Phoenix Suns
Im Sommer entledigten sich die Suns aller Erwartungen und haben plötzlich wieder Spaß. Um theoretisch doch irgendwie mögliche, tiefe Playoff-Runs geht es nicht mehr - und dennoch gewinnt Phoenix verlässlicher als erwartet. Zuletzt kamen die Suns etwas ins Stocken, was allerdings auch am in den vergangenen Wochen komplizierten Spielplan liegt, den sie am Ende besser meisterten als gedacht. Phoenix gewann gegen Schwächere und schob sogar Siege gegen Minnesota, San Antonio und die Lakers ein. Es hat sich etwas getan.
Die Suns spielen hart, kompromisslos, klauen häufiger den Ball als jedes andere Team (10,8 Steals pro Spiel) und geben sich so (fast) immer eine Siegchance. Einerseits liegt das an Dillon Brooks, dem sie Rockets zu seiner Rückkehr ins Toyota Center sogar ein Tribute Video widmeten, während alle betonten, wie wichtig er für die Entwicklung des jungen Teams gewesen sei. Nun geht er in Phoenix voran.
Andererseits funktioniert auch das System von Neu-Coach Jordan Ott. Sowohl beim Offensive- als auch beim Defensive Rating liegen die Suns in Reichweite der Top Ten. Das schafft eine gesunde Basis. Bleibt zu hoffen, dass Topscorer Devin Booker mit seiner Leistenverletzung nicht zu lange ausfällt.
Collin Gillespie
Ein Energizer von der Bank steht jedem Team - das weiß die Liga nicht erst, seit TJ McConnell massiven Einfluss auf den Finals-Run der Pacers nahm. In Phoenix übernimmt die Rolle seit dieser Saison einer, der seine Fähigkeiten in seinen beiden NBA-Jahren zuvor immer wieder aufblitzen ließ, der jedoch selten das ganz große Vertrauen erhielt. 9,4 bzw. 14 Minuten stand Collin Gillespie vor dieser Spielzeit im Schnitt auf dem Court. Jordan Ott gibt ihm nun 26,9 Minuten. Weil es funktioniert.
Der Guard setzt Defenses unter Druck, ist regelmäßig schwer zu greifen, spielt effizient. 44,2 Prozent seiner Würfe aus dem Feld, 42,6 Prozent seiner Dreier streichelt Gillespie durch den Ring, dazu verteilt er 4,9 Assists. Seine Effective Field Goal Percentage (57,8 Prozent) zählt zu den besten unter Point Guards, dazu trifft er 68 Prozent seiner Dreier aus der Ecke. Perfekt für einen, der die Scorer seines Teams komplimentieren soll.
Reed Sheppard
Nicht, dass Fred Van Vleets Saisonaus plötzlich locker zu verkraften wäre. Reed Sheppard hat den Fall dennoch abgefedert; indem er die Hoffnungen, die die Rockets vor Saisonstart in ihn setzten, in die Realität übersetzt. Einem Team, dem es auch mit Kevin Durant massiv an Schützen mangelt, schenkt Sheppard im zweiten Jahr einen unglaublich effizienten Scorer. 44,6 Prozent seiner 5,8 Dreier pro Spiel trifft der Guard. Doch damit nicht genug.
Sheppards Effective Field Goal Percentage von laut Cleaning the Glass 60,8 Prozent spült ihn in die absolute Combo-Guard-Elite. Auch, weil er von nahezu überall auf dem Feld fast elitär trifft. Kurze Mitteldistanz. Dreier aus der Ecke. Distanzwürfe. Überall zählt Sheppard zu den effizientesten Combo-Guards. Defensiv provoziert sein Mangel an Größe andere Teams zwar dazu, Houstons Guard permanent zu attackieren. Mit Blick auf die Playoffs womöglich ein Problem. Gleichzeitig verteidigt Sheppard hart und hat zudem schnelle Hände sowie ein gutes Gespür für den Ballklau. Immer wieder schnellt er in Passwege oder greift von hinten zu und sichert sich pro Spiel so 1,6 Steals. Seine Steal-Percentage von 2,6 Prozent ist ebenfalls elitär.
Jalen Johnson
Wie würden sich die Hawks ohne Trae Young schlagen? Vorstellbar war vieles - am Ende wurde es der Mittelweg. Weder dominiert Atlanta noch schmiert das Team ab. Ingesamt etablierte sich jedoch ein egalitärer Stil mit viel Ball- und Spielerbewegung, in dem jeder seinen Beitrag leistet. Vor allem Jalen Johnson. Dass der Forward riesiges Potenzial mit sich herumträgt, illustrierten bereits die vergangenen beiden Jahre. Gerade lebt er es voll aus.
Johnson spielt minimal weniger als letzte Saison, steigert seinen Punkteschnitt dafür von 18,9 auf 23,4 Zähler. Der Flügel darf mehr machen, wurde gleichzeitig deutlich effizienter und scort in diesem Jahr auf drei Ebenen. Sowohl aus der Mitteldistanz als auch am Ring und von draußen zählt er zu den effizientesten Forwards. Doch damit nicht genug. Giannis Antetokounmpo assistiert als einziger Forward häufiger erfolgreichen Würfen von Mitspielern (7,9 Assists). Dazu greift sich Johnson 10,5 Rebounds. Mit ihrem Forward sind die Hawks ein ungleich besseres Team als ohne ihn.
San Antonio Spurs ohne Wembanyama
Sein letztes Spiel vor seiner eventuellen Rückkehr im NBA-Cup Viertelfinale gegen die Lakers absolvierte Victor Wembanyama am 15. November. Stephon Castle - der Point Guard spielte bereits gegen die Pelicans wieder - erwischte es wenige Tage später. Für rund drei Wochen fehlte nicht nur der Beste, zusätzlich vermisste San Antonio einen seiner wichtigsten Passer und Agitatoren, der Defenses mit seinem Zug zum Korb unter Druck setzt. Ohne Castle, vor allem ohne Wemby müssten die Spurs doch eigentlich abreißen lassen im Rennen um den Heimvorteil im Westen. Sie gewannen sieben ihrer letzten zehn Spiele.
Günstigerweise kehrte De’Aaron Fox bereits kurz vor Wembanyamas Verletzung zurück und lenkt seither die Offense (25 Punkte, 49,2 Prozent FG, 37,8 Prozent 3FG, 6,5 Assists). Vor allem ist der Point Guard jedoch nicht allein. Devin Vassell trifft rund 40 Prozent seiner Dreier und hat sich als viertbester Scorer des Teams etabliert. Harrison Barnes bleibt ebenfalls gefährlich von draußen. Luke Kornet gibt der Defense Länge, Julian Champagnie dem Team einen werfenden und verteidigenden Flügel. Auch Nummer-2-Pick Dylan Harper knüpft nach seiner Verletzungspause an die positiven Eindrücke der frühen Saisonphase an und versenkte gegen New Orleans sogar einen Gamewinner. So wirken die Spurs maximal gefährlich, sobald Wembanyama und Castle erst einmal zurückkehren.
Miami Heat
Miami stand in den vergangenen Jahren nicht unbedingt für innovativen, aufregenden Offensivbasketball - bis Coach Erik Spoelstra über den Sommer beschloss, Vergangenes der Vergangenheit zu überlassen und alles einfach mal ganz anders zu gestalten. Seither rennen die Heat. Und rennen. Und rennen. Kein Team spielt schneller als Miami, kaum eines attackiert gnadenloser. Statt auf Blöcke und Pick-and-Rolls setzen die Heat auf den Drive und unter ihm zusammenbrechende Defenses.
Wochenlang waren sie damit eines der besten Teams im Osten. Auch weil Jaime Jaquez Jr. der Ansatz entgegenkommt und Norman Powell noch einen auf seine bereits beeindruckende vergangene Saison bei den Clippers draufpackte und in Miami spielt wie ein All Star. Noch so eine Überraschung. Zuletzt verlor Miami vier Mal in Folge, darunter gegen Dallas und Sacramento. Sein neuer Stil könnte jedoch auch weiter darüber hinwegtäuschen, dass andere Teams offensiv womöglich talentierter sind.
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Ryan Rollins
Vom Gedanken an einen überdurchschnittlichen Point Guard schienen sich die Bucks nach Damian Lillards Entlassung vorerst verabschiedet zu haben. Dann kam Ryan Rollins. Als Playmaker, der in vier Jahren NBA zuvor nie mehr als 15 Minuten im Schnitt gespielt hatte, sprintete der Point Guard als Starter in die Saison. 44,4 Prozent seiner Dreier traf er im Oktober, immer noch 39,2 Prozent im November. Rollins gliederte sich neben Giannis ein und lenkte Milwaukees Offense mit (6 Assists im Schnitt). Seinen Punkteschnitt hob er von 6,2 im Vorjahr auf 17,5 an. Im Dezember gingen die Zahlen ein wenig zurück, mit Rollins auf dem Feld erzielen die Bucks laut Cleaning the Glass pro 100 Ballbesitze dennoch 4,7 Punkte mehr.
Tyrese Maxey
Dass Tyrese Maxey gut ist, ließ sich über die vergangenen Jahre in etwa so gut geheim halten wie Nikola Jokics Händchen für den Pass. Aber dass Maxey so absurd gut sein kann? Der gute Start der Sixers, die Hoffnungen auf eine direkte Playoff-Qualifikation. All das liegt zu großen Teilen am Point Guard. Joel Embiid mag wieder (unregelmäßig) spielen, auch Paul George und Jared McCain sind zurück, doch Maxey trägt das Team. Seine Offense, sein Spiel entscheidet, wie weit es für die Sixers geht.
Mit Maxey auf dem Court ist Philly's Point Differential laut Cleaning the Glass auf 100 Ballbesitze gerechnet um 10,7 Punkte besser - was auch auf den nächsten großen offensiven Sprung des Playmakers zurückzuführen ist. Maxey macht nicht zwingend mehr als vergangene Saison - statt 21 nimmt er 22,9 Würfe, statt 9,2 Dreiern, 9,4 Dreier, seine Usage ging sogar leicht zurück -, was er macht, macht er jedoch nachdrücklicher, effizienter.
Rund 46,7 Prozent seiner Würfe und 38,2 Prozent seiner 9,4 Dreier pro Spiel trifft der Point Guard. Dabei setzt Maxey Defenses permanentem Druck aus, saugt ihre Aufmerksamkeit auf, um Teamkollegen dann häufiger zu bedienen als jemals zuvor in seiner Karriere (7,1 Assists). Dass Philly plötzlich einen neuen Franchise-Player hat, war so nicht zwingend zu erwarten.
Boston Celtics
Eigentlich sollten die Celtics die Füße hochlegen. Um nach Jayson Tatums Achillessehnenriss Geld zu sparen gaben sie Jrue Holiday, Al Horford, Kristaps Porzingis und Luke Kornet, Stützen des Meisterkerns, ab. Auf den großen Positionen klaffte plötzliche eine veritable Lücke. Gut, Jaylen Brown war noch da. Aber könnte er das Team tragen? Unterstützt von Derrick White und Payton Pritchard? Er kann. Sie können.
Kurz vor Weihnachten sind die Celtics eines der heißesten Teams der Liga, gewannen acht ihrer letzten zehn Spiele, zuletzt sogar fünf Mal in Folge. Brown spielt den besten Basketball seiner Karriere, Pritchard hat sich als Starter etabliert und White seine Shooting-Probleme der Frühphase überwunden. Boston verteidigt aggressiv, bewegt sich viel und greift regelmäßig hart zu, ohne selbst von Defenses konstant greifbar zu sein.
Nur die Warriors und Bucks versenken bislang mehr Dreier, nur Golden State und Cleveland drücken häufiger von draußen ab. Dazu leisten sich die Celtics die wenigsten Ballverluste der Liga (11,8 Turnover pro Spiel). So steht nach einem Saisonviertel die zweitbeste Offense der Liga - und der Heimvorteil ist längst keine Utopie mehr. Und die Finals? Dabei hatte alles als Sabbatjahr begonnen.
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