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Robin Gosens bei #DAZNmoments: "Da ist etwas zusammengebrochen in mir"

Lesezeit: 8 Min.
Robin Gosens Inter Mailand Serie A 13032022 Getty Images

Vergangene Woche erzielte Robin Gosens sein Premieren-Tor für seinen neuen Klub Inter Mailand – und das ausgerechnet im Halbfinale der Coppa Italia im Derby della Madonnina gegen Stadtrivale AC Milan. Dass der 27-Jährige einmal bei einem der größten Klubs der Welt landen würde, war jedoch lange Zeit nicht absehbar.

So musste Gosens nach seinem Wechsel in die Serie A zu Atalanta Bergamo vor knapp fünf Jahren schwierige und frustrierende Zeiten durchstehen, in denen ihn sogar Wechselgedanken plagten, ehe der Mittelfeldspieler einen rasanten Aufstieg hinlegte, der ihn nicht nur zu den Nerazzurri führte, sondern auch in die deutsche Nationalmannschaft.

In der zweiten Folge der #DAZNmoments erinnert sich Gosens an einen Start voller Widerstände in Bergamo unter dem genialen Gian Pero Gasperini und an das unglaublich bittere Champions-League-Aus gegen Paris Saint-Germain. Zudem spricht er über schwere Verletzungen, seinen Abschied von Atalanta und seinen neuen Klub in der Lombardei.

Robin Gosens bei #DAZNmoments über …

… seine neue Rückennummer bei Inter: "Leider Gottes habe ich eine neue Nummer. Vecino hat die 8, ein Spieler, der schon länger im Verein ist. Ich wollte gar nicht auf meine Nummer bestehen. Ich finde es immer kritisch und blöd – es sei denn, man ist ein Wahnsinnskicker –, wenn man in einen neuen Verein kommt und direkt eine Rückennummer fordert. Dann sagt der Klub zu dem Spieler, der schon da ist: 'Hey, drück mal deine Nummer ab!' Was hat man denn dann für ein Verhältnis gleich am Anfang? Aber weil die 8 die Nummer ist, die mich schon meine ganze Karriere begleitet, wollte ich zumindest die 18. Schon in der Jugend bei Vitesse hatte ich die 8 zugelost bekommen. Deshalb ist das die Nummer, zu der ich die größte emotionale Bindung habe. Ich bin nicht abergläubisch, aber: Sobald die 8 auf dem Trikot ist, wird geknipst."

… sein erstes Tor bei Atalanta: "Dafür bin ich Gasperini unendlich dankbar. Wir spielen immer dieses offensive System mit den hohen Flügelspielern. Wie viele Tore habe ich gemacht, weil ich einfach die Freiheit hatte, als linker Außenverteidiger am zweiten Pfosten zu lauern und Hütten zu machen? Gefühlt habe ich alle meine Tore so gemacht."

… seinen Start bei Atalanta: "Mein Start bei Atalanta war schwierig und mit vielen Widerständen verbunden. Der Trainer hat anfangs gar nicht auf mich gesetzt und ich hatte nicht das Gefühl, dass ich Teil der Truppe bin. Im Gegenteil: Ich habe mich oft wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt. Ich konnte die Sprache nicht, habe das System nicht verstanden und auch nicht, was der Trainer von mir wollte. Mir hat das aber auch keiner so richtig erklärt. Ich musste selbst zusehen, wie ich klarkomme."

… den ersten Tiefschlag: "Wir spielten gegen Dortmund in der Europa League. Ich kam aus einer schwierigen Phase, wurde ins Spiel geworfen – und danach verantwortlich gemacht für die Niederlage. Da ist etwas zusammengebrochen in mir. Nach dem Spiel habe ich meinen Dad angerufen und gesagt: 'Ich glaube, der Schritt hierher war ein Fehler. Wir müssen uns umschauen für die kommenden Saison. Ich glaube, ich kann das nicht mehr.'"

… den Wendepunkt in Bergamo: "Kurz nach dem Dortmund-Spiel hat sich mein Kontrahent das Kreuzband gerissen. Dann war ich auf einmal die einzige Option, der Trainer musste mich spielen lassen. Und seitdem hat sich alles verändert. Ich dachte ohnehin, dass ich von da an für mich selbst spiele. Das hat ein Freiheitsgefühl im Kopf erzeugt – und es hat dem Trainer gefallen."

… seinen ehemaligen Mitspieler Papu Gomez: "Was der veranstaltet hat, was der mit dem Ball kann, wie der sich in kleinen Räumen bewegen konnte und Lösungen gefunden hat, das war unfassbar."

… seinen Ex-Coach Gasperini: "Er ist ein Genie, wenn es darum geht, eine Mannschaft zu formen und ihr eine Taktik einzutrichtern. Von ihm habe ich unglaublich viel gelernt. Wir hatten gerade in der Anfangszeit nicht unbedingt ein Weltklasse-Verhältnis, das hat sich dann ein bisschen gewandelt. Er hat mir gesagt, dass er noch nie einen Spieler trainiert hätte, der so viele Schritte gemacht und sich so krass verbessert hat. Er meinte auch, Inter sei zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Schritt. Es war ein sehr guter Austausch am Ende, von ihm habe ich mich sehr herzlich verabschiedet."

… das CL-Turnier 2020 in Lissabon: "Davor war die Pandemie, die speziell in Bergamo der komplette Wahnsinn war. Gefühlt hat jeder drei Monate nicht an Fußball gedacht. Für uns als Außenseiter hat der Modus mit nur einem Spiel pro Runde die Chancen gesteigert."

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Bild: Getty Images

… Atalantas CL-Spiel gegen PSG 2020: "In der ersten Halbzeit haben wir PSG aufgefressen. Wir mussten im Vorfeld aber bei gefühlten 40 Grad alle drei Tage spielen, weil wir so viele Spiele nachholen mussten. Dann ging uns ab der 60. Minute so langsam die Power aus. Wir haben gegen Ende einen 18-Jährigen eingewechselt, PSG brachte mal eben Mbappe. Der war nicht ganz fit, kam dann von der Bank und hat dann die Außenseite kurz in Brand gesetzt und einen oder sogar zwei Assists geliefert. Wir haben so lange überlebt, bis zur 90. Minute - und dann war der Traum leider vorbei. Mir kommen heute noch die Tränen, wenn ich Paris‘ Siegtreffer sehe. Es war unvorstellbar, so spät auszuscheiden. Trotzdem war es ein unfassbares Erlebnis, ein Karriere-Highlight - mit einem Stich ins Herz. Sportlich war das einer der bittersten Momente überhaupt. Aber das war schon unser Durchbruch auf internationaler Bühne, da wurden wir zu einer Art Angstgegner mit einer anderen Taktik als die anderen: Das Eins-gegen-Eins-Jagen auf dem Feld sieht man im internationalen Fußball nicht überall. Wie Pep einmal sagte: 'Gegen Atalanta zu spielen, ist wie ein Arztbesuch: Da hat keiner Bock drauf.'"

… seine Verletzung im CL-Spiel gegen YB Bern: "In der Szene passiert eigentlich gar nichts. Ich habe sie mir 1000 Mal angeschaut. Es tat aber so unmenschlich weh, ich hatte das Gefühl, mein ganzes Knie explodiert. Ich konnte den Schmerz gar nicht genau lokalisieren. Das hat mich fucking viereinhalb Monate gekostet, ein Tiefpunkt meiner Karriere. Dann wollte ich zurückkommen und reiße mir die Verletzung im letzten Training wieder auf. Zehn Wochen waren da für die Katz. Das war mental extrem schwierig für mich. Ich war immer von meinem Körper überzeugt, das war immer mein Gut und die Physis meine Stärke. Ich hatte wirklich Ängste, ob es auf Top-Niveau so weitergehen kann. Da hat mir mein Psychologie-Studium sehr geholfen, dieses Chaos im Kopf zu ordnen. So konnte ich die Negativität in positive Energie umwandeln. Verletzungen passieren, sind Teil des Spiels. Wichtig ist, wie man damit umgeht und dass man gestärkt daraus hervorgeht. Und vielleicht hat mich das als Spieler und als Persönlichkeit auch gefestigt."

... seine Karriere: "Ich sehe das als eine große Reise, auf der man sich immer mehr kennenlernt und zu sich selbst findet. Ich hätte auch in Bergamo bleiben können, da hätte ich wohl immer gespielt. Aber Inter war eine einmalige Chance, klar. Und hier bin ich wieder mit Widerständen konfrontiert. Ich habe als Konkurrenten Ivan Perisic, der eine Riesen-Saison spielt und schon alles gewonnen hat. Ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass mich diese Herausforderung in irgendeiner Form weiterbringen wird."

… den Abschied aus Bergamo: "Es war eine Verkettung vieler ekliger Umstände, die dazu geführt hat, dass ich mich nicht vernünftig verabschieden konnte. Ich habe viereinhalb Jahre in Bergamo verbracht und dem Verein viel zu verdanken. Ich bin dort Nationalspieler geworden, konnte zu einem der besten Vereine der Welt wechseln. Ich hätte mir einen Abschied vor den Fans gewünscht - so habe ich mich nach viereinhalb Monaten ohne Spiel verabschiedet. Das ist schon traurig."

… das neue Kapitel Inter: "Es ist schon Wahnsinn, dass ich jetzt bei einem der größten Klubs der Welt spielen darf - gerade wenn man sieht, dass ich das noch gar nicht so lange professionell mache. Es macht echt Spaß hier, Inter hat eine geile Truppe mit diesem unglaublichen Willen, immer zu gewinnen. Klar ist da auch der Druck, jedes Spiel gewinnen zu müssen. Aber das macht es ja auch aus, das macht Bock."

… den Sieg in Derby d’Italia gegen Juventus: "Ich sage euch: Das Ding wird uns den Scudetto bringen. Wir haben vor dem Spiel gesagt: 'Wenn wir das gewinnen, werden wir Meister.' Und so wird das auch kommen, da bin ich felsenfest von überzeugt."

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