Vassilis Spanoulis hatte vor ein paar Wochen so eine Vorahnung. Der Coach der AS Monaco hatte Unverständnis darüber geäußert, dass zum Beispiel der FC Bayern München sieben Auswärtsspiele in Folge bestreiten müsse. "So etwas sorgt dafür, dass Trainer ihren Job verlieren", mutmaßte der Grieche und war es schlussendlich selbst, der Gordon Herbert in München den "Todesstoß" versetzte.
Nach acht Niederlagen in der EuroLeague in Serie trennten sich beide Parteien einvernehmlich, die vergangenen sieben Spiele waren alle in der Fremde. Sieben Minuten spielte Bayern guten Basketball, die restlichen 33 waren ein Armutszeugnis und geprägt von Hilf- und Chancenlosigkeit. Mit 28 Punkten Differenz war man im Fürstentum noch gut bedient.
Die Bayern belegen mit einer Bilanz von 5-12 den vorletzten Platz in der EuroLeague, selbst die Play-in-Plätze, das erklärte Ziel der Münchner, sind bereits in weiter Ferne. Die Befürchtungen, dass man die prominenten Abgänge nicht ersetzen könnte, wurde bis hierher bestätigt. Noch immer fehlen Hierarchien, was für ein Herbert-Team mehr als ungewöhnlich ist.
Bayern: Keine Unterschiedsspieler, keine (engen) Siege
Aufgrund des brutalen Spielplans weichte der Kanadier seine Philosophie etwas auf, verteilte die Minuten deutlich mehr auf den auch deutlich größeren Kader, der für diese Strapazen auch notwendig ist. Nur kristallisierte sich nicht heraus, was eigentlich die beste Fünf ist. So verwundert es nicht, dass die Bayern im vierten Viertel mehrfach Spiele aus der Hand gaben und trotz zweistelliger Führungen nicht die Spiele über die Zeit bringen konnten.
Das ist auch der große Unterschied zur Vorsaison. Dort gewannen die Bayern reihenweise enge Spiele, weil sie mit Carsen Edwards, Shabazz Napier und mit Abstrichen Nick Weiler-Babb herausragende Closer hatten. Diese Spieler sollten 2025/26 Rokas Jokubaitis und Spencer Dinwiddie sein. Ersterer verletzte sich bei der EuroBasket schwer, während der ehemalige NBA-Profi noch immer nicht im europäischen Basketball angekommen zu sein scheint und kaum in die Mannschaft integriert ist.
Spiele wie gegen Barcelona, in Istanbul, Dubai oder bei ASVEL hätte man im Vorjahr gewonnen. Wäre dies der Fall gewesen, stünde man auf einem soliden elften Platz mit einer positiven Bilanz (9-8). Denn klar ist auch: Selbst in der so tollen Vorsaison bekamen die Bayern auswärts beständig auf die Mütze: -24 bei Roter Stern, -19 in Monaco, -43 in Piräus, um nur einmal ein paar Beispiele zu nennen.
Bayern: Auswärtsserie beschleunigt Negativspirale
Der Unterschied war, dass dazwischen aber immer wieder Heimspiele lagen, wodurch man nie den Anschluss verlor. Stattdessen entstand ein Negativstrudel, der der Stimmung auch nicht zuträglich war. Dazu fehlte Herbert selbst erkrankt für einige Wochen. Vieles kam zusammen, plus eben auch der neuformierte Kader.
Im Vorjahr wussten die Bayern, wer ihre Unterschiedsspieler waren, diese Ausgabe der Münchner kann das nicht von sich behaupten. Es sind viele gute Rollenspieler, wovon aber niemand so wirklich heraussticht. Es ist nur passend, dass der beste Münchner der Saison wohl Oscar da Silva ist. Ein guter Rollenspieler, der aber sein Team auf diesem Level eher nicht trägt.
So hatte Herbert nicht das beste Blatt, gleichzeitig deuteten aufgrund seiner Tätigkeit als kanadischer Nationaltrainer ab Sommer 2026 eh viele Zeichen auf Abschied hin. Inwieweit der ehemalige Bundestrainer für die Misere verantwortlich ist, kann auch nur schwer beantwortet werden.
Bayern: Wer wird Herberts Nachfolger?
Umso spannender ist es, wer nun auf Herbert folgt. Zum ersten Mal ist hier Sportdirektor Dragan Tarlac gefragt, bei dem noch immer nicht ganz klar ist, wofür er eigentlich steht. Der Trainer-Markt scheint für den Moment recht leergefegt, auch weil die Bayern nun bereits das sechste Team sind, welches den Coach tauscht.
Die Pressemitteilung der Bayern lässt zumindest vermuten, dass es schon Gespräche gibt. Denn dort wird angedeutet, dass schon für das Spiel am Dienstag die Nachfolge geregelt sein soll. Das ist dann übrigens endlich mal wieder ein Heimspiel - wenn auch gegen Tabellenführer Hapoel Tel Aviv.
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