Miron Muslic unternahm gar nicht erst den Versuch, die Unterlegenheit seines Teams mit Worten abzuschwächen. "Wir haben Hertha im ersten Spiel alles weggenommen", sagte Schalkes Coach mit Verweis auf den 2:1-Hinspielsieg im August. "Und das haben sie heute mit uns gemacht. Wir haben gelitten und verteidigt. Der Punkt ist sehr, sehr glücklich."
Schalkes Offensive fiel beim 0:0 im Berliner Olympiastadion am Samstagabend aus. Das Muslic-Team wurde von der Wucht der Hausherren, die 8:0 Torchancen verbuchten, zeitweise förmlich erdrückt. "Wenn man das Spiel und den Fußball sieht und auf die Tabelle schaut, dann tue ich mich schwer, wie unser Gegner da oben stehen kann", sagte Hertha-Stürmer Luca Schuler nach dem Abpfiff. "Das ist schwer in Worte zu fassen, wenn ich ehrlich bin."
Leitl: "Es war jemand im Tor, der unüberwindbar war"
Schalke kam nicht dazu, viel fürs eigene Spiel zu tun. Aber die Berliner schlugen aus ihrer Dominanz kein Kapital. "Wir haben viele Hochkaräter und müssen uns ankreiden, dass wir keinen gemacht haben", erklärte der Ex-Schalker Schuler, der bei seiner größten Chance nach 67 Minuten den Außenpfosten traf. "Mein Pfostenschuss wurde noch abgefälscht. Vielleicht hätte ich da am Ende nochmal aufziehen müssen."
Neben Schuler hatte auch Flügelstürmer Marten Winkler zweimal nach feiner Vorarbeit von Michael Cuisance die Führung auf dem Fuß. Doch kein Berliner kam an Schalkes Keeper Loris Karius vorbei. "Was er gehalten hat, ist sensationell", befand Hertha-Coach Stefan Leitl. "Ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen. Es war jemand im Tor, der unüberwindbar war."
Kein Tor, nur ein Punkt - aber Rückenwind für die Rückrunde
Der unter der Woche von einem Infekt angeknockte Kapitän Fabian Reese, laut Leitl erst dank einer "Punktlandung" bereit für einen Joker-Einsatz, fasste den Abend aus sportlicher Sicht korrekt zusammen: "Es ist bitter, dass wir diesen eigentlich hochverdienten Sieg nicht mitnehmen konnten."
Die fehlende Coolness im Abschluss bleibt für Hertha auch zu Beginn der Rückrunde ein Thema, dennoch ziehen die Berliner aus dem Re-Start Energie für die Aufstiegsmission. "Wir haben uns vorgenommen, 17 gute Spiele zu machen", sagte Schuler. "Jetzt haben wir das erste absolviert, uns aber leider nicht belohnt. Grundsätzlich sind wir nicht zufrieden, dass wir nur einen Punkt mitnehmen - aber mit der Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, schon. Das Spiel baut uns auf." Dazu kommt: Gegen Karius müssen sie diese Saison nicht mehr ran.