Die Analyse ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. "Er hat mir den Eindruck gemacht, dass er nicht ganz auf der Höhe ist, vielleicht in Form von Müdigkeit", hatte Hertha-Coach Stefan Leitl vor sechs Tagen nach dem Testspiel gegen Standard Lüttich (2:3) in Albufeira über den nach 33 Minuten aus Leistungsgründen ausgewechselten Luca Schuler gesagt. "Es geht darum, wie intensiv wir auch bei schlechten Bodenverhältnissen Fußball spielen. Das hat mir in der ersten Phase nicht ganz so gut gefallen. Da wollte ich kein Risiko eingehen und habe ihn runtergenommen."
Hängen geblieben ist nichts. Schuler, Herthas bester Hinrunden-Torschütze, hat weiterhin Leitls Vertrauen - und startet am Samstagabend zum Rückrundenauftakt gegen Schalke 04. Konkurrent Dawid Kownacki, der wegen eines Infekts das Winter-Trainingslager in Portugal verpasst hatte, ist als Joker eingeplant. "Es war natürlich sehr, sehr unglücklich, dass Dawid krankheitsbedingt nicht mit nach Portugal konnte", sagte Leitl in der Spieltagspressekonferenz am Donnerstag. "Trotzdem haben wir alles, was in unserer Macht steht, getan, dass er hier individuell trainieren konnte. Ziel war, dass wir ihn zum Trainingsauftakt diese Woche hier in Berlin im Kreis der Mannschaft begrüßen dürfen, das haben wir geschafft."
Leitl bescheinigt Kownacki "noch Nachholbedarf"
Seit Dienstag trainiert der Pole wieder mit dem Team. Dennoch ist er auch vor dem Hintergrund, dass er erst Ende November aus einer achtwöchigen Zwangspause (Sprunggelenkverletzung) zurückgekehrt war, körperlich noch nicht bei 100 Prozent. "Insgesamt macht Dawid einen ordentlichen Eindruck", erklärte Leitl. "Aber wir wissen alle, dass er noch Nachholbedarf hat. Stand jetzt ist er definitiv eine Option für die Bank. Luca Schuler wird spielen." Der 26-Jährige trifft besonders gern und oft gegen seine Ex-Klubs - für das Duell mit Ex-Verein Schalke ein gutes Omen.
In dieser Saison ärgerte Schuler seinen Ausbildungsklub 1. FC Kaiserslautern gleich zweimal: In der Liga markierte Schuler Anfang November das goldene Tor beim 1:0-Auswärtssieg auf dem Betzenberg, im DFB-Pokal-Achtelfinale traf er beim 6:1 Anfang Dezember sogar doppelt. In der vergangenen Saison hatte er beim 4:3-Sieg in Kaiserslautern ebenfalls doppelt getroffen und auch bei Ex-Klub 1. FC Magdeburg (3:1) ein Tor erzielt. Zwischen Januar 2020 und Sommer 2021 stand Schuler bei Schalke unter Vertrag. Seine Bilanz: 39 Einsätze und zwölf Tore in der Regionalliga West für Schalkes zweite Mannschaft - und zwei Bundesliga-Kurzeinsätze unter Manuel Baum und Dimitrios Grammozis.
Schuler: "Das sind die Spiele der Wahrheit"
"Ich hätte nichts dagegen, am 18. Spieltag da weiterzumachen", sagt Schuler mit Blick auf das prall gefüllte Tore-Konto gegen seine Ex-Klubs und das anstehende Duell gegen Königsblau. In den ersten sechs Rückrunden-Spielen haben die Berliner die Top 5 als Gegner vor der Brust, den Anfang macht der Knaller gegen Tabellenführer Schalke. "Das sind die Spiele der Wahrheit", erklärt Schuler. "Wir gehen nicht rein und gucken erstmal, sondern wollen jedes Spiel davon gewinnen. Das ist unser Anspruch. Dafür haben wir auch die Qualität."