Overtime, alles steht auf dem Spiel - und ein Ball entscheidet über eine ganze Saison. Im Divisional-Krimi zwischen den Bills und Broncos sah es zunächst nach dem Big Catch aus, der Buffalo in Field-Goal-Reichweite bringt. Sekunden später hatte Denver den Ball in der Hand - Interception. Seitdem geht eine Frage durch die Liga: War das ein geraubter Catch oder doch der korrekte Call?
Der Moment, in dem das Spiel kippte
Die Szene hatte alles, was ein "Season-on-the-line"-Play braucht: Overtime, 3rd & 11, die Bills sind kurz vor der Mittellinie - ein Field Goal hätte zum Sieg gereicht.
Josh Allen wirft tief über die rechte Seite auf Brandin Cooks. Der Receiver steigt im Duell mit Cornerback Ja’Quan McMillian hoch, packt den Ball mit beiden Händen und kommt zu Boden. Für einen Augenblick wirkt es wie genau der Catch, der Buffalo in Field-Goal-Reichweite bringt.
Doch im Fallen rutscht der Ball aus Cooks’ Kontrolle. Plötzlich hat McMillian das Leder an sich gerissen und läuft mit Ball in den Armen jubelnd vor die eigene Endzone. Die Schiedsrichter entscheiden ohne Zögern: Turnover - Interception Denver.
Die Broncos übernehmen, marschieren anschließend in Field-Goal-Reichweite und gewinnen das Spiel in der Overtime. Was für Denver wie eine Märchengeschichte im eigenen Stadion wirkt, war für Buffalo ein Moment, der sich wie ein gestohlenes Spiel anfühlt.
Warum die Referees auf Interception entschieden haben
Im offiziellen Pool-Report nach dem Spiel erklärte Referee Carl Cheffers, wie die Crew die Szene regeltechnisch bewertet hat. Cheffers machte deutlich: Entscheidend sei nicht, ob Cooks den Ball kurz kontrolliert hatte - sondern ob er den Catch vollendet hat.
Sein zentraler Satz dazu: "Der Receiver muss den kompletten Catch-Prozess abschließen." Cooks sei "im Zuge dieses Catch-Prozesses" zu Boden gegangen und habe den Ball beim Bodenkontakt verloren. In diesem Moment habe der Verteidiger die Kontrolle übernommen - und den Prozess sozusagen zu Ende gebracht.
Der Referee erklärte es sinngemäß so: "Der Verteidiger hat ab diesem Punkt Ballbesitz erlangt. Er war derjenige, der den Catch-Prozess abgeschlossen hat - deshalb wurde ihm der Ball zugesprochen."
Wichtig: Cheffers stellte außerdem klar, dass der Ball nicht den Boden (!) berührt habe. Das sei im Replay bestätigt worden - weshalb der Call nicht nur "stehen blieb", sondern auch nach Review aus New York als "confirmed" gewertet wurde.
Die TV-Erklärung: Warum das kein normaler "Drop" ist
NFL-Rules-Analyst Walt Anderson ging in der TV-Erklärung bei NFL GameDay in die gleiche Richtung - nur etwas verständlicher auf den Kern heruntergebrochen:
"Cooks geht beim Catch zu Boden. In dem Moment, in dem er den Boden berührt, wird der Ball sofort lose. Wäre der Ball dann auf dem Boden gelandet, wäre es ein unvollständiger Pass."
Der entscheidende Punkt hier: Der Ball berührte nie den Boden. Und genau dadurch entsteht überhaupt erst die Möglichkeit, dass aus "fast Catch" plötzlich ein Turnover wird - weil der Verteidiger den freien Ball kontrolliert, bevor das Play beendet ist.
Buffalo kocht: McDermott nennt es einen klaren Catch
Auf Bills-Seite war die Reaktion entsprechend heftig. Head Coach Sean McDermott hielt sich nicht zurück und stellte sich komplett hinter seine Offense: "Dieser Spielzug ist nicht einmal ansatzweise knapp. Das ist ein Catch - ganz klar."
McDermott kritisierte außerdem, dass solche Situationen in der Kommunikation oft zu wenig transparent wirken und forderte mehr Klarheit in der Erklärung direkt auf dem Feld.
Catch-Regel 2026: Warum es sich falsch anfühlt - und trotzdem "passen" kann
Die Diskussion nach dem Spiel zeigt vor allem eins: Mehrere Perspektiven können gleichzeitig nachvollziehbar sein. Aus Broncos-Sicht: Denver macht das, was in den Playoffs Spiele gewinnt: Sie kämpfen bis zum Ende des Plays, sichern den Ball - und schlagen zu, sobald der Gegner einen Fehler macht. Punkt.
Aus Bills-Sicht: Cooks hat den Ball gefangen, kommt runter, wirkt im Besitz des Leders - und Buffalo verliert ein Spiel wegen einer Millisekunde Chaos. Das fühlt sich an wie ein weggenommener Catch.
Aus neutraler Sicht: Der Call kann regeltechnisch erklärbar sein - aber genau das ist das Problem. Denn die Catch-Regel dreht sich längst nicht mehr nur um "hat er ihn gefangen oder nicht", sondern um Prozess, Kontrolle, Bodenkontakt, Überleben des Kontakts - und Sekundenbruchteile, die ein Spiel komplett drehen können.
Die Quintessenz
Am Ende bleibt dieser Spielzug ein Paradebeispiel dafür, wie brutal die NFL sein kann: Ein Catch, der wie der größte Moment des Spiels aussieht, wird im nächsten Augenblick zum Season-Ending-Turnover. Die Broncos nehmen den Sieg mit - und die Bills bleiben mit einer bitteren Frage zurück: War das unser Fehler…oder wurde uns ein Catch weggenommen?
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