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Altglienickes Torjäger Nietfeld: "Mir ist klar, dass das keine Normalsituation ist"

kicker

Acht Spiele und acht Tore: So lautet aktuell Ihre Bilanz für die VSG Altglienicke in der Saison 2025/26 in der Regionalliga Nordost. War das so nach Ihrem Wechsel zu erwarten?

Also erwartet habe ich das nicht. Ich habe gehofft, dass ich der Mannschaft sofort gut helfen kann. Im Herrenbereich hatte ich bisher nicht ansatzweise so eine gute Quote. Bei Zwickau habe ich mal in einer Regionalliga-Saison 15 Tore gemacht (Spielzeit 2015/16, Anm.d.Red.). Da war ich zum gleichen Zeitpunkt bei lediglich zwei Treffern. Es ist derzeit schon etwas besonders. Es ist nicht nur die Quote, sondern auch dieses Gefühl: Ich gehe auf den Platz und weiß, ich werde auf jeden Fall meine Chancen bekommen, weil wir echt schönen Offensivfußball spielen.

Was macht Sie derzeit so torgefährlich?

Ich versuche, meinen Flow so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Mir ist auch klar, dass das keine Normalsituation ist, in der ich gerade bin. Das muss man sich auch immer wieder bewusst machen. Ich habe schon andere Zeiten im Fußball erlebt. Und da kann man echt froh sein, jetzt in so einer Phase zu sein. Das muss man dann auch wertschätzen.

Wie lautet Ihre Zielstellung in der aktuellen Spielzeit, sowohl mit der VSG als auch persönlich?

Ich will alles dafür tun, dass mein aktueller Flow bleibt. Den zu verlieren, geht schnell, wenn man es für selbstverständlich nimmt. Deshalb arbeite ich akribisch weiter und will diese Phase so lange wie möglich aufrechterhalten. Und wenn ich treffe, ist das natürlich für die Mannschaft auch top. Denn in jedem Spiel, in dem ich bisher getroffen habe, haben wir auch gewonnen. Wir haben schon das Ziel, es hat sich ja mittlerweile eine Fünfergruppe an der Tabellenspitze herauskristallisiert, da oben dranzubleiben, die Schlagdistanz immer möglichst kurzhalten und bis zum Ende ein Wort oben mitzusprechen.

Wie sehen Sie als Spieler die aktuelle Debatte um den Drittliga-Aufstieg, samt Aufstiegsspielen und direktem Aufstiegsplatz für jährlich nur drei der fünf Regionalligen?

Ich beschäftige mich jetzt nicht täglich mit der Thematik, weil ich sie als Spieler nicht ändern kann. Aber ich finde es gut, dass es die Aufstiegsreform "Meister müssen aufsteigen" gibt und sich deutschlandweit immer mehr Vereine damit solidarisieren. Es gilt nun, eine ordentliche Lösung zu finden, die alle Interessen bindet. Es wäre schön, wenn man als Meister direkt hochgehen würde. Aber ich weiß ja, dass es nicht so ist. Vor daher ist es eine Situation, auf die man sich als Spieler einstellen kann.

Sie wechselten vor der aktuellen Spielzeit vom Ligakonkurrenten Halleschen FC zur VSG und haben gleich für zwei Jahre unterschrieben. Was war der Grund dafür?

Ich wusste, dass es in Altglienicke eine schlagkräftige Mannschaft gibt, habe mir im Vorfeld meine Gedanken gemacht und mich auch bei einigen Spielern informiert. Ebenso sind die Bedingungen vor Ort sehr gut und der Verein ist ambitioniert. Mir war es halt schon wichtig, in eine Mannschaft zu kommen, wo ich das Gefühl habe, da kann man was reißen, da kann man erfolgreich sein. Und das Gefühl haben mir auch der Trainer und die Verantwortlichen bei der VSG gegeben.

„Es war schon schwer für mich, damit umzugehen, und ich war auch ein Stück weit enttäuscht.“ (Nietfeld über seinen Abschied nach sechs Jahren in Halle)

Lange Zeit stand für Sie dem Vernehmen nach auch ein Verbleib in Halle im Raum. Immerhin spielten Sie seit 2019 für den Klub, auch in der 3. Liga. Sind Sie im Groll gegangen?

Ich habe in der Zeit im Sommer in der Luft gehangen und immer gehofft, dass ich noch einen Vertrag in Halle bekomme. Dazu ist es aber nicht gekommen. Das hatte verschiedene Gründe, warum es nicht geklappt hatte, worauf ich aber nicht weiter eingehen möchte. Es war schon schwer für mich, damit umzugehen, und ich war auch ein Stück weit enttäuscht. Aber ich habe mich dann möglichst schnell darauf fokussiert, etwas anderes zu finden, weil ich wusste, ich muss jetzt einen Cut setzen. Und jetzt bin ich froh, bei der VSG zu sein.

Am 18. Oktober empfängt die VSG den Halleschen FC. Verschwenden Sie schon Gedanken an diese Partie gegen Ihren Ex-Verein am 12. Spieltag?

Als der Spielplan herauskam, habe ich schon geschaut, wann das Spiel gegen Halle ist. Aber in der laufenden Saison spielt das jetzt nicht so eine Rolle. Bis es zum direkten Aufeinandertreffen kommt, will ich weiter performen und dass es dann eine ähnliche Situation ist, wie jetzt in der Tabelle. Unser Ziel ist es auf jeden Fall, dann ein absolutes Topspiel zu haben. Bis dahin sind aber noch ein paar Spiele zu spielen, die natürlich ebenso sehr, sehr wichtig sind.

„Also ich werde jetzt mit Sicherheit nicht ausschweifend Richtung Gästefanblock jubeln. Aber natürlich würde ich mich auch über ein Tor freuen.“ (Nietfeld, falls er gegen Ex-Klub Halle treffen sollte)

Würden Sie bei einem Treffer gegen Halle jubeln?

Ich glaube, das kommt auch auf das Spiel an. Also ich werde jetzt mit Sicherheit nicht ausschweifend Richtung Gästefanblock jubeln. Aber natürlich würde ich mich auch über ein Tor freuen. Ob ich dann still und leise jubeln würde oder ob dann doch mal eine Jubelfaust kommt, das werden wir sehen. Aber erst mal schauen, wie das Spiel läuft. Wir müssen generell eine gute Leistung bringen und dass ich dann treffe, ist natürlich alles anders selbstverständlich. Letztendlich geht es darum, dass wir Spiele gewinnen, und da ist es dann halt mein Job als Stürmer, möglichst viele Tore zu machen.

Stichwort Stürmer: In Halle liefen Sie oft auch als Abwehrspieler oder im Mittelfeld auf. Bei der VSG sind Sie als Offensivspieler ganz vorn auf dem Rasen aktiv. Wo fühlen Sie sich denn am wohlsten?

Ich glaube, momentan wäre es Quatsch, wenn ich sagen würde, ich fühle mich vorn nicht wohl. Das spiegelt sich auch in den Statistiken wider. Aber ich bin natürlich extrem vielseitig. Es war für mich nie ein großes Problem, auch auf einer anderen Position in meiner Karriere zu spielen. Klar muss man sich da auch erst ein bisschen einfuchsen. Aber das konnte ich zum Glück dann immer sehr, sehr schnell tun und habe mich auch auf den Positionen wohlgefühlt. Es hat auch seinen Reiz, im Mittelfeld und auch ganz hinten zu spielen. Aber schon in den Gesprächen mit der VSG war klar, dass mich der Verein vorn sieht. Das habe ich auch befürwortet. Es ist momentan einfach eine schöne Situation und ich glaube auch nicht, dass es zur Debatte steht, dass ich jetzt wieder weiter nach hinten rutsche. Ich glaube, das wird bei der VSG auf jeden Fall der Sturm bleiben.

Die VSG muss Ihre Heimspiele seit der Saison 2025/26 im brandenburgischen Fürstenwalde austragen. Ist das für Sie eine komische Situation?

Für mich ist es normal, da ich es ja nicht anders kenne. Für mich ist das Stadion in Fürstenwalde unser Heimatstadion. Klar wäre es schön, wenn der Verein ein eigenes Stadion hätte. Das würde auch für die Identifikation mehr machen. Die Verantwortlichen haben mit Fürstenwalde aber eine wirklich gute Lösung gefunden. Wir als Mannschaft fühlen uns da wohl, haben bisher dort sehr, sehr erfolgreich gespielt. Es ist ein kleines Stadion und für die Gegner ist es da eklig zu spielen. Wir versuchen da sportlich unseren Vorteil draus zu ziehen. Wir haben von fünf Spielen dort vier gewonnen. Ich glaube, das ist eine super Bilanz. Von daher sieht man, dass wir in Fürstenwalde bisher ganz gut performen und ja, wir wollen das natürlich so fortführen.

Beim 3:0-Heimsieg der VSG gegen Zwickau erzielten Sie zwei Treffer, wurden vom Stadionsprecher lautstark gefeiert. Dieser kündigte bei der Ansage ihren Namen mit "Nieter" an. Können Sie den Spitznamen erklären?

Dass sich das von meinem Nachnamen ableitet, ist ja klar. Das hat sich damals ergeben, als ich in der A-Jugend nach Erfurt gewechselt bin. Da wurde an die Namen immer ein "er" drangemacht. Ich weiß nicht, ob das generell ein Ostding ist. Bei mir wurde es dann "Nieter". Ich glaube, in der Fußballbranche kennen mich die Leute mehr unter dem Namen "Nieter" als unter Jonas. Also ich bin fein mit dem Spitznamen. Bei unserem Stadionsprecher lag das wahrscheinlich auch daran, dass in den größeren Stadien ja nur der Vorname gesagt wird und die Fans schreien den Nachnamen. Das ist bei uns jetzt nicht der Fall. Von daher hat er sich da was Spezielles überlegt und ist auch ganz cool.