglich auf 669 Rush Yards und fünf Touchdowns sowie 166 Yards bei 15 Catches.
Allerdings fiel das bei der Surge kaum ins Gewicht. Neben Oyewo erzielten noch acht (!) andere Spieler mindestens einen Rushing Touchdown, was absolut rekordverdächtig ist.
Surge mit einem starken Running Back Room
Die meisten Rushing Attempts nach Oyewo hat Kai Hunter vorzuweisen, der vor allem in den letzten Partien immer mehr Snaps bekam und insgesamt 457 Yards und ganze zehn Touchdowns erlaufen konnte. Der 27-jährige spielt bereits seit 2023 bei den Schwaben, wobei die aktuelle Saison sicher seine erfolgreichste ist.
Surge-Gründungsmitglied Brian Yankson steuerte ebenfalls drei Touchdowns bei, wobei er vor allem in Woche 6 gegen die Cologne Centurions mit 126 Yards und zwei Touchdowns das Vertrauen seiner Coaches rechtfertigte, als der ein oder andere Leistungsträger eine Pause bekommen hatte. Beim 88:7 gegen die in allen Belangen überforderten Kölner erlief auch Running Back Micah McCullough einen seiner zwei Touchdowns.
Der junge Albert Wiesigstrauch, der 33 Läufe für 150 Yards und einen Touchdown aufweist, komplementiert den Running Back Room und wurde ebenfalls vermehrt in den letzten Partien eingesetzt. Fullback Leon Helm konnte ebenfalls einen Touchdown erzielen.
Surge setzt auf Variabilität
Die zweitmeisten Touchdowns zu Fuß holte aber Quarterback Reilly Hennessey mit insgesamt sechs. Je später im Saisonverlauf, desto mehr war ihm der unbedingte Siegeswille in seiner womöglich letzten Spielzeit anzumerken. Im Halbfinale in München warf er sich gleich zweimal ohne Rücksicht auf eigene Verluste erfolgreich in die Endzone.
Aber auch seine Vertreter durften selbst immer einmal feiern: Backup Lars Heidrich schaffte das Kunststück mit 15 Rushes auf -7 Yards zu kommen, aber eben auch einen Touchdown zu erzielen. Wide Receiver Leonell Fritzen durfte in zwei Partien als Quarterback auflaufen, brachte dabei sieben seiner elf Passversuche an - und sprintete ebenfalls selbst für seinen einzigen Saisontouchdown in die ungarische Endzone.
Stuttgart ist also äußerst breit aufgestellt, was Running Backs und erfolgreiche Läufe ihrer anderen Spieler angeht, auch wenn man mit insgesamt 1805 erlaufenen Yards nur Platz neun der Liga belegt.
Weniger gefährlich macht das die Schwaben im Championship Game am Sonntag sicher nicht, aber durch die Vielzahl an erfolgreichen Ballträgern im Saisonverlauf sind sie deutlich weniger ausrechenbar, was die Vikings durchaus vor Probleme stellen dürfte.
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