Hallo Herr Seamon, wenn Sie auf das vergangene Jahr zurückblicken - Sie haben im Finale gegen denselben Gegner gespielt und knapp verloren. Was waren Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für die Niederlage und was wollen Sie diesmal anders machen?
Nun, der Hauptgrund für die Niederlage ist: Sie sind einfach sehr, sehr gut. Sie haben in drei Jahren insgesamt nur zwei Spiele verloren und sind zweifacher Titelverteidiger - also wirklich ein starkes Team. Ich fand, dass sich unsere Leistung gegen sie vom regulären Saisonspiel bis hin zum Finale deutlich verbessert hat. Wir haben 27:21 verloren und standen 16 Yards davon entfernt, die Chance zu haben, das Spiel auszugleichen oder sogar in Führung zu gehen. Ich denke, jedes Jahr ist anders. Ihr Team ist ein bisschen anders. Sie haben andere Quarterbacks, genauso wie wir. Wir haben andere Receiver. Ich sehe sie als eine große Herausforderung. Ganz einfach gesagt: Wir müssen unseren Quarterback besser beschützen als im ersten Spiel in dieser Saison. Wir sind eine gute Offense, aber wir sind am besten, wenn unser Quarterback nicht ständig unter Druck steht. Und wir müssen verhindern, dass sie die tiefen Pässe und leichten Big Plays bekommen, die sie im ersten Spiel gegen uns hatten.
Verganges Jahr gab es viel Kritik an Ihrem Clock Management und Play Calling. Was haben Sie und Ihr Trainerteam seitdem getan, um sich in diesen Bereichen zu verbessern?
Nun, ich bin mir nicht sicher, was genau diese Kritik gewesen sein soll. Wir haben das Finale 27:21 verloren und standen kurz davor, auf der 16-Yard-Linie noch einmal zu punkten. Ich bin also nicht unzufrieden mit den Spielzügen oder der Art, wie das Team gespielt hat. In jedem Spiel gibt es Momente, in denen man denkt: "Das hätte man vielleicht anders machen können." Aber im Großen und Ganzen müssen wir einfach auf einem höheren Niveau spielen.
Früher in dieser Saison, im September, haben Sie bereits gegen Potsdam gespielt und 6:31 verloren. Was lief in diesem Spiel schief, und was sind die Anpassungen für das Finale?
Wie gesagt, das Problem in diesem Spiel lag vor allem offensiv daran, dass wir unseren Quarterback nicht ausreichend beschützen konnten. Er stand ständig unter Druck, wurde mehrfach gesackt, und wir konnten das Laufspiel nicht konstant etablieren. Unser Spiel an der Line of Scrimmage - also unsere Blocking-Arbeit - ist der Schlüssel, um sie zu schlagen. Gegen sie hat in dieser Saison kaum jemand viele Punkte erzielt. Das liegt an der Schnelligkeit und Stärke ihrer Defensive Line und Linebacker, sie sind wirklich stark. Wir werden ein paar neue Blocking Schemes ausprobieren und besonders auf Nummer 97 (Ethan Hurst, Anm d. Red.) achten - ihren Pass Rusher, der die Liga in Sacks angeführt hat. Defensiv haben wir im ersten Spiel einiges gut gemacht, aber wir haben drei lange Passspielzüge zugelassen - meist durch einfache Abstimmungsfehler in der Coverage. Diese Fehler können wir korrigieren. Daran haben wir vergangene Woche intensiv gearbeitet und werden das auch diese Woche tun.
Sie haben viel über Ihre Offense-Line und die Potsdamer Defense gesprochen, aber was ist mit deren Offense? Wie können Sie sie stoppen?
Der Schlüssel, sie zu stoppen, ist, ihren Quarterback unter Kontrolle zu halten. Sie haben zwei, aber Xavier, der zuletzt meist gespielt hat, ist ein sehr guter Läufer. Das ist doppelt schwierig: Man muss ihn als Runner stoppen und gleichzeitig die tiefen Passversuche im Blick behalten. Das erfordert eine geschlossene Teamleistung aller elf Verteidiger. Jeder muss genau da sein, wo er hingehört. Und unsere Jungs werden das umsetzen. Sie haben sehr gut trainiert, und ich gehe davon aus, dass wir eine starke Defense-Leistung zeigen werden.
Ich kann mir vorstellen, dass es kompliziert ist, sich auf zwei verschiedene Quarterbacks vorzubereiten. Es ist ja eher ungewöhnlich, dass ein Team wie Potsdam zwei verschiedene Spielmacher nutzt.
Ja, aber sie ändern ihr Spiel dabei nicht dramatisch. Es ist nicht so, dass sie plötzlich eine völlig andere Offense spielen. Jeder Quarterback hat aber eigene Stärken, und wenn man das Filmmaterial studiert, kann man recht gut antizipieren, was der eine anders macht als der andere.
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Wir haben schon über Ihre Offense gesprochen - mit neuen Receivern und verändertem Personal im Vergleich zum Vorjahr. Ihre Offense wirkt insgesamt stärker, erzielt fast 100 Yards mehr pro Spiel. Was hat sich besonders verbessert: Sind die Spieler besser geworden oder was hat sich geändert?
Ich denke, wir haben mit Tyler Hudson einen dominanten Receiver, der die Liga in Punkten und Touchdowns angeführt hat - das macht einen großen Unterschied. Aber auch unser Quarterback Justin Miller bringt viel Erfahrung mit. Er ist sehr intelligent und wirft extrem präzise. Wir geben ihm viel Verantwortung und Kontrolle an der Line of Scrimmage, weil er das aufgrund seiner Erfahrung und Spielintelligenz sehr gut handhaben kann.
Und dann ist da noch unser Running Back Tofunmi Lala, der, glaube ich, auf Platz zwei bei den Touchdowns liegt. Er ist unglaublich schnell. Wenn wir ihn über die Line of Scrimmage bekommen, produziert er viele Big Plays. Das ist uns im ersten Spiel gegen Potsdam nicht gelungen, und genau daran arbeiten wir jetzt. Wir müssen "Tof", wie wir ihn nennen, in Position bringen, damit er Räume in der gegnerischen Defense findet.
Ich möchte über Sie sprechen. Sie haben viel NFL-Erfahrung, waren bei den Cincinnati Bengals, Cleveland Browns und Dallas Cowboys. Wie hilft Ihnen diese Erfahrung in solchen Momenten?
Ich glaube, es gibt viele gute Coaches in dieser Liga. Erfahrung hilft einem, das Spiel mit mehr Weitblick zu sehen und zu erkennen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen und wie man dieses Wissen anwenden kann. Wie kann man das, was man am besten kann, noch stärker betonen, und wie kann man eventuelle Schwächen kaschieren? Das ist der Vorteil dieser Erfahrung.
Wie besonders ist es, das Finale im eigenen Stadion zu spielen? Und wie sehr motiviert Sie das, den Titel nach Dresden zu holen?
Das ist wunderbar und definitiv eine zusätzliche Motivation, aber es geht über das Team hinaus. Wir haben hier eine fantastische Fangemeinde. Sie reisen überall in Deutschland mit uns mit. Dank ihnen haben wir dieses Jahr - wie auch vergangenes Jahr - die Liga bei den Zuschauerzahlen angeführt. Das ist also eine großartige Belohnung für sie. Ich finde auch, dass es ein schönes Zeichen für den Football im Osten Deutschlands ist. Vergangenes Jahr waren die beiden besten Teams Potsdam und Dresden, aber wir mussten in Essen spielen - das war für viele Fans zu weit. Dieses Jahr wird das Stadion voll sein - sicher viele Dresdner, aber auch einige Potsdamer Fans. Es wird ein großartiger Tag für den Football in dieser Region, und ich freue mich, dass beide Teams ihre Fans dabei haben können.
Sie haben die Zuschauer schon angesprochen. In Dresden wird ein Rekordpublikum erwartet. Bereiten Sie Ihr Team irgendwie speziell auf die Atmosphäre und die Lautstärke vor?
Ja, wir haben viel darüber gesprochen. Bei einem großen Teil unserer Trainingseinheiten spielen wir sehr laute Musik - ausgesucht von den Spielern selbst. So versuchen wir, die Geräuschkulisse eines vollen Stadions zu simulieren. Bei der Pressekonferenz gestern hat Potsdam erwähnt, dass sie ebenfalls trainieren, um trotz des Lärms kommunizieren zu können. Es ist also ein Luxusproblem, dass so viele Fans da sein werden, dass der Lärm sogar störend sein könnte. Aber das nehmen wir gerne in Kauf.
Haben Sie noch eine Botschaft an die Dresdner Fans und wagen Sie eine Prognose fürs Spiel?
Eine Punktprognose gebe ich sicher nicht ab. Wir wollen einfach so gut wie möglich spielen und mit mindestens einem Punkt Vorsprung gewinnen. Ich bin in den sozialen Medien sehr aktiv, und die Fans wissen genau, wie sehr ich sie schätze. Sie sind loyal, laut und leidenschaftlich. Und wir wollen nichts lieber, als den Titel nach Dresden zu holen - in Dresden.