Schon im Vorfeld dieses NFC Championship Games waren Gerüchte aufgekommen, dass Rams-Quarterback Matthew Stafford ab September 2026 in seine dann 18. NFL-Saison gehen wird. Das hatte unter anderem NFL-Insider Ian Rapoport berichtet und dabei darauf verwiesen, dass der inzwischen 37-jährige Routinier noch genug Football-Saft im Tank habe.
Wer das im Vorfeld des internen NFC-West-Duells mit den Seattle Seahawks angezweifelt hatte, obwohl Stafford schon eine herausragende Regular Season auf absolutem MVP-Level dargeboten hatte (4707 Passing Yards, 46 Touchdowns, nur acht Interceptions), der durfte sich auch hier eines Besseren belehren lassen.
Der Anführer der Kalifornier brachte 22 seiner 35 Pässe für stolze 374 Yards und drei Touchdowns an den Mann, erreichte dabei pro Wurf jeweils über zehn Yards, leistete sich keinen Fehler und kassierte nur einen Sack. Mit solchen Werten hatte ein NFL-Spielmacher in der gesamten (!) Geschichte bis dato immer gewonnen - egal ob in der Regular Season oder den Playoffs.
Nur eben jetzt nicht: Denn die Rams verloren den wilden Schlagabtausch im lautstarken Lumen Field vor 68.773 Zuschauern denkbar knapp mit 27:31. Der Traum vom insgesamt dritten Super-Bowl-Sieg nach 1999/2000 und 2021/22 (damals beim 23:20 gegen die Cincinnati Bengals bereits mit Stafford oder auch Head Coach Sean McVay) - geplatzt.
Stafford hat einen Freibrief
Diese Pleite saß kurz nach dem Spielende so tief, dass Stafford selbst bei den Fragen nach seiner Zukunft (Rams-Vertrag für die kommende Saison hätte er noch) auswich. So sagte der Oldie gegenüber US-Medien nur mit Blick auf die lange Offseason, die Besprechungen, Trainingslager, die Preseason: "Ich kann nicht sechs Monate meines Lebens zehn Minuten nach einer Niederlage verallgemeinern. Deshalb bin ich den Jungs in dieser Kabine unendlich dankbar. Jedem, der mir und unserem Team geholfen hat, den Erfolg zu erzielen, den wir dieses Jahr hatten. Und das ist alles, was ich aktuell dazu sagen möchte."
Sein Trainer McVay wurde da schon klarer. Der schon seit 2017 in L.A. fest verankerte 40-Jährige hält die Tür für seinen 2021 im Trade mit den Detroit Lions für Jared Goff erhaltenen Schützling sperrangelweit offen: "Ja, natürlich darf er zurückkommen, wenn er weiterspielen will. Und ich weiß, dass er, wenn er will, immer noch verdammt gut spielt. Er ist schließlich der MVP der Liga." Und wenn sich Stafford für die Rente entscheiden sollte? McVay hat "Respekt vor allen anderen, aber dieser Typ hat einfach auf einem anderen Niveau gespielt".
So wie die Rams über weite Strecken in dieser Spielzeit überzeugt und sich als einer der großen Titelfavoriten aufgestellt hatten - und doch scheiterten. Nicht einfach zu verdauen, das Ganze. Gab auch Head Coach McVay zu, für den gerade das Ultimative nach einer Playoff-Niederlage (nur ein Spiel, Ausscheiden steht fest) ihn "wie betäubt" fühlen lässt. Stafford meinte zum Knockout noch: "Das alles ist wirklich nur schwer zu verdauen."
Der Unvollendete bleibt unvollendet
Ganz sicher auch für Davante Adams. Der 33-jährige Receiver, der in Seattle neben Top-Adresse Puka Nacua (neun Catches für 165 Yards und einen Touchdown) mit vier Catches für 89 Yards plus Score ebenfalls ablieferte und schon in der Regular Season mit 14 TDs geglänzt hatte, dürfte sicher ebenfalls noch Football im Tank haben.
Allerdings scheiterte "Tae" dieses Mal schon zum fünften Mal in seiner Karriere in einem NFC-Finale (viermal mit den Green Bay Packers, nun mit den Rams) und versandete somit erneut einen einzigen Schritt vor dem ersten Super-Bowl-Erlebnis seiner starken Karriere.
Sein "Herz ist gebrochen", sagte Adams sichtlich emotional niedergeschlagen vor den Kameras. "Es fällt mir schwer, jetzt darüber zu reden." Der Star-Receiver könne keinem im Team einen Vorwurf fürs Aus machen, alle hätten abgeliefert - gerade weil er sich hier so wohlfühlte in diesem Jahr nach den vorhergegangenen Raiders- und Jets-Erfahrungen.