Für einige Tage herrschte beim Regionalligisten FC Eilenburg in der Sommerpause ungeahnte Unruhe. Vielleicht auch ein wenig Aufregung. Als Trainer Sascha Prüfer kurz nach dem erfolgreichen Klassenerhalt dem Lockruf des Halleschen FC folgte und dort nun als Co-Trainer an der Seite von Robert Schröder arbeitet, waren die Nordsachsen plötzlich trainerlos.
Der Amateurklub suchte fortan und fand Kevin Rodewald. Der 34-Jährige brauchte keinen Berater, um sich in Stellung zu bringen. Telefonate, ein Treffen und der Blick in seine Arbeit beim F.C. Hansa Rostock reichten für die rasche "Ehe-Schließung".
„Kevin ist ein Glücksgriff. Passt fachlich, aber auch menschlich wunderbar zu uns.“ (Sportchef Stephan Hofmann)
"Kevin ist ein Glücksgriff. Passt fachlich, aber auch menschlich wunderbar zu uns", ist Sportchef Stephan Hofmann nach drei gemeinsamen Wochen voll des Lobes über den A-Lizenz-Inhaber, der Hansa Rostock II aus der Oberliga in die Regionalliga geführt hatte, dort aber gehen musste, als die anvisierten Ziele aus dem Blickfeld gerieten.
Der FCE verfolgt andere Wege, will sich im Haifischbecken Regionalliga Nordost festbeißen und das dritte Jahr in Folge überleben. "Unser Ziel ist, schneller den Klassenerhalt zu schaffen und eine ruhigere Saison zu haben", sagt Rodewald. Der gebürtige Schwabe, zweifacher Familienvater und Iron-Man-Teilnehmer hat sich in der Kleinstadt am Rande von Leipzig gut eingelebt und ist begeistert von seinem neuen Team. "Die Intensität und Trainingsqualität sind extrem hoch. Man merkt, dass wir eine gute Breite im Kader haben."
Die Mannschaft ist mit Ausnahme von Lennert Möbius (FSV Zwickau), Jonas Marx (Chemnitzer FC) und Alexander Vogel (FC Grimma) zusammengeblieben. Vor allem auf der Torhüter-Position verstärkten sich die Nordsachsen und holten mit Jakob Pieles von Absteiger VFC Plauen einen erfahrenen Rückhalt.
Ebenfalls aus Plauen kam Innenverteidiger Tom Fischer, der als Grundschullehrer in Chemnitz arbeitet und fast täglich mehr als 100 Kilometer zwischen seiner Heimatstadt und Eilenburg pendelt. Zudem wurde der in Greifswald glücklose Corvin Kosak verpflichtet. Der 20-jährige Mittelstürmer begeisterte in seinem zweiten Männer-Jahr mit 21 Toren für Oberligist Germania Halberstadt. Der Schritt nach Greifswald war angesichts der Konkurrenz ein zu großer. Jetzt will er in Eilenburg neu durchstarten und trifft mit Nick Poser, der ebenfalls in Halberstadt spielte, auf einen alten Bekannten.
Kaderplanung fast abgeschlossen
Drei weitere Spieler hat Rodewald noch im Blick, der finale Kader soll in den nächsten Tagen stehen. Rodewald weiß, dass der FC Eilenburg keine Spieler mit großen Geldscheinen locken kann, als krasser Außenseiter sieht er sein Team aber nicht. "Es gibt natürlich immer finanziell stärkere und schwächere Klubs, aber alle spielen 90 Minuten, alle spielen Elf gegen Elf und alle starten bei 0:0", so der Coach.
Am Ende sei es eine Frage der Haltung, macht Rodewald, der einst bei der Marine war, klar. Er wolle immer gewinnen. "Egal wie übermächtig oder schwer die Aufgabe auch ist, niemals aufzugeben ist das, was ich fordere."
„Ich bin super-ehrgeizig, wissbegierig und alte und moderne Schule in Kombination.“ (Kevin Rodewald)
Und was ist Rodewald nun für ein Trainertyp? "Ich sage immer: hart, aber fair. Ich bin super-ehrgeizig, wissbegierig und alte und moderne Schule in Kombination", lacht der neue Coach, der sich vor allem von erfahrenen Trainern viel abschaut. Auch die eineinhalb Jahre, die er zuletzt aus dem aktiven Fußballgeschäft raus war, hätten ihn geprägt, reifer und ruhiger gemacht. Die nötige Portion Gelassenheit wird er beim FC Eilenburg brauchen - der Klassenerhalt auf den letzten Drücker wäre nichts Ungewöhnliches für den Underdog, der sich inmitten noch größerer Raubfische - "Die Liga ist noch einmal deutlich besser geworden" (Rodewald) - behaupten muss.