Es war ein Rahmen, der an einen der glorreichsten Fußballabende in der Ansbacher Vereinsgeschichte erinnerte. Im Eröffnungsspiel der Regionalliga Bayern trafen die Nullneuner am Donnerstagabend auf die SpVgg Bayreuth. Die Mittelfranken, die zuletzt in allen Bereichen "Quantensprünge" gemacht hatten, fuhren für diese Premiere vor 2.800 Zuschauern schweres Geschütz auf. BFV-Präsident Christoph Kern würdigte dies im Verbandsinterview mit einem großen Lob für eine "tolle Eröffnungsfeier".
Das letzte Mal, dass beim Ansbacher Saisonauftakt ein derart dichtes Gedränge im Xaver-Bertsch-Sportpark herrschte, war beim ersten Regionalligaspiel nach dem Aufstieg 2022. Wenig später wurde der große FC Bayern München II vor 3.700 Zuschauern mit 2:0 in die Schranken gewiesen.
Ein gutes Omen also? Darauf hoffte man zumindest im Lager der Mittelfranken, die auch personell einen turbulenten Sommer mit zahlreichen Abgängen von Leistungsträgern hinter sich hatten. Nach einer ergebnistechnisch durchaus holprigen Vorbereitung - darunter eine 1:7-Klatsche gegen Südwest-Aufsteiger Sonnenhof Großaspach - war es für die Mannschaft von Trainer Niklas Reutelhuber umso wichtiger, mit einem positiven Gefühl in die neue Saison zu starten.
„Es hätte heute nur einen verdienten Sieger geben können. Und das wären wir gewesen.“ (Niklas Reutelhuber)
Punkte gab es zum Start in die neue Saison keine - obwohl der Spielverlauf durchaus ein anderes Ergebnis als das 1:2 zugelassen hätte. "Es hätte heute nur einen verdienten Sieger geben können, und das wären wir gewesen", resümierte Trainer Reutelhuber nach dem Abpfiff. Auch Gästecoach Lukas Kling stimmte zu: Er sprach von einem "unverdienten Sieg", freute sich aber selbstverständlich über die drei Punkte.
In der Tat: Ansbach, das mit nur einem Neuzugang (Mirko Puscher) in der Startelf antrat, erwischte den besseren Start und ging mit der ersten Chance des Spiels in der 7. Minute durch Niklas Seefried in Führung. Eine Effizienz, die die Nullneuner im weiteren Spielverlauf allerdings nicht über die vollen 90 Minuten aufrechterhalten konnten.
Bayreuth, anfangs noch sichtbar verunsichert, fand zunehmend ins Spiel und glich in der 29. Minute nach einem Konter aus. Nach der Pause übernahmen wieder die Hausherren das Kommando, setzten spielerische Akzente und erspielten sich mehrere hochkarätige Chancen. Doch weder Kroiß - nach einem katastrophalen Bayreuther Aufbaufehler frei vor dem Tor - noch Oberseider aus wenigen Metern konnten den Ball im Netz unterbringen. Und so kam es, wie es im Fußball oft kommt: Seidel nutzte einen Halbfeldfreistoß zum Lucky Punch und besiegelte die unglückliche Ansbacher Auftaktniederlage.
„Wir hatten sechs, sieben, acht riesige Torchancen. Wir dürfen dieses Spiel nicht verlieren.“ (Niklas Reutelhuber)
"Auf der einen Seite ist es gut, wenn man im ersten Saisonspiel so eine Leistung abliefert, weil dann weiß man, dass man in der Vorbereitung gut gearbeitet hat", gestand Reutelhuber auch eine gewisse Zufriedenheit, ließ aber ein Aber folgen: "Man muss auch ehrlich sagen. Wir müssen das Spiel einfach gewinnen. Da können wir keine Ausreden finden. Wir hatten sechs, sieben, acht riesige Torchancen. Wir dürfen dieses Spiel nicht verlieren."
Auch Reutelhuber zeigte sich ein Stück weit überrascht vom Spielverlauf: "Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass wir eine richtig gute Leistung oder Bayreuth eine bescheidene Leistung abgeliefert hat. Aber der Unterschied war heute schon groß."
Kaufen können sich die Nullneuner von dieser Erkenntnis freilich nichts. Die gute Leistung sollte vor allem als Mutmacher dienen - als Beleg dafür, dass man auch großen Namen Paroli bieten kann. Gleichzeitig muss die mangelnde Effizienz als Warnsignal verstanden werden. Denn bereits in der kommenden Woche wartet mit der SpVgg Unterhaching der nächste Hochkaräter - und erneut könnte die Chancenverwertung zum entscheidenden Faktor werden. Reutelhuber gibt sich optimistisch: "Wir werden uns schütteln und dafür sorgen, dass wir bestmöglich vorbereitet sind für Haching."