Nick Saban, der legendäre Ex-Coach der Alabama Crimson Tide und heutige ESPN-Analyst, zeigt sich wenig überrascht über die jüngste Entlassungswelle im College Football. Schon neun FBS-Programme haben in dieser Saison ihre Head Coaches vorzeitig gefeuert - sechs davon aus Power-4-Conferences.
Für Saban ist das eine direkte Folge des veränderten Machtgefüges im College-Sport. "Ich bin nicht überrascht", sagte Saban. "Jeder sammelt Geld, um Spieler zu bezahlen. Und die Leute, die dieses Geld geben, glauben, sie hätten dadurch eine Stimme. Wenn sie frustriert sind, üben sie Druck auf die Athletic Directors aus und die reagieren. Das ist die neue Realität."
Millionen-Deals und Millionenschulden
Die Zahlen sprechen für sich: Allein die neun betroffenen Universitäten schulden ihren ehemaligen Coaches laut ESPN rund 116 Millionen Dollar an Abfindungen. Prominente Beispiele sind Billy Napier (Florida, rund 21 Millionen Dollar) und James Franklin (Penn State, 49 Millionen Dollar). Nur der legendäre Jimbo Fisher erhielt mit seinem Rekord-Buyout von 76 Millionen Dollar noch mehr Geld nach seiner Entlassung 2023 bei Texas A&M.
Der 73-Jährige nannte den Umgang mit Franklin "unfair". Der frühere Penn-State-Coach hatte sein Team mehrfach in große Bowl Games geführt und war zu Saisonbeginn auf Platz zwei im Ranking gestartet. "Er hat diese Erwartungen selbst geschaffen, weil er erfolgreich war", sagte Saban in der ESPN-Sendung College GameDay. "Aber dass die Leute keine Wertschätzung zeigen für seine Arbeit - das ist einfach unfair."
"Nicht mehr gut für die Entwicklung"
Für Saban sind die aktuellen Strukturen mit NIL-Deals und Revenue Sharing zwar vorteilhaft für die Lebensqualität der Spieler, aber schädlich für ihre sportliche und persönliche Entwicklung. "Wir müssen ein System finden, das das Leben der Spieler verbessert, aber trotzdem das Richtige betont - Entwicklung, Bildung, Charakter", forderte er.
Auch jenseits der bisherigen Entlassungen steht die Coaching-Landschaft unter Druck. Florida State prüft derzeit die Zukunft von Mike Norvell, dessen Buyout bei 54 Millionen Dollar liegt, während Wisconsin-AD Chris McIntosh Coach Luke Fickell öffentlich das Vertrauen aussprach. Namen wie Hugh Freeze (Auburn), Dabo Swinney (Clemson) oder Brian Kelly (LSU) tauchen ebenfalls auf den heißen Stühlen des College Footballs auf.
Saban fasst zusammen: "Das System hat sich verändert - nicht unbedingt zum Guten. Die, die das Geld geben, haben nun das Sagen."