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100 Jahre Hakoah-Titel: Endlich! Der Silberpokal gehört der Hakoah

kicker

Vielleicht waren sie ja unter den Hakoah-Anhängern, die sich an jenem 13. Juni 1925 unter die 5.000 Zuschauer auf dem WAC-Platz gemischt haben, um dem WAC gegen die Amateure die Daumen zu drücken. Vielleicht saßen sie in einem der unzähligen Kaffeehäuser und warteten Karten tippelnd auf das Ergebnis der Partie, die sie vorzeitig zum Meister machen konnte. Und im Fall der Fälle hätten die Hakoah-Fußballer dann ja wirklich noch (wie in der Morgenzeitung inseriert) einen Sprung in den Theatersaal des Café Astoria in der Praterstraße machen können - ”Hakoahner treffen sich im Jüdischen Künstlerkabarett“.

Als Max Streng, Paula Dreiblatt und Lea Weintraub-Graf, die Stars des leichten jüdischen Theaters, um Viertel neun dort mit ihrem neuesten Stück vor den Vorhang traten, waren die Stars des jüdischen Fußballs auf jeden Fall bereits Meister.

Franz Hansl, der beim "Skandal-Spiel" wenige Wochen zuvor noch der Hakoah ein Tor eingeschenkt hatte, ließ die Hakoah-Kiebitze diesmal nach 17 Minuten jubeln. Der Ausgleich der Amateure durch Guggi Wieser kurz vor der Pause bremste die Euphorie zwar wieder, aber nach einem Eigentor des Amateure-Verteidigers Karl Schneider fehlten nur noch 27 Minuten zum großen Glück. Nur noch 23, als Sindelar mit einer Knieverletzung vom Platz humpelte. Ohne Sindi werden die doch kein Tor mehr schießen? Jetzt musste auch noch Reiterer verletzt vom Platz. Neun Violette würden das in drei Minuten doch nicht mehr drehen, oder? Nein. Als Schiedsrichter Franz Neubauer abpfiff, stand es immer noch 2:1 für den WAC. Der Anhang der entthronten Amateure tobte. Aber die Hakoah war Meister! Erster Meister der österreichischen Profi-Liga!

Meisterjubel und Neiddebatten

Und sie war es immer noch, als die Hakoahner am nächsten Morgen die Zeitungen aufschlugen. "Dieser Triumph Hakoahs ist das größte Ereignis in der Entwicklung der jüdischen Körpersportbewegung und gleichzeitig ihr bedeutendster Erfolg", lasen sie voller Stolz in der Wiener Morgenzeitung. "Der Beweis der körperlichen Ebenbürtigkeit der Juden ist durch diesen Sieg der Hakoah in dem auf hohem Niveau befindlichen österreichischen Fußballsport auf das glänzendste erbracht."

Was sollten sie da noch die eifernden Ergüsse der Reichspost scheren, die sich mit einer jüdischen Meistermannschaft gar nicht anfreunden konnte: "In der ersten Liga ist die Sachlage die, dass man wirklich nur von einem Sieger sprechen kann, denn in der scharfen Konkurrenz mehrerer anspruchsberechtigter Mannschaften, konnte keine eine meisterhafte Leistung d.h. Überlegenheit über die anderen anbringen. Im übrigen aber wäre es auch paradox, eine zur größeren Hälfte aus Ungarn bestehende Mannschaft 'Wiener Meister' zu nennen."

Und selbst die Tiraden der Ostdeutschen Rundschau konnten sie diesmal mehr belustigen, als dass sie sie ernst hätten nehmen müssen: "Wenn auch diese Ursache für das Ansehen des Wiener Fußballsportes betrüblich ist, so kann man sich doch umso leichter darüber hinwegsetzen und braucht dem Ausgang der diesjährigen Meisterschaft keine allzu große Bedeutung beimessen, wenn man die Umstände berücksichtigt, unter denen Hakoah stets gewonnen hat."

Ob und wie lange die Hakoah-Spieler den Meistertitel gefeiert haben, ist nicht überliefert. Am nächsten Tag lagen sie aber gegen Simmering, im ersten ihrer noch zwei ausständigen Spiele, nach rascher 1:0-Führung mit 1:3 im Hintertreffen, ehe Grünwald und Nemes doch noch den Ausgleich schafften. Damit konnte auch das Wiener Sporttagblatt leben: "Am Sonntag büßte die Hakoah zwar einen Punkt gegen die Simmeringer ein, aber der andre Punkt, den sie genommen hat, bewahrt sie vor dem peinlichen Schönheitsfehler, den Meistertitel etwa nur durch das bessere Torverhältnis erringen zu müssen.“

Endlich der Silberpokal

Die Hakoah hatte schon wieder eine Gastspielreise nach Belgien (5:1 gegen Royal Antwerpen) und Holland (2:1 gegen Blau-Wit Amsterdam) in den Beinen, als sie zwei Wochen nach dem Titelgewinn und ganze sechs Tage nach dem letzten Spiel der Konkurrenz in einer längst bedeutungslosen Partie gegen Slovan die Meisterschaftssaison endlich abschlossen. Ohne einige ihrer angeschlagenen Stammkräfte gab sich die Hakoah dem Vorletzten 2:3 geschlagen. Den "prächtigen Silberpokal" für die gewonnene Meisterschaft hatten (vermutlich der verletzte) Kapitän Max Scheuer und Sektionsleiter Arthur Baar bereits vor Anpfiff in Empfang genommen. Ohne großen Pomp, wie er heute üblich ist. Selbst den Pokal hatte nicht etwa die Liga beigesteuert, sondern "ein ungenannt sein wollender Anhänger gespendet". Im September soll dieser für die Hakoah-Gala anlässlich des 100-jährigen Meisterjubiläums (www.hakoah.at/donate) seinen Weg zurück nach Wien finden. 1938 war der Silberpokal nach Israel gerettet worden, wo er heute im Maccabi Museum in Ramat Gan ausgestellt ist.

Die Hakoah hat in diesem Jahr und in den Jahren danach noch viele andere Meistertitel gewonnen - im Hockey, im Schwimmen, im Ringen, im Schach. Für die Fußballer aber blieb jener der Saison 1924/25 der einzige. Nachdem viele ihrer besten Spieler nicht von den US-Tourneen 1926 und 1927 zurückkamen, musste der Klub 1928 den Weg in die Zweitklassigkeit antreten. Er kehrte zurück, konnte aber nie mehr an das Erfolgsjahr anschließen. 1938 wurde der Verein mit dem Einmarsch Hitlers ausgelöscht.

Die Auslöschung und die Rückkehr

Über 30 Hakoah-Sportler und -Funktionäre wurden in den folgenden Jahren von den Nazis ermordet. Darunter Max Scheuer, der Kapitän der Meistermannschaft. Bis 1933 war der "treue Maxl",  der den Aufstieg des Klubs aus der vierten Liga seit 1912 mitgemacht hatte, noch als Spieler aktiv. Nach der Spielerkarriere stemmte sich die Hakoah-Legende als Funktionär gegen den Niedergang des Klubs und war noch wenige Tage vor dem "Anschluss" im März 1938 ein letztes Mal als Sektionsleiter bestätigt worden.

Freunde verhalfen ihm zur Flucht nach Marseille, wo schon seine ehemaligen Klubkollegen Eisenhoffer, Donnenfeld und Weißkopf (bei Olympique) auf ihn warteten. Über Kontakte Weißkopfs sollte er bald weiter in die neutrale Schweiz. Der gute "Maxl" wollte aber nicht ohne einen guten Freund aus gemeinsamen Hakoah-Tagen. Zum vereinbarten Treffpunkt erschien jedoch nicht nur der Freund, sondern eine ganze Gruppe von Flüchtlingen. Die insgesamt 14 Flüchtlinge fielen auf, wurden aufgegriffen und ins Durchgangslager Drancy bei Paris gebracht. Am 4. November 1942 wurden Scheuer und 999 Mithäftlinge mit dem "Konvoi 40" nach Auschwitz deportiert. 639 von ihnen wurden dort sofort nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt, von den 361, die ausgewählt waren, um Arbeiten im KZ zu verrichten, waren bei der Befreiung des Lagers am 27. Jänner 1945 noch vier am Leben. Scheuer zählte nicht dazu.

Noch im Mai 1945, nur wenige Tage nach dem Ende des Krieges, wurde die Hakoah von einer Handvoll Heimkehrern wiedergegründet. Bis sie ihren Sportplatz in der Krieau (zum Teil) zurückerhielt, sollten noch fast 60 Jahre vergehen. 2008 konnte das "S.C. Hakoah Karl Haber" Sport- und Freizeitzentrum eröffnet werden. Angeschlossen sind eine Schule und ein Altersheim. Eine Fußball-Mannschaft gibt es bei der Hakoah nicht mehr.

Die Meistermannschaft von 1924/25

Tor: Sandor Fabian (19 Spiele/1 Tor), Karl Duldig (1/0); Abwehr: Max Scheuer (13/0), Jakob Wegner (11/1), Max Gold (11/0); Mittelfeld:  Richard Fried (19/0), Egon Pollak (18/0), Bela Guttmann (16/0), Josef Grünfeld (6/0); Angriff: Moritz Häusler (20/8), Sandor Nemes-Neufeld (18/5), Jozsef Eisenhoffer (17/7), Ernö Schwarz (14/4), Lajos Hess (13/4), Norbert Katz (12/3), Max Grünwald (11/8), Heinrich Fuss (1/0).

+++ Ende der Serie +++

außerem einen tag vorher hockeymieser, einen tag danach beide tue durch wien Hedy bienenfeld