Die Fans von Hannover 96 blickten nach dem Abpfiff schnell nach vorne. Getreu dem Motto: Das nächste Spiel ist immer das Wichtigste. "Derbysieg, Derbysieg", schallte es am Freitagabend aus der Nordkurve der Heinz von Heiden-Arena nach dem Schlusspfiff gegen Schalke 04. Die Partien gegen Eintracht Braunschweig gelten in den Fankreisen der Hannoveraner als wichtigste Spiele der Saison. 96 muss am 26. Oktober beim Niedersachsen-Rivalen antreten. Und ein Erfolg in Braunschweig würde vieles vergessen lassen - auch das 0:3 gegen Schalke.
Ein Abend, an dem aus Sicht der Gastgeber so ziemlich alles schiefgelaufen ist, was schieflaufen konnte. Nach drei Minuten lag 96 schon in Rückstand, nach 14 Minuten fiel der zweite Gegentreffer. Und nachdem in den ersten 45 Minuten auch noch zwei Treffer durch Mustapha Bundu (16.) und Benjamin Kjällman (34.) wegen Abseitsstellungen aberkannt und 13 Sekunden nach Wiederanpfiff ein Handelfmeter zurückgenommen wurde, war schon klar, dass Schalke die drei Zähler aus Hannover mitnehmen würde.
„Wir haben das Spiel im Grunde in den ersten 20 bis 25 Minuten verloren.“ (Christian Titz)
"Wir haben das Spiel im Grunde in den ersten 20 bis 25 Minuten verloren", wusste 96-Cheftrainer Christian Titz. "In der Art und Weise, wie wir die Gegentore verteidigen, verlieren wir unter Druck zu leicht die Bälle." 96 wurde in den ersten 20 Minuten von den Gästen quasi überrollt, war nicht in der Lage, dem schnellen und druckvollen Spiel der Gäste etwas entgegenzusetzen. Enzo Leopold wurde deutlich. Er sagte: "Das darf uns einfach nicht passieren, dass wir so ins Spiel reinkommen. Wir wissen ganz genau, was auf uns zukommt - dass sie hoch pressen werden, dass sie defensiv spielen werden, dass sie ihre Wucht nach Standards haben. Genauso kassieren wir zwei Gegentore und laufen dann 70 Minuten hinterher. Das darf uns nicht passieren", wiederholte der Kapitän.
Leopold hadert mit zurückgenommenem Elfmeter
Lepold haderte auch noch mit dem von Schiedsrichter Martin Petersen zurückgenommenen Handelfmeter. "Da fehlen einem die Worte. Wenn du den Elfer pfeifst, darfst du den niemals zurücknehmen." Elfmeter hin oder her: Hannover 96 hätte am Freitagabend keinen Punkt verdient gehabt. Schalke 04 demonstrierte eindrucksvoll, wie eine Spitzenmannschaft der 2. Liga agieren sollte: Aggressiv, wach und effektiv. 96 indes muss akzeptieren, dass die gute Form zum Saisonstart mit vier Siegen in Serie der Vergangenheit angehört. Aktuell fehlt es der Mannschaft an Souveränität und Stabilität. Das Problem beim Verteidigen von Standards war am Freitag offensichtlich: Zwei der drei Schalker Treffer fielen nach Ecken. Trainer Titz kündigte Redebedarf an.
Beim Derby in Braunschweig müssen die 96-Spieler ein anderes Gesicht zeigen. Sonst kann die Stimmung im Verein und im Umfeld schnell kippen.