Fehlercode: %{errorCode}

Cavaliers in der Sinnkrise: Sollte das nicht der Favorit im Osten sein?

kicker

Es war abzusehen, dass sich die Leute im NBA-Osten an ein paar neue Gesichter würden gewöhnen müssen. Finalist Indiana und Vorjahres-Champ Boston wurden jeweils durch Achillessehnenrisse eliminiert, bevor die Saison überhaupt begann. Anderswo gab es Potenzial, aber auch Fragezeichen.

Wenigstens auf zwei etablierte Teams schien jedoch Verlass - sie sollten die Conference zumindest mal anführen. Nur eins davon hält sich bisher jedoch an diese Absprache, gewann in der Nacht auf Mittwoch den NBA-Cup und tritt auf wie das Team, das es im Osten zu schlagen gilt.

Das andere? Nutzte dieselbe Woche, um ein 48-Punkte-Spiel seines besten Spielers zu brauchen, um die mächtigen Wizards geradeso niederzuringen, und verlor dann zuhause nach Verlängerung (punktlos!) gegen die Hornets, ehe eine deutliche Pleite bei den Bulls folgte. Die bereits siebte aus den letzten zehn Spielen.

Die Saison der Cavaliers ist noch nicht gelaufen, noch lange nicht. Es gibt Gründe dafür, warum das Team, das im Vorjahr 64 Siege holte, gerade bei 15-13 rumdümpelt. Es ist andererseits aber auch nicht alles damit zu erklären, dass die Mannschaft selten bis nie so richtig fit und vollständig zu sein scheint.

Die aktuelle Tabelle der NBA

Es könnte sein, dass Cleveland in seiner jetzigen Version auf einen Breaking Point zurast. So wie zuletzt darf es in jedem Fall nicht weitergehen. "Ich kann es verstehen. Ich war auch mal ein Fan", sagte Donovan Mitchell, nachdem die Cavs nach dem Hornets-Spiel ausgepfiffen wurden. "Ich würde uns gerade auch ausbuhen."

Wo ist das Beautiful Game?

Es ist dabei nicht so, dass die Cavs auf einmal ein schlechtes Team wären. Der 12-6-Start war zwar nicht vergleichbar mit dem 15-0-Start der Vorsaison, aber doch ordentlich - seither jedoch haben sich Probleme, die von Beginn an schon da waren, nur weiter verschärft, der Rhythmus scheint Cleveland fast komplett abhandengekommen zu sein.

Die Offense ist noch immer recht gut - aber weit entfernt von der "Beautiful Game"-Maschine aus dem Vorjahr, die fast das ganze Jahr über rekordverdächtige Effizienz produziert hatte. Cleveland nimmt noch immer sehr viele Dreier, trifft sie aber viel (!) schlechter als im Vorjahr, mit derzeit Orlando-haften 34% (Platz 28) statt vorher 38 (Platz 2).

Das mag ein Ausreißer sein, der sich mit der Zeit einpendeln wird. Zum Teil scheint aber auch der Fluss dazu beizutragen. Die Cavs wirken weniger dynamisch, zeigen weniger Spielwitz, tun sich schwerer damit, gute Würfe herauszuspielen. Die im Vorjahr beste Halbfeld-Offense der Liga ist derzeit nur mittelmäßig, und das, obwohl Mitchell sein bestes Karriere-Jahr hinlegt.

30,7 Punkte erzielt Mitchell mit der besten Effizienz seiner Laufbahn - ein krasser Kontrast zu 24/25, als er weniger warf als in jeder Saison seit seinem Rookie-Jahr. Bewusst, weil er für die Playoffs frischgehalten werden sollte. Derzeit bekommt Cleveland eher die andere, die Hero-Ball-Version Mitchells zu sehen. Weil die Alternativen fehlen.

Garland nur ein Schatten seiner selbst

Evan Mobley hat offensiv nicht den erhofften nächsten Schritt gemacht, sondern stagnierte eher, bevor er sich kürzlich an der Wade verletzte (zwei bis vier Wochen Pause sollen es werden). Stagnation ist indes noch besser als das, was bei den beiden anderen Säulen des "Star"-Quartetts passiert.

Jarrett Allen hat mit Verletzungen an beiden Händen bisher elf Spiele verpasst. Auch wenn er zur Verfügung steht, scheint sein Stellenwert etwas geschrumpft zu sein; mehrfach beorderte ihn Kenny Atkinson in Crunchtimes schon auf die Bank, seit seinem Rookie-Jahr spielte Allen nicht mehr so wenige Minuten (26). Nach Mobleys Ausfall muss sich dies eigentlich ändern, gegen Charlotte allerdings sah Allen trotz Overtime bloß 23 Minuten und in der Schlussphase ließ Atkinson fast komplett klein spielen.

Das größte Sorgenkind ist Allen indes auch nicht. Diesen Status hat Darius Garland inne. Der Point Guard hat erst zwölf Spiele absolviert, in diesen Partien war er in der Regel ein Schatten seiner selbst. Die Zehenverletzung aus den letztjährigen Playoffs macht ihm immer noch zu schaffen, nur selten taucht der Spieler auf, der 2025 zum zweiten Mal All-Star wurde.

Garland ist zwar auch in Bestform nicht der beste Spieler der Cavs - aber der kreativste, der am meisten für Flow und Tempo in der Halbfeld-Offense steht, der sich spielerisch leicht Richtung Zone manövriert und auch Spielern wie Allen immer wieder leichte Abschlüsse serviert. Dieses Element fehlt, erst recht, da die letztjährige Deluxe-Mikrowelle Ty Jerome auch nicht mehr da ist.

Viel zu volles Lazarett

Das ist auch nicht alles, was fehlt. Max Strus, der vielleicht wichtigste Wing des Teams, hat in der Saison noch gar nicht gespielt. Edel-Shooter Sam Merrill fehlt wochenlang. Der Fit von De’Andre Hunter mit den anderen Startern wirkt nicht ganz so sauber, wie das im vergangenen Februar beim Trade für ihn erwartet wurde (gegen Chicago gab er erstmals den Sixth Man).

Vielleicht müssen die Cavs nur gesund werden - so die optimistische Sichtweise. Vielleicht müssen nur Würfe fallen. "Wir haben so viel Talent, spielen hart, spielen richtig, da ist es so frustrierend, dass die Bälle nicht reingehen, die normalerweise reingehen würden", sagte Dean Wade. "Ich glaube, das frustriert uns am meisten: Wir machen eigentlich alles richtig."

Vielleicht spielt auch das Selbstvertrauen eine Rolle, wie Allen spekulierte. "Wir wissen, dass wir all diese Fähigkeiten haben, aber manchmal lassen wir uns selbst hängen. Manchmal stellt man sich in Frage. Ich denke, es wäre gut für uns, wenn wir wie im letzten Jahr an den Punkt kommen, dass wir uns nicht in Frage stellen oder darüber nachdenken, wie weit wir kommen können."

Vielleicht liegen die Probleme auch etwas tiefer. Nicht zum ersten Mal wirkt es derzeit, als reagiere das Team (Mitchell ausgenommen) nicht mit dem nötigen Trotz auf eine schwierige Situation. Mit hängenden Köpfen statt mit der letzten Entschlossenheit.

Teurer Kader, wenig Erfolg - wie geht es weiter?

Es ist kein Geheimnis, dass die Cavs unter großem Druck in diese Saison gingen. Nach der 64-Siege-Saison flog Cleveland bekanntlich enttäuschend (und wiederum mit vielen Verletzungen) in der zweiten Runde gegen Indiana aus den Playoffs, in der aktuellen Saison sind die Cavs erstmals ein Second-Apron-Team, also sündhaft teuer.

Sie werden noch teurer, es wird künftig also noch schwerer, dieses Team zu verbessern oder auch nur zusammenzuhalten. Allein für diese Saison steht den Cavs eine Luxussteuer-Rechnung von fast 164 Millionen Dollar ins Haus. Gemessen daran hat dieser Kern bisher schlichtweg viel zu wenig erreicht, insbesondere in der Postseason.

Es ist entsprechend kein Wunder, dass anderswo bereits über mögliche Trades spekuliert wird. Über Garland, über Allen - zumal die "zwei kleine Guards und zwei Bigs, die kaum oder gar nicht werfen"-Kombination von Anfang an eine ungewöhnliche war, die in der Postseason noch nicht die erwünschten Resultate produziert hat.

Wie lange hält die Geduld?

Nur darum geht es in Cleveland, eigentlich. Weshalb die derzeitige Situation, so unangenehm sie auch ist, gleichzeitig keine Tragödie sein muss; es bleibt ja theoretisch noch Zeit, den Rhythmus zu finden, gesund zu werden. Was zählt, sind die Resultate im Frühling - die derzeitigen Hundstage müssen letztendlich einfach überstanden werden.

"Es hat niemand Mitleid mit uns", sagte Mitchell. "Ich hätte auch kein Mitleid mit uns. Ich weiß, dass es gerade wolkig ist, dass es dunkel ist. Aber solange wir es schaffen, im Locker Room zusammenzuhalten, werden wir schon zurechtkommen."

Durchhalteparolen wie diese sind nicht das, was man von einem Contender im Dezember hören möchte, prinzipiell hat Mitchell jedoch recht. Die Uhr tickt zwar für dieses Team und insbesondere seine Stars. Sie ist aber noch nicht abgelaufen.

NBA: So steht es in den Conferences

Folge basketball-world.news auf Instagram